Kinderkram
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Neues aus dem Elternalltag

Kinderkram-Kolumne: Die Welt war noch nie so klein

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Mitunter denke ich, der Herrgott hat meine Frau zur Erde entsandt, um mich zu prüfen. Sie und ich sind seit einem Jahr Eltern einer Tochter, die viel Gutes auf sich vereint: Die Kleine ist putzig, lebhaft und fröhlich. Kurz: Überaus liebenswert. Die Urlaubsplanung, und hier kommt meine Gattin ins Spiel, wird durch das Baby allerdings zu einer Herkulesaufgabe. Da sich meine Elternzeit ankündigt – Ü-40-Väter, bitte googeln – es uns in die Ferne zieht und das Leben ohnehin viel zu kurz ist, haben wir beschlossen, auf Reisen zu gehen. Man hat ein wenig angespart, so viel Zeit wie nie und die ganze Welt steht einem offen. Die ganze Welt? Von wegen.

Quadratur des Kreises

Das Drama lief so ab: Zunächst gab mir meine Frau zu verstehen, was sie sich von unserem Urlaub erwartet. Exotisch sollte das Reiseziel sein, am besten gut erschlossen und gleichzeitig einsam, mit weißen Sandstränden, reizvollen Landschaften und seltenen Tieren. Es ist die Quadratur des Kreises. Ich mache mich also ans Werk, ich verbringe Abend um Abend im Internet, auf Reiseplattformen, in Foren und auf Mietwagenportalen.

Kein Reiseziel ohne Aber

Und während meine Frau in ihren blumigsten Urlaubsträumen schwelgt, dämmert mir: Egal, wo es auch hingehen soll, es gibt immer und überall einen (Baby-)Grund, es nicht zu tun. Australien? Zu weit. Argentinien? Zu dünn besiedelt. Ecuador? Zu hoch gelegen. Costa Rica? Malarialand. Vietnam? Schlechte Versorgung. Island? Zu kalt. Brasilien? Zu warm. Namibia? Zu wild. Japan? Zu kostspielig. Wenn man sich nicht mit Wanderstöcken im Bayerischen Wald oder im Ruderboot auf der Mecklenburgischen Seenplatte sieht, ist guter Rat teuer.

Elterliche Mahnung

Und die eigenen Eltern mahnen ohnedies: Warum das überhaupt sein muss, dieses Reisen mit Kind? Das gab’s zu ihrer Zeit doch auch nicht und trotzdem ist der Bub groß geworden. „Wir haben so etwas nicht gebraucht“, heißt es dann gerne.

Nix Namibia

Die einst hochtrabenden Urlaubspläne sind mittlerweile heftig zusammengeschrumpft. Und ein wenig bereue ich es, dass ich vor Monaten im Kollegenkreis vollmundig angekündigt habe, mit Frau und Kind über eine Zwischenstation in Namibia nach Argentinien und Chile fliegen zu wollen. Vermutlich würde das Baby eine solche Weltreise überleben, und eventuell sogar die Ehe seiner Eltern, aber man muss es ja nicht unbedingt herausfinden.

Mit Baby nach Bayern?

Nun ist das sicher ein Erste-Welt-Problem, doch es bereitet mir schlaflose Nächte. Die harte Realität: Meine Freiheit ist Geschichte. Aber, die meisten Männer wissen das, man sollte die Erwartungshaltung seiner Frau nicht enttäuschen, wenn einem der Haussegen am Herzen liegt. Als ich die Tage verzweifelt auf die Weltkarte stierte, kam mir die Idee: Ich spendiere meiner Gattin einen Flug nach Argentinien – und gehe mit Baby in den Bayerischen Wald.