LWG Rastatt
Schlecht einsehbar sind Teile des Schulgeländes des Ludwig-Wilhelm-Gymnasiums (hier der Blick von der Bernharduskirche aus). Deshalb treffen sich hier gerne junge Leute, um Saufgelage abzuhalten. | Foto: Collet

LWG Rastatt

Zaun gegen Kot und Dreck

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Es sind bewegende Worte, mit denen sich Reinhard Matz an den Gemeinderat wendet. Matz ist Hausmeister am Ludwig-Wilhelm-Gymnasium und hat als solcher tagtäglich mit Müll, menschlichen Hinterlassenschaften und Pöbeleien zu kämpfen. „Ich komme mir vor wie ein Hampelmann“, beschreibt Matz seine Hilflosigkeit angesichts angetrunkener Jugendlicher und junger Erwachsener, die sich auf dem Schulgelände breitmachen und auch auf seine Ansprache hin nicht gehen wollen.
Seitdem das Land auf der Schlossterrasse einen Sicherheitsdienst einsetzt, hat sich das Problem laut Matz weiter verschärft. Doch er beobachte seit gut zehn Jahren eine Veränderung bei den jungen Leuten: „Die Gruppen werden immer größer und immer mehr. Wenn ich die anspreche, nehmen sie mich nicht zur Kenntnis und inzwischen gehen die sogar ins Gebäude. Wie sollen wir denn die Kinder schützen?“ Bereits seit 2010 fordere die Schule Maßnahmen – jetzt hat sich der Gemeinderat nach intensiver Diskussion dazu durchgerungen, einen Zaun um den hinteren Bereich des Schulgeländes zu ziehen.

Mehr Anstand und Sauberkeit

„Zäune mitten in der Stadt sind ein Symbol der Abgrenzung. Das widerspricht der Offenheit, die wir leben wollen“, hatte Grünen-Stadträtin Gülsün Akcakoca noch gegen die Idee einer Abriegelung der schwer einsehbaren Bereiche des LWG-Schulgeländes plädiert. Sie erinnerte an die Handelslehranstalt, die ein ähnliches Problem hatte. Dort habe der Landkreis mit dem Projekt „Respekt“ Erfolg gehabt. „Vielleicht kann die Stadt ja davon lernen?“ Grünen-Chef Roland Walter stellt die Frage in den Raum, wie man diese Menschen zu mehr Anstand und Sauberkeit anhalten könne.

Zerstörte Fensterscheiben und brennende Container

Das Problem sei, dass es sich nicht um eine homogene Gruppe handele, sondern um Menschen zwischen 14 und 24 Jahren, wie Bürgermeister Arne Pfirrmann erläuterte. Bereits vor fünf Jahren habe die Stadt einen Anlauf unternommen, das Problem im Dialog zu lösen: „Dennoch wurden Fensterscheiben eingeschlagen und Container angezündet.“ Darum wolle die Stadt nun in einem ersten Schritt den unübersichtlichen Bereich umzäunen. Sollte sich das Problem dadurch verlagern, werde darüber nachgedacht, auch die anderen Bereiche einzuzäunen und zumindest abends keinen freien Zutritt zum Schulgelände zu gewähren. An der Gustav-Heinemann-Schule, der früheren Max-Jäger-Schule und dem Tulla-Gymnasium sei dies erfolgreich gewesen.

Videoüberwachung ist Pippifax

Das bestätigte auch der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, Herbert Köllner, der die Umzäunung der Gustav-Heinemann-Schule als Schulleiter mitmachte: „Videoüberwachung ist Pippifax. Seitdem der Zaun um die Schule ist, ist Ruhe. Das ist gut angelegtes Geld.“ SPD-Stadtrat Harald Ballerstaedt sprach von einer „schmerzhaften, aber notwendigen“ Entscheidung. „Die Schule soll Vorbild sein. Wenn die Kinder täglich Müll sehen, kann das nicht funktionieren.“

Verlagert der Zaun das Problem nur?

Angesichts der Tatsache, dass ein Teil der Gruppen offenbar vorher auf der Schlossterrasse für Dreck und Müll gesorgt hat, fürchteten die Stadträte nun eine Verlagerung des Problems an andere Orte der Stadt. Hier forderten sie über die Fraktionsgrenzen hinweg ein Konzept, dass das Problem der zunehmenden Rücksichtslosigkeit mit öffentlichen Gebäuden und Anlagen im Blick behält. Auf die Forderung nach einem Runden Tisch mit Vertretern der betroffenen Schulen und der Polizei erinnerte Bürgermeister Pfirrmann an den Arbeitskreis Stadtsicherheit, der sich mit Problemen wie diesen bereits befasse.
Auf die Aussage des SPD-Fraktionschefs Joachim Fischer, der Einsatz von Reinhard Matz zeige, wie gut das Konzept „ein Hausmeister, eine Schule“ funktioniere, erwiderte Oberbürgermeister Hans Jürgen Pütsch: „Dieses Konzept haben wir schon lange nicht mehr.“ Zudem sei dafür auch kein Personal da.“ Wie genau das Ludwig-Wilhelm-Gymnasium nun eingezäunt werden soll, wird bei einem Ortstermin im neuen Jahr besprochen, so der Oberbürgermeister.