Kinderkram
Kluge Ratgeber schlagen vor, sich im Home Office unsichtbar zu stellen. Doch wie soll das in der Praxis aussehen? | Foto: Dolgachov - Fotolia

Zuhause arbeiten wegen Corona

Kinderkram-Kolumne: Papa wäre im Home Office gerne unsichtbar

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Liebe Väter im Home Office, wir müssen jetzt stark sein. Unsere Nerven und Ehen werden auf eine harte Probe gestellt. Ich weiß, wie ihr euch fühlt: Das letzte bisschen Freiheit geht flöten. Am Mittwoch, 18. März, 9.45 Uhr, erlebe ich meine Stunde Null. Während Frau und Kind bei Sonnenschein und Vogelgezwitscher nach draußen stürmen, beziehe ich mein dunkles Kellerloch: Acht Quadratmeter, halb Büro, halb Abstellkammer, mit einem Schreibtisch aus der Zeit vor Hitler und einem schmalen Guckloch als Fenster.

Die räumlichen Einschränkungen – geschenkt. Dass ich aber für zwei Jobs nun genauso viel Geld bekomme wie bislang für einen, schmeckt mir nicht. Vor der Coronakrise war ich frühmorgens Vater, dann Redakteur und abends wieder Vater. Jetzt bin ich beides gleichzeitig und ganztägig.

Unsichtbar im Home Office arbeiten

„Bringen Sie Ihrem Kind bei, dass Papa eigentlich gar nicht da ist, als wären Sie unsichtbar“, heißt es in klugen Ratgebern zum Thema Home Office. Erstens: In meiner Bürozelle bin ich nicht einmal dann unsichtbar, wenn ich die Tür schließe – die ist nämlich aus Glas. Und zweitens: Wenn noch nicht einmal die Mutter kapiert, dass ich eigentlich gar nicht da bin, wie dann die Zweijährige?

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Die Mittagspause, ich hatte mich schon grillend im Garten gesehen, hat für mich ihren Reiz verloren. Während die Kleine friedlich schläft, nutzt meine Frau meine Anwesenheit aus, um Aufgaben an mich zu delegieren.

Weil ich auf den Rat schlauer Menschen vertraue, habe ich ihr erklärt, dass ich eigentlich unsichtbar bin. Kam nicht so gut an.

Kleinkind in der Videokonferenz

Auch mit der Konzentration ist das so eine Sache: Wenn nicht gerade meine Tochter ins Home Office drängt, um mit kindlicher Begeisterung auf der Tastatur zu hacken – die Rückgängig-Funktion ist in diesen Tagen mein bester Freund – dann rennt sie mit ihrem Kumpel, dem einzigen, den sie derzeit noch sehen darf, schreiend durch den Garten.

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Weil man sich besprechen muss, sich aber nicht mehr gegenüber sitzt, werden jetzt Video-Konferenzen anberaumt. Wer nicht glaubt, dass die mit Kind im Haus schnell peinlich werden, kann mal auf Youtube schauen. Außerdem frage ich mich, wie man sich zu einer Home-Office-Konferenz kleidet.

Oben Hemd, unten Jogginghose

Am ersten Tag hatte ich mir fest vorgenommen, nach der Dusche Hemd und Hose anzuziehen und es auch getan. Tag 2: Jogginghose. Tag 3: Jogginghose. Nicht geduscht. Vielleicht mache ich es wie die Nachrichtensprecher: Oben Hemd, unten Jogginghose. Oder ich mache mich einfach unsichtbar.