Eins, zwei drei, Vier oder sogar fünf Generationen einer Familie könn(t)en heute gleichzeitig leben und voneinander profitieren. Gesundheitsvorsorgeuntersuchungen tragen dazu bei.
Eins, zwei drei, Vier oder sogar fünf Generationen einer Familie könn(t)en heute gleichzeitig leben und voneinander profitieren. Gesundheitsvorsorgeuntersuchungen tragen dazu bei. | Foto: Adobe Stock

Beilage: Schwerpunkt Vorsorge

Länger besser leben – Jetzt!

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Ein langes Leben – dieser Wunsch beherrscht die Menschheit seit Adam und Eva, vorausgesetzt, die Lebensqualität stimmt und das Alter(n) wird nicht zur Qual. Die Chance, ein hohes Alter zu erreichen, ist heute insbesondere in hoch entwickelten Wohlstandgesellschaften wie unserer so groß wie nie zuvor. Allerdings haben Deutsche unter Westeuropäern die niedrigste Lebenserwartung, liegen mit 78,2 (für heute geborene Männer) und 84,2 Jahren (Frauen) jeweils rund 1,3 Jahre unter dem Durchschnitt.

Eine der größten Gesundheitsstudien weltweit, die „Global Burden of Disease Study“, serviert zu diesen und weiteren Zahlen auch die Gründe: Ungesunder Lebensstil und zu wenig Prävention! Wir essen zu kalorienreich, zu fett, zu unausgewogen, bewegen uns zu wenig, rauchen und trinken zu viel Alkohol, sind wesentlich dicker als der EU-Durchschnittsbürger und leiden entsprechend unter Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Außerdem wird Prävention zu geringgeschätzt, etwa im Vergleich zu Nordeuropa, wo verschiedenen Quellen nach viel mehr Vorsorgemedizin praktiziert wird. Dies allerdings keineswegs, weil bei uns das Angebot geringer wäre, nein: Die gesetzlichen Krankenversicherungen haben für jede Altersstufe ein dickes Vorsorgepaket geschnürt. Es muss nur angenommen werden!

In der aktuellen Beilage der BNN finden sich hilfreiche Informationen zur Vorsorge und weiteren Themen rund um die Gesundheit.
In der aktuellen Beilage der BNN finden sich hilfreiche Informationen zur Vorsorge und weiteren Themen rund um die Gesundheit. | Foto: Adobe Stock

Das ist allerdings viel zu selten der Fall. Beispiel: Früherkennungsuntersuchungen gegen Krebs. Nach jüngsten Erhebungen der Barmer nahmen 2018 nur jede zweite Frau und jeder zehnte Mann diese Vorsorgeuntersuchungen wahr – und dies, obwohl der Behandlungserfolg bei Krebserkrankungen erwiesenermaßen oft davon abhängt, dass sie im frühen oder sogar schon Vorstadium erkannt werden. Weiter geht‘s mit dem Klagelied: Der Gesundheits-„Check-up“, eine aktuell noch alle zwei, künftig alle drei Jahre mögliche gründliche Untersuchung auf „Herz und Nieren“, nehmen nur etwa 17 Prozent aller Berechtigten ab 35. Lebensjahr wahr. Und die WHO hat eben die mangelnde Impfbereitschaft als eines der größten Gesundheitsrisiken der Welt ausgerufen.

Das längere Leben in besserer Lebensqualität haben wir nicht immer, aber oft, selbst in der Hand. Beginn wir mal damit, ein paar der Vorsorgepakete auszupacken!

