So sieht es aus, wenn zweijährige Pferde ein Rennen bestreiten: Laut Peta stehen die Tiere dabei Todesangst aus. | Foto: Kraft

Zwischen Todesangst und Leiden

Peta kritisiert Sales & Racing-Festival in Iffezheim: „Als würde man Kleinkinder um ihr Leben rennen lassen“

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Die Tierrechtsorganisation Peta übt im Vorfeld des am heutigen Freitag (19. Oktober) startenden Sales & Racing-Festival auf der Galopprennbahn in Iffezheim scharfe Kritik an den Zweijährigenrennen.

Peta fordert Verbot von Rennen

„Zweijährige Pferde an den Start zu schicken, ist, als würde man Kleinkinder unter Peitschenschlägen um ihr Leben rennen lassen“, erklärt Jana Hoger von Peta. Wenn schon nicht das ganze Festival abgesagt würde, dann sollte „zumindest der Einsatz von Pferdekindern auf der Galoppanlage sowie die Peitschenschläge“ verboten werden. Ein weiteres Problem sei laut Peta die Haltung der Galopper. „,Rennpferde werden meist in Einzelboxen ohne Kontakt zu Artgenossen oder Freilauf auf der Weide gehalten.“ Dabei sei dieser Kontakt besonders für junge Pferde wichtig, die noch Sozialverhalten lernen müssten, moniert die Tierrechtsorganisation.

Pferde-Tierärztin widerspricht

Eine Kritik, die Johanna Leitenmaier-Ludwig so nicht stehen lassen will. Sie ist Pferde-Tierärztin und betreut auch zahlreiche Rennpferde in Iffezheim. „Vor 20 Jahren waren die Boxen tatsächlich noch alle geschlossen, doch das hat sich geändert“, weiß sie. Heute hätten die Tiere die Möglichkeit, ihre Köpfe aus den Boxen zu strecken und so Kontakt aufzunehmen. Auch würden Rennpferde durchaus auf Koppeln stehen – allerdings nicht so viel, wie Hobbypferde.

Offenstallhaltung ist beliebt

„Wegen ihres Temperaments verletzten sie sich doch leichter. Und gerade vor Rennen ist das natürlich ärgerlich.“ In jüngerer Vergangenheit sei die Offenstallhaltung, bei der die Pferde in Gruppen zusammenleben, immer mehr in Mode gekommen. „Das kommt für Rennpferde nicht in Frage“, so Leitenmaier-Ludwig. Allerdings sei diese Haltungsform auch nicht für jedes Pferd geeignet – Leistungssport hin oder her. „Rangniedere Pferde werden etwa immer wieder vom Futter vertrieben und können Magengeschwüre entwickeln.“ Wie bei den Menschen gebe es solche und solche Typen.

Leitenmaier-Ludwig: Fast nur Profis trainieren die Tiere

Deshalb findet die Tierärztin die pauschale Kritik von Peta am Rennsport auch nicht gerechtfertigt. Sie habe durchaus Tiere kennengelernt, die „das als Berufung haben“: „Die Rennen aus Leidenschaft, mit Talent und wissen genau, ob sie gewonnen haben oder nicht. Das hätte ich früher auch nie geglaubt.“ Zudem werden die Pferde fast ausnahmslos von Profis trainiert, im Gegensatz zum Hobbysport. „Bei Reitpferden habe ich schon viele schlechte Dinge erlebt, die aus Dummheit der Besitzer passiert sind“, gibt die Fachfrau zu bedenken.

Druck aus wirtschaftlichen Gründen

Und genau auf diese Profimeinung setzt die Tierärztin, wenn es um die Zweijährigenrennen geht. „Gute Trainer lassen die Wachstumsfugen röntgen“, betont sie. Wenn sie noch nicht geschlossen seien, müssten die Tiere ein Jahr später an den Start gehen. Das jedoch wollten die Besitzer nicht immer. „Es gibt vernünftige, die anderen üben aber aus wirtschaftlichen Gründen Druck auf die Trainer aus.“ Dann sei es tatsächlich so, wie von Peta kritisiert: Die jungen Pferde könnten dann überfordert sein und nervös werden oder aber körperliche Schäden nehmen – etwa Gelenkveränderungen entwickeln, die in Arthrose oder Frakturen endeten. Allerdings, gibt Leitenmaier-Ludwig zu bedenken: „Menschlicher Leistungssport ist da auch nicht viel anders.“

Bei Reitpferden habe ich schon viele schlechte Dinge erlebt, die aus Dummheit der Besitzer passiert sind.

Johanna Leitenmaier-Ludwig, Pferde-Tierärztin

Und doch wehrt sich die Tierärztin dagegen, den Galopprennsport zu verteufeln. Sie ist überzeugt: Wenn ein Pferd sinnvoll eingesetzt wird, dann kann es auch im Leistungssport alt werden. Sie selbst besitzt einen ehemaligen Galopper, der bereits als Zweijähriger Rennen gelaufen ist und seine Karriere erst mit sechs oder sieben Jahren beendet hat. „Das ist eine vergleichsweise lange Zeit. Jetzt ist er 22 Jahre alt und immer noch quietschvergnügt.“ Es sei ein hartnäckiges Gerücht, dass die Tiere verheizt würden und dann beim Pferdemetzger landeten. „Das habe ich noch nie erlebt.“