Kinderkram
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Neues aus dem Erziehungsalltag

Geheimnis des Lebens

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Evolution ist von dem Punkt aus betrachtet, an dem man gerade steht, ein schwindelerregend rasanter Vorgang. In populärwissenschaftlichen TV-Dokumentationen rast man den Zeitstrahl nur so rauf. Eben war man noch eine glückliche Affenfamilie, die sich munter von Baum zu Baum hangelte und das größte Pläsier im gegenseitigen Entlausen fand und – schwupps –, keine paar Milliönchen Jahre später, ist man als Homo sapiens aufrecht unterwegs.

Die Hände schleifen beim Gehen kaum noch am Boden und die wulstige Stirnpartie bildet sich zurück.

Eben noch Affe – jetzt schon Homo sapiens

Von dort bis zum heutigen Menschen ist es dann nur noch ein Katzensprung. 300.000 Jahre weiter und – tadaa – schon stehen wir da, hangeln uns im Alltag mit den Kindern munter von Tennistraining zu Klavierstunde und ekeln uns tagtäglich beim Entfernen der Fellreste unserer Nächsten aus dem Duschabfluss.

Die Affenmutti und ich

Was das angeht, hat sich in der Evolution der Menschheit in gefühlt wenig Zeit enorm viel getan. Einerseits! Andererseits denke ich manchmal darüber nach, wie viel mich noch mit der Affenmutti aus dem späten Mesozoikum verbindet. Genau wie sie vor mir, leide auch ich Heutige noch unter der berüchtigten Manducaliberiphobie.

Die Ursorge des Muttertiers

Ehe sich der Lateiner empört – diesen Ausdruck habe ich soeben frei erfunden. Er besteht aus dem lateinischen Verb für Essen (manducare), der Vokabel für Kinder (liberi – sagt Google) und aus dem Wort „Phobie“, das ich nicht nachzuschauen brauche, um zu wissen, dass es „Angst vor irgendwas“ bedeutet.

Manducaliberiphobie steht höchstwahrscheinlich in keinem Lexikon. Aber sie bezeichnet die Ursorge aller Muttertiere seit Anbeginn der Zeiten. Die Angst nämlich, dass der eigene Nachwuchs nicht genug Nahrung abbekommen haben könnte.

„Hast Du auch ordentlich gegesssen?“

Mir ist egal, was Wissenschaftler dazu sagen. Ich bin mir sicher – die Frage: „Hast Du auch ordentlich gegessen?“, von einer Mutter an ihr Kind herangetragen, ist die Urfrage der Entstehung, gleichsam das Geheimnis des Lebens und der Motor der Evolution.

Und es ist völlig egal, ob die Antwort „Ja, Mama, ein Frettchen und ein paar Beeren“ lautet, oder ob der Nachwuchs gequält „Ich hab’ mir nach der Schule ’nen Döner geholt“ nuschelt – einer echten Mutter wird das niemals gut genug sein. Evolution hin oder her. Manche Dinge ändern sich nie.