Mit der Schwangerschaft von Mama steigt auch der künftige Erdenbürger ins Vorsorgeprogramm ein und bekommt seinen ersten Pass.
Mit der Schwangerschaft von Mama steigt auch der künftige Erdenbürger ins Vorsorgeprogramm ein und bekommt seinen ersten Pass. | Foto: Adobe Stock

Der Pass für die erste Reise

Ein Kind zu bekommen, ist für Frauen in der Regel die intensivste Lebenserfahrung überhaupt. Neun Monate Schwangerschaft sind, zumal wenn‘s die erste ist, eine hoch emotionale Zeit zwischen Freude, Hoffen und Bangen: Wird alles gut gehen? Verhalte ich mich richtig? Wie wird das neue Leben mit Kind sein? Zumindest in den ersten beiden Fragen werden Schwangere hierzulande und heutzutage von Gesetzes wegen stark unterstützt. Sie können eine Vielzahl von Vorsorge-Untersuchungen und Beratungen beanspruchen, durch die der Gesundheitszustand von Mutter und Kind kontinuierlich überwacht und im Mutterpass dokumentiert wird. Der ist also gleichzeitig auch für den künftigen Erdenbürger der Einstieg ins Vorsorgeprogramm. Ärzte werben über die medizinisch notwendigen Krankenkassenleistungen hinaus noch für sogenannte „Individuelle Gesundheitsleistungen“ (IGeL) an – auf private Rechnung und mit teilweise umstrittenem Nutzen (Infos unter www.igel-monitor.de).

Was bezahlt die Krankenkasse?

  • Anamnese zur Beurteilung des Gesundheitszustandes der Schwangeren
  • Kontrolle von Blutdruck und Gewicht der Mutter, Urinuntersuchung auf Eiweiß und Zucker
  • Tastuntersuchungen zur Beurteilung von Stand der Gebärmutter und Kindslage sowie Kontrolle der kindlichen Herzaktivitäten
  • Blutuntersuchungen: Bestimmung von Blutgruppe und Rhesusfaktor, Antikörper-Suchtests (AK), Hämoglobinbestimmung sowie Tests auf Infektionen von Chlamydien, Röteln, Hepatitis B, Lues (Syphilis)
  • Toxoplasmose-Test – bei begründetem Verdacht auf eine Infektion
  • Test auf Schwangerschaftsdiabetes
  • HIV-Test
  • Impfung gegen saisonale Influenza
  • Aufklärung zur Mundgesundheit und Ernährungsempfehlungen
  • Hinweis auf die Notwendigkeit einer zusätzlich erhöhten Jodzufuhr
  • drei Basis-Ultraschalluntersuchung in der 10., 20. und 30. Schwangerschaftswoche
  • Viele Krankenkassen bieten außerdem freiwillig weitere Leistungen, deren Bezahlung die werdende Mutter sich aber vor Inanspruchnahme zusichern lassen sollte. Außerdem gilt über den obligatorischen Katalog hinaus: In Risikofällen werden alle zusätzlich notwendigen Maßnahmen abgedeckt!
Groß oder nicht groß genug für sein Alter? Das "U" bringt Klarheit.
Groß oder nicht groß genug für sein Alter? Das „U“ bringt Klarheit. | Foto: Racle Fotodesign/Adobe Stock

Kids mit Siebenmeilenstiefeln

Ein gesundes Kind kommt eigentlich mit Siebenmeilenstiefeln zur Welt. Geradezu märchenhaft sind schließlich die riesigen Entwicklungsschritte, die ein Mensch in den ersten Lebensmonaten und -jahren macht. Die U-Untersuchungen beim Kinderarzt dokumentieren diese Schritte detailliert und dienen der Beratung der Eltern, nicht zuletzt in punkto Impfungen.

U1 bis U9 sind Früherkenungsuntersuchungen, durch die mögliche Fehlentwicklungen früh erkannt und therapiert werden können, sollen aber keineswegs ein Kind in ein völlig starres Schema pressen. Gewisse Abweichungen können durchaus im Rahmen sein – kein Grund also, von einer Ohnmacht in die andere zu fallen, wenn der eigene Sprössling in der Krabbelgruppe nicht so schnell krabbelt wie die anderen.

