Fast ein Hauch von Romantik - mit Frostkerzen versuchte Stefan Wilhelm in einer seiner Apfelplantagen den Frost von den Blüten fern zu halten. | Foto: Roland Spether

Frostnächte schocken Landwirte

„So etwas habe ich noch nicht erlebt“

Von Roland Spether

„Die Eisheiligen kommen erst noch, jetzt müssen wir einfach abwarten“. Von Entwarnung kann noch keine Rede sein, doch nach den jüngstenen Frost-Nächten können die eisigen Gesellen um die „Kalte Sophie“ (15. Mai) nach Meinung des Alde-Gott-Geschäftsführers Günter Lehmann (Sasbachwalden) wahrlich ausbleiben. Bei ihm und Verwaltungsleiter Michael Falk liefen schon einige besorgte Mails der Winzer ein. Beide sind ich darüber einig, dass es solch harte Frostnächte und „so großflächig“ seit den 80er Jahren nicht gab. Demzufolge habe es auch in den Rebbergen der Alde Gott Winzer Schwarzwald eG Frostschäden gegeben – wie stark diese sind, werde derzeit von Qualitätsberater Bernhard Ganter und den Winzern ermittelt.

Jetzt heißt es abwarten

Letztendlich lasse sich über den Jahrgang 2017 erst etwas sagen, wenn der Ertrag im Keller sei, so Günter Lehmann. Jetzt heiße es abwarten und schauen, wie viele „Augen“ an der „Rute“ erfroren seien und welche von den derzeit noch gesunden „Hauptaugen“ in den Reben dann die erwünschten Trauben hervorbringen. Gesicherte Aussagen ließen sich zum aktuellen Stand auch deshalb nicht machen, weil die Rebberge des „Alde Gott“ über Lagen von 180 bis 400 Meter reichen und es da ganz unterschiedliche geologische und klimatische Bereiche gebe, wo der Frost mehr oder weniger eine Rolle spielte. Nach den Begehungen in den Weinbergen und den daraus gewonnenen Erkenntnissen würden den Winzern dann entsprechende Anleitungen gegeben. Klar sei aber jetzt schon, dass Mehrarbeit auf die Winzer zukommen, wenn am Rebstock Vorarbeiten für das nächste Jahr getroffen werden müssen.

„Das wird ein miserables Jahr für den Weinbau“

„Das wird ein schlechtes Jahr für die Sonderkulturen und ein miserables Jahr für den Weinbau“, so Frank Männle, Qualitätsmanager der Winzergenossenschaften Oberkirch, Kappelrodeck und Waldulm. Seit zwei Tagen sei er nur noch in den Reben unterwegs und es sei erschreckend, welche Auswirkungen der Frost selbst in Lagen hatte, in denen es zu dieser Jahreszeit bisher noch nie Frost gab. Die frühe Vegetation und der massive Kälteeinbruch könnten im Weinbau nach seiner derzeitigen Einschätzung für „die kleinste Ernte seit ganz langer Zeit“ sorgen.

„Schäden wie noch nie“

Selbst ältere Winzer könnten sich nicht an solch ein Ereignis erinnern: „Schäden wie noch nie“. Das Problem war laut Frank Männle, dass sich der Frost von den flachen Bereichen in der Rheinebene bis hinauf in die höheren Lagen zog und es dagegen seitens der Winzer keine Möglichkeiten des Schutzes gab.

Frostkerzen sorgen für „Romantik“

Wäre da nicht der missliche Frost und die sorgenvollen Blicke der Landwirte gewesen, so hätte der Blick in die Obstanlagen von Stefan Wilhelm und Gerd Schindler fast für romantische Gefühle gesorgt. Denn in den vergangenen beiden Nächten flackerten hier jeweils über mehrere Stunden so genannte „Frostkerzen“, die in bestimmten Abständen aufgestellt die Funktion wie eine Art „Geländeheizung“ haben und den Frost vor allem in der kritischen Zeit zwischen 1 Uhr und 8 Uhr verhindern sollen. Für Stefan Wilhelm war es in einer seiner Apfelplantagen ein erster größerer Versuch, es werde sich dann in der nächsten Zeit erweisen, ob die Maßnahme geholfen hat. In einer weiteren Anlage auf seinem Anwesen im Mösbacher Lochhof hat er, wie manch anderer Obstbauer auch, die Frostberegnung eingesetzt und die Blüten in einen eisigen Schutzmantel gehüllt. Darunter war es dann Null Grad und diese Temperatur sorgte mit dem Eismantel dafür, dass die Blüte nicht erfror (der ABB berichtete).

Die Frostberegnung sollte die Blüten mit dem Mantel aus Eis schützen | Foto: Roland Spether

Als Vollerwerbslandwirt mit Obst- und Weinbau schaute Stefan Wilhelm sorgenvoll auf seine Anlagen, wobei auch er aktuell noch keine exakte Aussage über die Frostschäden und den zu erwartenden Ernteausfall machen kann. Klar ist aber, dass die Wetterlage der vergangenen Tage den Frost vom Boden in die Bäume und die Blüten trieb, wobei der Schadensumfang mit unterschiedlichen Faktoren wie frühe und späte Obstsorten oder Standort zusammen hänge. „So etwas habe ich noch nicht erlebt“, meint Stefan Wilhelm, der wie viele auch nur abwarten und hoffen kann.