Kinderkram
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Neues aus dem Elternalltag

Im Bann des Hirsekringels

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Meine Frau ist eine fantastische Köchin. Ihre Küchen-Prioritäten haben sich zuletzt allerdings zu meinen Ungunsten verschoben. Unsere Tochter ist nun acht Monate alt und (gefühlt) so groß wie eine Sechsjährige. Seit einigen Wochen kriegt der kleine Riese Hokkaido-Kürbis, Süßkartoffeln, Fenchel – nur vom Feinsten. Gewaschen, geschält, püriert. Mit einer bewundernswerten Hingabe bereitet die stolze Mutter täglich das Essen von Baby Nimmersatt zu. Für mich, einen Mann, der in der Küche zur Bequemlichkeit neigt, hat das bisweilen fatale Folgen. Zuletzt kam es häufiger vor, dass ich Reste essen oder – weitaus schlimmer – selbst kochen musste.

Essen gegen die innere Stoppuhr

Hinzu kommt: Ein genussvoller Verzehr ist unmöglich. Fortwährend läuft die innere Stoppuhr, denn die Kleine verlangt immerzu nach Aufmerksamkeit, und die Frau nach Entlastung. Wenn man mit Baby bei Tisch sitzt, weiß man ohnehin nie, was im nächsten Augenblick passiert. Es greift gierig nach allem, was in seinem Armradius liegt, schleudert es vom Tisch und freut sich darüber. Der tobsüchtige Filius eines Bekannten pfefferte unlängst seinen vollen Teller gegen die weiße Wand, weil ihm dessen Inhalt nicht mundete.

Regencape für das Baby

Beim Füttern unserer Kleinen bin ich ein wenig unbeholfen (sagt meine Frau). Noch Stunden nach der Mahlzeit findet sie angeblich Essensreste am Baby, an den Söckchen, hinter den Ohren, sogar in den Haaren. Daher muss die junge Dame, wenn ich sie füttere, jetzt eine Art Regencape tragen, das Kind und Kleidung vor herumfliegenden Breigeschossen schützt.

Wunderwaffe Hirsekringel

Ziemlich unleidig wird das Baby, wenn man vor ihm mit dem Essen beginnt. Hier kommt der Hirsekringel ins Spiel, der kulinarische Rettungsanker hungriger Eltern. Es handelt sich um einen unscheinbaren Snack außergewöhnlichen faden Geschmacks. Aber das Baby liebt ihn heiß und innig, und sobald man ihm den Kringel in die Hand drückt, ist die Welt in Ordnung – bis er schließlich in krümeligen Resten an Gesicht und Fingern klebt. Für Eltern hat der Kringel einen unschätzbaren Wert: Er verschafft ihnen etwas Zeit, das eigene Essen herunterzuschlingen, bevor die gute Stimmung im Hochstuhl in garstiges Gewittergrollen umschlägt. An alle Hirsekringelhersteller: Danke.