U1 bis U9 – sinnigerweise so betitelt, weil es hier um soundso viele Untersuchungen geht, deren Ergebnisse im gleichnamigen Gelben Heft dokumentiert werden – gehören seit 1991 zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen. Der umfasst allerdings eigentlich zehn Untersuchungen: 7a kam, als Lückenschließer zwischen zweitem und viertem Lebensjahr, später dazu. Apropos Lückenschluss: U10 und U11 sollen die Spanne zwischen U9 und der Jugenduntersuchung J1, also die gesamte Grundschulzeit abdecken. Sie gehören aber (noch?) nicht zu den gesetzlichen Pflichtleistungen, weshalb die Ergebnisse auch nicht ins Gelbe, sondern in ein Grünes Heft eingetragen werden. Die beiden Termine werden von Ärzten empfohlen und von einigen Krankenkassen auch bezahlt. Zwischen dem 12. und 14. Lebensjahr ist es Zeit
für die nächste gesetzliche Pflichtleistung, die J1. Der folgt, nun wieder als freiwillige Leistungen der ein oder anderen Kasse, die J2 im Alter von 16 bis 17.

Ist das nun alles? Nein! Natürlich wird den Kids auch in den Mund geguckt, und zwar demnächst – vermutlich ab Juli – sogar schon ab dem 6. Lebensmonat. Für die ersten Beißerchen soll’s dann auch gleich Fluoridlack zur Zahnschmelzhärtung geben. Durch diesen neuen Beschluss werden die bisherigen, laut Zahngesundheitsstudien sehr erfolgreichen gesetzlichen Früherkennungsleistungen vom 3. bis 18. Lebensjahr nebst Gruppenprophylaxen ergänzt.

Geradezu vorbildlich nutzen Eltern übrigens die U-Untersuchungen mit ihren Kindern, verglichen mit Vorsorgeuntersuchungen im späteren Leben. Laut jüngster „Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland“ (KiGGS Welle 2) des Robert-Koch-Instituts nehmen – nach Angaben der Eltern, wohlgemerkt – inzwischen fast alle Kinder die U-Untersuchungen wahr.

Die laut Robert-Koch-Institut "wichtigsten und wirksamsten präventiven Maßnahmen in der Medizin", die Impfungen, werden vernachlässigt.
Die laut Robert-Koch-Institut „wichtigsten und wirksamsten präventiven Maßnahmen in der Medizin“, die Impfungen, werden vernachlässigt. | Foto: Alexander Raths/Adobe Stock

Impfgegner als globale Bedrohung

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Impfgegner auf der Liste der globalen Gesundheitsbedrohungen auf eine Stufe mit Ebola, HIV und dem Klimawandel gestellt. Hintergrund dieses Alarms zu Jahresbeginn: Die Zahl der Masernfälle habe in den vergangenen Jahren weltweit um 30 Prozent zugenommen. Ein Grund dafür sei die wachsende Zahl der Impfgegner in Industrienationen und in Ländern der arabischen Welt. Durch Impfen könnten jährlich zwischen zwei und drei Millionen Menschen weniger an Krankheiten sterben, so die WHO. Weitere 1,5 Millionen könnten gerettet werden, wenn sie Zugang zu Impfstoffen hätten.

In Europa stieg die Zahl (nur) der gemeldeten Fälle 2018 im Vergleich zum Vorjahr auf das Dreifache und Deutschland ist vom Ziel, die Masern bis 2020 auszurotten, weit entfernt. Um Ausbrüche zu verhindern, müssten rund 95 Prozent der Bevölkerung geimpft sein. Diese Quote wird in einigen Regionen und Altersgruppen bei weitem nicht erreicht. Ein Grund dafür: Das längst ausführlich widerlegte, aber hartnäckig wiedergekäute Gerücht, dass es sich nur um eine unproblematische Kinderkrankheit handele. Dabei sind Masern höchst virulent, leicht übertragbar und können zu schweren Komplikationen wie Masernenzephalitis oder zur subakuten sklerosierenden Panenzephalitis führen – und derjenige, der einst das Gerücht mit falschen Daten streute, hat längst keine Zulassung mehr.

