Kinderkram
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Neues aus dem Elternalltag

Machiavelli und Gemüse: Vitaminschlacht am Familientisch

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Wer die Mendelschen Regeln kennt, steht vor einem Rätsel: Zwei Allesfresser – unsere Autorin und ihr Mann – haben zwei Nachkommen der Gattungen Mäkler und Nörgler gezeugt. Was tun? Wie man tägliche Vitaminschlachten übersteht und was Machiavelli am Familientisch zu suchen hat, davon berichtet diese Kolumne.

Zwei Esel zeugen kein Zebra

Ich gebe es zu: Ich habe im Biologieunterricht nicht immer so gut aufgepasst, wie ich es hätte tun sollen. Wir hatten damals einen Lehrer, der so fasziniert war vom weiblichen Zyklus und den Mendelschen Regeln, dass sein Blick eher nach innen ging, während er dozierte. Wir Schüler wiederum erkannten die Relevanz der Thematik für unser Leben nicht und schrieben uns lieber Briefchen. Aber lassen wir das … worum es mir geht: Eine bahnbrechende und fortdauernde Erkenntnis immerhin habe ich von der Fortpflanzungsbelehrung damals mitgenommen. Zwei Esel zeugen kein Zebra.

Deshalb ist es mir auch absolut unerklärlich, wie zwei Allesfresser wie mein Mann und ich zwei Kinder der Gattungen Mäkler und Nörgler produzieren konnten. Was sich zwischen mir und meinen Kindern tagtäglich am Esstisch abspielt, darüber haben die Griechen ganze Tragödien verfasst. Meistens bin ich einfach froh, dass keiner mit der Kamera draufhält.

Erstkontakt gescheitert

Einmal habe ich das allerdings selbst getan, das war beim Erstkontakt meines Sohnes mit Gemüsebrei. Pastinake, hieß es, das schmecke eigentlich den meisten Babys ganz gut, viel besser als Karotte. Doch mein Sohn, damals zarte fünf Monate alt, blickte mich nach einem Löffel so angeekelt und vorwurfsvoll an, als wollte ich ihn vergiften. Fortan musste ich ihm so lange Obstbrei unter das Gemüse mischen, bis letzteres homöopathische Konzentrationen erreichte.

Vitaminschlacht ohne Sieger

Dieser spezielle Gemüse-Blick ist mir inzwischen so vertraut wie ein alter Freund, denn er trifft mich nun täglich aus zwei kleinen Gesichtern, während ich wacker weiter versuche, gesunde Kost am Familientisch zu etablieren. In unseren Vitaminschlachten habe ich jede Taktik, jede Finte, jede Drohung und Erpressung bereits mehrfach eingesetzt und wieder verworfen, und obwohl ich in aller Bescheidenheit inzwischen Machiavelli das Wasser reichen könnte, gehe ich selten siegreich aus der Auseinandersetzung hervor.

Unerwartete Bündnisse

Ich war bereits kurz davor, ohne weitere Bedingungen die Waffen zu strecken, da lief mir ein unverhoffter Verbündeter in die Arme. Der kleine Doppelagent, auch bekannt als bester Freund meines älteren Sohnes, griff beim Essen in unserem Haus beherzt zu, als ich einen bunten Teller mit Rohkost servierte, und verspottete meine Söhne für ihre Gemüseverweigerung so brutal, wie es nur Sechsjährige können. Seither kosten meine Jungs jedes Gartengewächs, das ich ihnen serviere. Auch wenn sie es als Mutprobe verstehen – ich will mich nicht beschweren.