An 120 Ständen konnten sich die Besucher in Offenburg tätowieren lassen. | Foto: Karin Reimold

„Tattoo und Art“ in Offenburg

Tut fast gar nicht weh

Von Karin Reimold

Zum zweiten Mal gastierte die „Tattoo und Art Show“  in der Offenburger Oberrheinhalle – mit großem Erfolg. Bereits nach drei Stunden zählten die Veranstalter, die Gebrüder Rotolo aus Eimeldingen im Landkreis Lörrach, knapp tausend Besucher.

Weltstars an der Nadel

Monotones Surren der Nadeln, junge Menschen, die teilweise selbst als Gesamtkunstwerk durchgehen könnten –  vor allem die Tattoo-Szene traf sich  in Offenburg. Insgesamt 120 Tätowierer aus der Region und aus aller Welt präsentierten ihre Arbeit direkt an den Ständen. Dort lagen, saßen, knieten die Fans des besonderen Körperschmucks auf den Pritschen, ließen sich von den besten ihres Faches, wie etwa Randy Engelhard oder Marco Klose, beide bekannt aus der Sixx-Serie „Pain & Fame“, verzieren. „Wann kann man sich schon mal von den Weltstars tätowieren lassen“, erklärte Geschäftsführer Fabio Rotolo das Konzept und den Erfolg seiner Veranstaltung „Vita in arte aeterna“, „Leben mit der ewigen Kunst“. Er und seine Brüder Filippo, Davide und Gianni ErCheccio freuten sich schon am ersten Tag der Messe über den guten Zulauf. „Letztes Jahr hatten wir 4 100 Besucher, dieses Mal streben wir 5 000 an“, sagte Fabio Rotolo.

Entspannte Haltung beim Stechen

Für die meisten Gäste war es sichtlich nicht das erste Mal, was die entspannte Haltung beim Stechen verriet. Im Gegenteil, da tippten sie fleißig am Handy, eine Besucherin las nebenbei entspannt ein Buch. Etwas angespannt wirkte die Offenburgerin Steffi auf ihrem Stuhl bei „Tattoos Opiate by Anke“. Vier kleine Schwalben ließ sich die 24-Jährige auf ihrem Dekolleté verewigen. Zur Unterstützung hatte sie sich zwei Freundinnen mitgebracht, denen sie nach einer halben Stunde versicherte: „Tut gar nicht weh, fast nicht.“ Nach einer dreiviertel Stunde war ihr bereits zweites Tattoo perfekt. „Wow, jetzt bin ich schon froh“, sagte Steffi erleichtert.

Steffi aus Offenburg ließ sich von Anke von „Tattoos Opiate by Anke“ ihr neues Kunstwerk stechen | Foto: Karin Reimold

Wie viele andere auch ist sie mit dem Ziel auf die Messe gekommen, es mit einem neuen Kunstwerk unter der Haut wieder zu verlassen. Kaum war ihre Liege frei, saß auch schon der nächste Kunde darauf. „Manche Tätowierer bieten günstige Messepreise an, das steht ihnen aber frei“, erklären die Veranstalter. Vor allem gehe es um Prestige, die an beiden Tagen abends beim „Tattoo Contest“ präsentiert werden konnte.

Bambusstock als Alternative

Am zweiten Messetag traf einer der gefragtesten Tattoo-Artists für „Tebori-Tattoos“ in der Oberrheinhalle ein: der Japaner Tendiyu Horiyoshi. Er führte die japanische, traditionelle Art des Tätowierens ohne technische Hilfsmittel vor, nur mit einem Bambusstock, an dem ein Nadelbündel befestigt ist. „Tebori“ oder auch „Tatau Samoa“, das Pendant aus Polynesien, das händische Klopfen in die Haut sah etwas schmerzhaft aus. Doch Fabio Rotolo beschwichtigte: „Das tut weniger weh, als das normale Stechen. Denn beim mechanischen Tätowieren sticht die Nadel 200 Mal in der Sekunde in die Haut.“

Der Japaner Tendiyu Horiyoshi präsentiert die traditionelle Tebori-Tattoo-Kunst | Foto: Karin Reimold

Wer es völlig schmerzfrei wollte, kam bei Emilie Grauffel aus Straßburg mit ihrem Body-Painting auf seine Kosten. Noch mehr für die Augen gab es auf der Showbühne, wo David Schnabel, achtmaliger Weltmeister im Kunstradfahren, sein Können zeigte und sich Marc Pipper, Meister im „Martial Art’s Tricking“ dazu mit wilden Pirouetten in die Luft schwang. Abgerundet wurde das Kunstspektakel von Jochen Scherzingers Ausstellung seiner Kult-Bilder mit Schwarzwälder Motiven. Weitere Glanzlichter waren der Auftritt von Hypnotiseur Christo und der des Mannes ohne Schmerzen, der sich unter anderem Nägel in die Nase schlug.