Impfungen als Opfer ihres Erfolgs

In den wohlhabenderen Teilen Deutschlands, im Süden von Baden-Württemberg und Bayern, ist übrigens die Impfskepsis besonders groß. Das zeigt eine Studie des kassenärztlichen Versorgungsatlasses zu Impfungen gegen Masern und Meningokokken-C (Erreger von Hirnhautentzündungen). Impfungen haben ein Akzeptanzproblem, sind auch Opfer ihres eigenen Erfolges: Mit dem Zurückdrängen der Krankheiten sinken die Ängste vor ihnen, dafür werden angebliche Nebenwirkungen mit Ängsten besetzt. Die Konsequenzen liegen auf der Hand und erfordern ein Durchbrechen des Teufelskreises.

Alles klar im sensiblen Bereich? Lieber mal kontrollieren lassen! Auf Prostatakrebs ab 45 und auf Hodenkrebs ab 25 Jahren.
Alles klar im sensiblen Bereich? Lieber mal kontrollieren lassen! Auf Prostatakrebs ab 45 und auf Hodenkrebs ab 25 Jahren. | Foto: diy13 / Adobe Stock

Sensibelchen, bitte zum Doc!

Wenn es um ihre sensibelsten Stellen geht, sind Männer bekanntlich höchst sensibel – nur leider nicht in punkto Früherkennung. Weil sie zu sensibel, zu ängstlich sind? Davon sind, mal abgesehen von Frauen im Allgemeinen und Besonderen, viele Mediziner überzeugt. Das stimmt bedenklich, weil die Ängste mit nicht wahrgenommenen Untersuchungsterminen und dem Alter wachsen und die Gefahr von Pro­sta­ta­krebs auch. Ab 45 Jahren, bei Risiko auch früher, besteht einmal jährlich Anspruch auf Abtastuntersuchung innerhalb des gesetzlichen Früherkennungsprogramms. Jenseits dessen wird ein nicht als zielführend anerkannter Test auf PSA im Blut geboten. Krebs der Prostata ist mit einem Anteil von 25 Prozent die häufigste Krebs­er­kran­kung bei Män­nern. Jedes Jahr erhal­ten unge­fähr 65 000 Män­ner in Deutsch­land neu die Dia­gno­se, durchschnittlich im Lebensalter von 71 Jah­ren. Das Alter gilt als wich­tigs­ter Risikofaktor, aber auch Gene, Lebens­stil- und Umwelt­fak­to­ren spie­len eine Rolle. Viele Formen von Pro­sta­ta­krebs sind wenig aggres­siv und wach­sen lang­sam. Die Über­le­bens­ra­ten sind hoch, liegen hierzulande etwa bei 93 Pro­zent fünf Jah­re und bei 91 Pro­zent zehn Jahre nach der Diagnose. Der Pro­sta­ta­krebs ist mit 13 000 jährlichen Opfern „nur“ die dritt­häu­figs­te Todes­ur­sa­che unter den Krebs­er­kran­kun­gen bei Män­nern.

Eine seltene, aber zunehmende Erkrankung jüngerer Männer zwischen 20 und 45 ist Hodenkrebs, der Grund für eine regelmäßige Selbstuntersuchung sein sollte. Früh erkannt, sind die Heilungschancen bei 96 Prozent, aber auch in späterem Stadium noch gut.

Zum Mammografie-Screening ab 50 ­– ja oder nein? Ein informativer Flyer hilft bei der Entscheidungsfindung.
Zum Mammografie-Screening ab 50 ­– ja oder nein? Ein informativer Flyer hilft bei der Entscheidungsfindung. | Foto: Sven Bähren/Adobe Stock

Mammografie: Chance oder Risiko?

