Kinderkram
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Neues aus dem Elternalltag

Liebes Christkind, denk‘ an mich

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Ich bin nicht sicher, ob das Christkind die BNN liest. Vielleicht zieht es die Lektüre einer anderen Zeitung vor. Womöglich ist es in der Vorweihnachtszeit im Dauerstress, ein Lesemuffel oder Analphabet. Trotzdem schreibe ich ihm heute. In der Adventszeit ist mir bewusst geworden, dass mein erstes halbes Jahr als Vater so gar nicht besinnlich war. Rasant? Ja. Turbulent? Auch. Chaotisch? Ohne Zweifel. Aber besinnlich? Nicht im Ansatz. Und hier kommt das Christkind ins Spiel: Ich habe einen Wunschzettel mit einigen Dingen formuliert, die mir künftig zu mehr Besinnlichkeit verhelfen sollen. Also: Liebes Christkind, ich wünsche mir…

Kein Entkommen

Stille: Ein Baby schreit. Es lacht, quengelt, weint, plappert. Kurzum: Es lärmt. Wenn es nicht gerade schläft, macht es kaum anderes. Und meine Frau findet immer neue Aufgaben, mit denen sie mich betraut: Oft mehrere gleichzeitig und dann, wenn es am wenigsten passt. Nach einem langen Tag beneide ich schwerhörige Menschen, die ihr Hörgerät abdrehen können.

Herzschrittmacher für Papa

Zeit: Als Vater hat man so wenig Zeit, dass einem sogar die Zeit fehlt, sich darüber zu beklagen, dass man zu wenig Zeit hat. Aber heute nehme ich sie mir: Liebes Christkind, wenn du mir keinen 48-Stunden-Tag unter den Weihnachtsbaum legst, dann wenigstens Baldrian, Entspannungstee und einen Herzschrittmacher. Danke.

Schnullersuche mit Hindernissen

Nachtsichtgerät: Schon mal im Dunkeln versucht, ein eskalierendes Baby zu beruhigen? Rätselhafterweise gelingt dies meiner Frau. Für mich ist es dagegen schon ein Erfolg, wenn ich mich nicht im Schlafzimmer verlaufe und zwischen Bett und Schrank gefangen bin. Aber selbst dann finde ich im Stockdunkeln weder den Schnuller noch den Mund meiner Tochter – und schon gar nicht beides.

Hochprozentige Ablenkung

Schnaps: Wie du, Christkind, wohl zu Drogen stehst? Meine Erfahrung: Ein „Kurzer“ kann in Krisensituationen den Blick auf die Welt verändern. Und Babygebrüll klingt im Whisky-Dunst friedlich wie Kirchengesang.

Blitzableiter im Dauereinsatz

Boxsack: Als Vater bist du Blitzableiter: Das Baby ist genervt, wenn es Hunger hat, sich langweilt und müde ist, wenn es nichts mehr essen, seine Ruhe und nicht schlafen will. Deine Frau ist genervt, wenn das Baby genervt ist. Und alle anderen, die mit deiner genervten Frau oder deinem genervten Baby zu tun haben, sind davon genervt. In dieser unübersichtlichen Gemengelage kann der gezielte Aggressionsabbau eine außerordentlich befreiende Wirkung haben. Nochmal danke. Dein Dominic