Kinderkram
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Neues aus dem Elternalltag

Höllentrip in die Toskana

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Endlich: Auf einem mit Fäkalien übersäten Rastplatz zwischen Parma und Mailand finde ich ein wenig Frieden. Der vorbeibrausende Verkehr – mehrheitlich lebensmüde Italiener in winzigen Fiats – klingt in meinen Ohren wie Vivaldis Frühling. Hinter mir liegen Hunderte Autobahnkilometer mit einem schreienden Baby und einer entnervten Mutter. Spätestens jetzt wird mir klar: Der erste gemeinsame Urlaub, ein Höllentrip in die Toskana, war eine Schnapsidee. Bereits am Vortag, auf der ersten Etappe zum Comer See, wird mir alles abverlangt – 480 Kilometer, von denen jeder einzelne wehtut. Ein Protokollversuch:

Babygeschrei statt Ramazzotti

Kilometer 5 (Bietigheim): Volltrunken vor Urlaubsfreude. Lege CD mit Ramazzotti’schen Schmachtfetzen ein. Träume von Rotwein, Strand und Antipasti. Sie: „Pschschschschttt … Musik aus! Die Kleine schläft!“
Kilometer 15 (Rastatt-Nord): Von wegen. Baby schreit. Nerven angespannt. Drehe die Klimaanlage auf. Sie schaut kritisch.
Kilometer 65 (Offenburg): Es schläft. Halleluja. Klimaanlage kühlt.
Kilometer 90 (Rust): Baby brüllt. Sie betreibt Ursachenforschung. Lege Ramazzotti ein. Sie: „Musik aus, du hörst doch, dass sie schreit!“ Und: „Mach’ endlich die Klima aus!“

Dampfbad auf der Autobahn

Kilometer 120 (Freiburg): Erkenntnisgewinn: Baby hat Hunger. Volle Konzentration aufs Fläschchen. Deshalb kein Eros. Auto gleicht klimatisch finnischem Dampfbad.
Kilometer 180 (Basel): Pause. Baby braucht frische Luft. Spaziergang zur Beruhigung aller Beteiligten. Weiterfahrt.
Kilometer 270 (Luzern): Frau und Baby schlafen. Kann mein Glück kaum fassen. Begehe folgenschweren Fehler und lege Ramazzotti ein. Beide wach.

Sehnsucht nach Durmersheim

Kilometer 350 (Gotthard-Tunnel): Baby schreit. Frau entnervt. Ich schwitze.
Kilometer 470 (Comer See): Quäle Kombi die Serpentinen hinauf. Baby schreit. Frau entnervt. Ich schwitze. Wäre lieber in Durmersheim.
Kilometer 480 (Brunate): Tagesziel erreicht. Lade tonnenweise Gepäck aus dem Auto. Baby schreit. Frau entnervt. Ich schwitze.

Die restlichen 1 320 Kilometer – Rückfahrt inklusive – werden nicht besser. Als sich in der toskanischen Villa das Baby-Mobiliar stapelt, frage ich mich, wie Maria und Josef mit nur einer Krippe ausgekommen sind. Und warum wir uns das antun.