Brustkrebs ist mit etwa 30,5 Prozent die häufigste Krebserkrankung bei der Frau, wenn auch nicht die gefährlichste. Rechtzeitig erkannt und behandelt, sind die meisten Erkrankungen heilbar.  Seit den 1980er-Jahren ist die Zahl der Fälle aufs Doppelte gestiegen:  Ungefähr 69 000 Mal im Jahr wird aktuell die Diagnose „Mammakarzinom“ bei einer Frau gestellt, über 17 850 Frauen sterben jährlich daran. Des Weiteren treten pro Jahr 6 500 In-situ Karzinome (Vorstufe von Brustkrebs) auf.

Die Zahl der Sterbefälle sinkt seit einigen Jahren trotz steigender  Zahl an Neuerkrankungen. Fünf Jahre nach der Diagnose sind etwa 81,6 Prozent der Patientinnen noch am Leben. Die Heilungsrate ist in den letzten zehn Jahren durch eine verbesserte Früherkennung, neue Therapiekonzepte (operativ, strahlentherapeutisch und medikamentös) und die interdisziplinäre Betreuung in den zertifizierten Zentren gestiegen.

Dabei steigt das Risiko mit zunehmendem Alter. Jüngere Frauen sind nur selten betroffen, erst ab dem 40. und besonders ab dem 50. Lebensjahr erhöht sich das Risiko, um ab dem  70. Lebensjahr wieder abzusinken. Das mittlere Erkrankungsalter für Brustkrebs liegt mit etwa  64 Jahren einige Jahre unter dem Durchschnitt aller Krebserkrankungen.

Weil dem so ist,  gibt es seit etlichen Jahren ein bundesweites Mammografie-Screening-Programm, in dem alle Frauen zwischen 50 und 69 Jahren alle zwei Jahre zur kostenlosen Röntgenuntersuchung mit modernsten, strahlungsarmen Geräten eingeladen werden. Zwei bis sechs von 1 000 Frauen können durch die frühzeitige Entdeckung ihres Tumors behandelt und vor dem Tod bewahrt werden. Das Screening birgt allerdings auch die Gefahr von Überbehandlungen und unnötigen psychischen Belastungen. Deshalb bekommen die eingeladenen Frauen aktuell im Vorfeld einen Flyer, in dem sie  Nutzen und Risiken verständlich dargestellt finden und die persönliche Präferenz genau abchecken können.

 

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Kleine, böse Feinde

Sie gehören zu den kleinsten bekannten Bakterien und können insbesondere bei Frauen unbemerkt irreparable Schäden anrichten: Die Chlamydien. Eine Art, Chlamydia trachomatis, verursacht eine der weltweit am häufigsten sexuell übertragenen Erkrankungen. Sie kann zur Sterilität sowie zu Schwangerschaftskomplikationen und zu Infektionen der Neugeborenen führen. Die entsprechenden Vorsorgetermine wahrzunehmen, auf die Frauen bis 25. Lebensjahr einmal jährlich Anspruch haben, ist also oberstes Gebot. Wird der Erreger frühzeitig erkannt, lässt sich die Infektion mit Antibiotika meist schnell und folgenlos behandeln. Schutz vor einer Infektion bieten Kondome.

Krebs durch Infektion

Jeder zweite Deutsche erkrankt im Lauf seines Lebens an Krebs. Verschiedene Risiken dafür sind bewiesen oder werden diskutiert ­– von der Lebensweise bis zu den Genen. Nicht so sehr im öffentlichen Bewusstsein ist allerdings, dass 15 Prozent aller Krebserkrankungen durch Infektionen verursacht. werden. Vier Keime gelten als die Hauptübeltäter.

