Um aus einem ICE aussteigen zu können, braucht es derzeit eines Podests.
Um aus einem ICE aussteigen zu können, braucht es derzeit eines Podests. | Foto: Collet

Rastatter Bahnhof

Zwist bedroht barrierefreien Umbau

Anzeige

Der barrierefreie Umbau des Rastatter Bahnhofs könnte sich erneut verzögern. Hintergrund ist ein Zwist zwischen dem Verkehrsministerium des Landes Baden-Württemberg und der Deutschen Bahn über die Höhe der Bahnsteige.

OB Pütsch will schnelle Lösung

Oberbürgermeister Hans Jürgen Pütsch hat für diese drohende Verzögerung kein Verständnis: „Es kann nicht sein, dass der Ausbau wegen einer Grundsatzdiskussion zwischen Land und Bahn unter die Räder kommt“, erklärt er auf Anfrage der Badischen Neuesten Nachrichten. Und: „Ich erwarte eine zügige Lösung.“

Land streitet mit der Bahn

Hintergrund sind die Planungen der Bahnsteighöhen, wie der Grünen-Landtagsabgeordnete Thomas Hentschel in einer Pressemitteilung ausführt. Demnach plant die Bahn 76 Zentimeter hohe Bahnsteige, weil auch ein Intercity-Zugpaar der Linie von Offenburg nach Stuttgart in Rastatt hält. Diese Höhe ist im Fernverkehr Standard. Für die in Rastatt hauptsächlich haltenden S-Bahnen allerdings sind 55 Zentimeter ideal, damit diese barrierefrei erreicht werden können.

Heute zu niedrig – künftig zu hoch

Derzeit sind die Bahnsteige wiederum so niedrig, dass weder Regional- noch Fernverkehr gut erklommen werden können – als die ICE während des Tunnelbruchs bei Niederbühl in Rastatt hielten, mussten spezielle Podeste an den Türen aufgestellt werden.

Fernzüge sollen weiterhin halten

Das Verkehrsministerium fordert nach Hentschels Angaben, dass die Bahnsteige 55 Zentimeter hoch sein sollen, damit die S-Bahnen stufenfrei erreicht werden können. Die beiden IC könnten damit dennoch bedient werden. OB Pütsch will sich indes nicht in die Details einmischen, wie die städtische Pressestelle verdeutlicht. Es gebe für den OB zwei Prioritäten: „Der Bahnhof muss so schnell wie möglich umgebaut werden – und er muss weiterhin Haltepunkt für Fernzüge bleiben.“ Mitte Juli sei Bürgermeister Raphael Knoth in dieser Sache zu einem Gespräch im Verkehrsministerium in Stuttgart.

Entscheidung nach Tunnelhavarie

Die Bahn hatte im vergangenen Jahr angesichts der Tunnelhavarie, bei der mehr als eine Million Reisende am maroden Rastatter Bahnhof aussteigen mussten, dessen zunächst gestoppte Sanierung angekündigt.

 

Kommentar: Bremsklötze
Hat die Bahn noch nie einen Bahnhof saniert? Diesen Eindruck kann man gewinnen angesichts der vielen Grundsatzfragen, die anhand der Rastatter Station aufgeworfen werden. Unterführung oder Überführung? Gleise umlegen oder nicht? Bahnsteighöhe 55 oder 76 Zentimeter? Immer wieder neue Bremsklötze werden vor das Projekt geworfen.
Es ist völlig richtig, dass sich Oberbürgermeister Hans Jürgen Pütsch nicht auf Detailfragen einlassen will, das ist beileibe nicht die Aufgabe der Stadt Rastatt. Es geht in der Tat um zwei Kernpunkte: Der Bahnhof muss saniert werden und es müssen – lieber mehr als weniger – Fernzüge halten. Solche barrierefreien Bahnhöfe, an denen Regional- und Fernverkehr hält, gibt es tausendfach in Deutschland.
Es gelingt den Rastatter Verhandlungsführern hoffentlich, diese überflüssigen Bremsklötze ein für alle Mal vom Gleis zu räumen. Dass sich das baden-württembergische Verkehrsministerium gerne an der Deutschen Bahn abarbeitet, ist nicht neu. Dazu gibt es genügend Spielwiesen, etwa Pünktlichkeit und Anschlusszuverlässigkeit der Züge – der Rastatter Bahnhof muss dafür nicht herhalten.