Kinderkram
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Neues aus dem Elternleben

Krieg der Geschenke

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Unsere Familie befindet sich derzeit im Kriegszustand. Nein, nein, kein richtiger Krieg mit Kämpfen und Opfern. Eher ein konstantes Bombardement, das der Kindsvater und ich an vorderster Front stehend mit den nur kümmerlichen, uns zur Verfügung stehenden Waffen zwar nicht abzuwehren, aber zu verlangsamen versuchen: der Krieg der Geschenke.

Auftritt des roten Imperators

Der Ausnahmezustand beginnt schon Wochen vor Weihnachten. Da kommt nämlich der Nikolaus. Morgens ist er in Schule und Kita und spendiert mit Glück Nüsse und Mandarinen. Mit weniger Glück tragen unsere Kinder nach seinem Besuch kleine Plastikspielzeuge und Schokoladenlollis fragwürdiger Herkunft mit nach Hause. Abends kommt der rote Imperator dann zu uns nach Hause. Mit einem großen Sack, der bis zum Rand mit Geschenken gefüllt ist, von denen exakt eines pro Kind von uns ist – alle anderen kommen von der Widerstandsbewegung, die sich „Großeltern“ nennt und meint, drei weitere Geschenke wären am 6. Dezember adäquat. Dieselben Großeltern übrigens, die uns damals erklärt hatten, alles was an Nikolaus über Äpfel und Socken hinausginge, sei übertrieben.

Explosionsgefährdete kleine Krieger

Als glitzernder, Geschenke spuckender Panzer rollt der Dezember dann auch weiter. Wie Sturmsalven aus den Händen vermeintlicher Alliierter – Verwandte, Freunde, Betreuer und Bekannte – prasseln Süßigkeiten und kleine Geschenke zum Teil im Zwei-Tages-Takt auf unseren Nachwuchs nieder. Hier ein Pixi-Buch, da ein Gummitier und immer wieder Schokolade, Plätzchen und Bonbons, die hinter den eigenen Reihen für überzuckerte und damit stets explosionsgefährdete kleine Krieger sorgen. Und jeder Besucher, der in der Adventszeit unsere Wohnung betritt, hat mindestens eine kleine Granate in Form eines Buches, eines Spieles oder einer Tüte voller Leckereien dabei – es ist schließlich Weihnachten und man habe die Kinder ja so lange nicht gesehen!

Obacht bei der Kinderplanung

Wer es, wie wir, dazu noch fertiggebracht hat, dass eines (oder mehrere) seiner Kinder vor, zwischen oder an den Feiertagen Geburtstag haben, kann direkt kapitulieren. (Hilfreicher Tipp am Rande: Um dies zu vermeiden, sollte zwischen Ende Februar und Ende März – um in der Kriegsmetaphorik zu bleiben – nicht scharf geschossen werden.) Da kommen die Geschenkbomben im Stundentakt: von uns (schließlich kann das Kind nichts dafür, wann es Geburtstag hat), den Verwandten und beim Kindergeburtstag.

Die letzte Schlacht

Ganz am Schluss steht die große Schlacht: das Weihnachtsfest selbst, über das ich an dieser Stelle lieber kein Wort mehr verliere. Was bleibt, ist ein Trümmerfeld voller Verpackungsmaterial, dringender Stauraumbedarf und das einzig Lohnende – der Grund für diesen Krieg des Überflusses: glücklich lächelnde Kinder.

In diesem Sinne: Frohe Weihnachten!