Heliobacter pylori

Das Magenbakterium Heliobacter pylori, mit 90 Prozent identifiziert als größter Risikofaktor für Magenkrebs, ist allgegenwärtig. Die Hälfte der Weltbevölkerung und ein Viertel der Deutschen trägt es in sich. Heliobacter ist verantwortlich für 75 Prozent aller Magengeschwüre, aus denen sich leicht Magenkrebs entwickeln kann. Die Übertragung erfolgt meist im Kindesalter von Mensch zu Mensch. Wie genau, ist nicht geklärt. Ebenso wenig die Frage, warum nur ein Teil der chronisch Infizierten Beschwerden entwickelt. Wer rechtzeitig positiv auf das Bakterium getestet wird, kann mit Antibiotika plus Magensäureblocker gut behandelt werden. An einer Impfung wird auf Hochtouren gearbeitet.

Hepatitis-Viren B und C

Die Hepatitis-Viren B und C verursachen häufig Leberentzündungen und sind die zweithäufigste Ursache für Leberkrebs in Deutschland. Akute Infektionen heilen manchmal spontan aus, bei B-Viren sogar 90 Prozent. Im chronischen Fall ist die Behandlung mit Virostatika hier schwieriger, dafür kann gegen Hepatitis B erfolgreich geimpft werden.

Human Papilloma-Viren

Zwei Typen der Human Papilloma-Viren (HPV) können Krebs auslösen, insbesondere Gebärmutterhalskrebs, aber auch Anal- oder Peniskrebs. Impfen ist die Lösung!

Dermaskop oder bloßes Auge ­– das ist beim Hautkrebs-Screening eine Kostenfrage.
Dermaskop oder bloßes Auge ­– das ist beim Hautkrebs-Screening eine Kostenfrage. | Foto: WavebreakmediaMicro / Adobe Stock

Noch mehr Termine – noch mehr Chancen

Gesetzlich Krankenversicherten, so viel ist sicher, wird in Deutschland ein engmaschiges Netz von kostenlosen Vorsorgeuntersuchungen geboten. Diese  konzentrieren sich auf Krankheiten, die gut behandelbar sind, wenn sie rechtzeitig diagnostiziert werden. Ob Erkrankungen, die zu den häufigsten Todesursachen zählen, wie Herz-Kreislauf-Leiden oder Krebs, oder ob es „nur“ um  Karies geht  — „früh erkannt, Gefahr gebannt“ sind Zielrichtung und Ergebnis im Optimalfall. Der Katalog an Vorsorgeuntersuchungen gilt – natürlich! – für alle gesetzlich Versicherten, aber nicht jeder bekommt die hundertprozentig gleiche Leistung, und auch nicht überall. Manche Krankenkassen bieten mehr als andere, oder setzen andere Schwerpunkte. Und: Nicht jeder Arzt ist zu allem bereit.

Hautkrebs-Screening mit dem Auge oder Auflichtmikroskop

Beispiel: Hautkrebs-Früherkennung. Ab dem Alter von 35 ist ein gründliches Screening alle zwei Jahre kostenlos möglich, aber nicht bei jedem Arzt. Nur Dermatologen und Hausärzte wie Allgemeinmediziner und Internisten, die sich entsprechend dafür qualifiziert haben, dürfen die Untersuchung überhaupt vornehmen, bieten sie aber nicht automatisch als Kassenleistung an. Viele Praxen werden überhaupt nicht oder nur für Selbstzahler aktiv. Das hat nicht zuletzt mit der Untersuchungsmethode zu tun.

Bei der von den Kassen obligatorisch bezahlten Früherkennung untersucht der Arzt mit geschultem Auge im Licht einer hellen Lampe die Haut des Patienten intensiv von Kopf bis Fuß, auch die versteckten Partien wie Kopfhaut, Ohren, Mundschleimhäute, äußere Genitalbereiche und Zehenzwischenräume. Ebenfalls möglich ist die Untersuchung mit einem sogenannten Dermaskop, einem Auflichtmikroskop, mit dem Hautveränderungen wie Pigmentflecken ums Zehnfache vergrößert und genauere Diagnosen gestellt werden können. Allerdings gehört diese  Untersuchungsmethode nicht zum Screening-Programm der gesetzlichen Kassen. Aber die Krankenkassen unterscheiden sich in ihren Leistungen. Manche übernehmen die Mehrkosten für den Einsatz eines Dermaskops, manche finanzieren auch die Früherkennung noch vor dem „offiziellen“  Start ins 35. Lebensjahr. Nachfragen bei der eigenen Krankenkasse kann sich lohnen, und bei Entscheidung für eine Selbstzahlerleistung auch ein Preisvergleich bei verschiedenen Ärzten.

Übrigens:  In Verdachtsfällen werden in jedem Alter sowieso alle Untersuchungsverfahren angewandt, selbstredend auf Kassenkosten. Wahrnehmen sollte jeder die Chance zur Früherkennung von bösartigen Hautveränderungen. Über 21 000 Menschen erkranken laut Deutschem Krebsforschungsinstitut hierzulande an schwarzem Hautkrebs. Pro Jahr! Der schwarze Hautkrebs ist die gefährlichste Hautkrebsart, weil er sich schnell über Lymph- und Blutbahnen im ganzen Körper ausbreiten kann. Der weiße Hautkrebs dagegen tritt wesentlich häufiger auf, verläuft in der Regel aber weniger aggressiv und ist besser behandelbar. Rechtzeitig erkannt, stehen aber auch die Heilungschancen bei schwarzem Hautkrebs gut.

Gesundheits-Check auf Herz und Nieren nicht verpassen

Regelmäßig zum TÜV vorfahren – das ist für jeden Besitzer eines motorisierten Vehikels selbstverständlich. Ebenso selbstverständlich sollte es sein, ab dem Alter von 35 Jahren alle zwei Jahre beim Doc zum standartisierten Check-up zu erscheinen, um zum Beispiel Herz-, Kreislauf- und Nierenerkrankungen oder auch Diabetes zu erkennen, bevor ernsthafte Schäden entstehen. Bei dem Termin, ganz klar, werden zunächst mal im Gespräch Risiken oder Befindlichkeitsstörungen abgefragt. Dann wird der Körper inspiziert, Blutdruck und Puls gemessen, der Urin und das Blut auf Gesamtcholesterin, auf LDL- und HDL-Cholesterin und Nüchternblutzucker untersucht. Ratschläge zu Ernährung und Bewegung, zur Stessbewältigung oder Rauchstopp gibt‘s bei Bedarf auch.

Darmkrebs: Spiegelung senkt Sterblichkeit um über 53 Prozent

Im Bedeutungsranking von Früherkennungsuntersuchungen belegt eine nicht eben angenehme, aber effektive Maßnahme einen vorderen Platz: Die Spiegelung des Dickdarms, auch Koloskopie genannt. Darauf haben Männer ab 50, risikoentsprechend Frauen ab 55 Jahren Anspruch – und sollten ihn unbedingt wahrnehmen. Immerhin hat eine große amerikanische Langzeitstudie ergeben, dass die Darmkrebssterblichkeit durch die Spiegelung um 53 Prozent gesunken ist. Komplikationen, etwa Blutungen, sind selten, betreffen höchstens zwei bis drei von 1 000 Untersuchten. Der zweimal jährlich mögliche Test auf okkultes Blut im Stuhl, das auf Darmkrebs hinweisen kann, ist auch nützlich, aber nicht so zuverlässig wie die Koloskopie. Hierbei schiebt der Magen-Darm-Experte einen flexiblen Schlauch mit Kamera bis zum Blinddarm vor, peilt die Lage und kann gegebenenfalls gleich verdächtiges Gewebe einer Krebsvorstufe (Polyp) entnehmen. Wo nichts mehr ist, kann nichts mehr entarten! Die Prozedur ist übrigens, das sei hier mal zum  Trost versichert, keineswegs so unangenehm, wie viele befürchten. Sie kann dank Dämmerspritze verschlafen werden.

 

Diese und viele weitere Themen über den Bereich Vorsorge hinaus finden Sie in unserer Gesundheitsbeilage.