Kinderkram
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Neues aus dem Elternalltag

Schluss mit der Papa-Propaganda!

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Nach einem Dutzend Kinderkram-Folgen hat meine Frau das Gejammer satt. Schluss mit der Papa-Propaganda! Heute schreibt sie. Mir wirft sie eine mit dreisten Lügen und maßlosen Übertreibungen garnierte Darstellung des gemeinsamen Elternlebens vor. Tendenziöse Berichtersattung also. Es folgt die Abrechnung einer Mutter und Ehefrau, die sich mit gewetzter Klinge meine Kolumne vornimmt:

„Hinter mir liegt ein Martyrium im Hormonkarussell meiner schwangeren Frau.“ (1. Juni)

Hormonkarussell? Im Ernst? Wenn du zehn Tage über dem Geburtstermin bist, deine Socken nicht mehr selbst anziehen kannst und sich der zwölfte Bekannte erkundigt, wann das Baby kommt, hast du zwangsläufig Gewaltfantasien.

„Kürzlich sitzen Frau und Baby auf der Couch, als unsere Tochter zu spucken beginnt. Meine Frau ruft um Hilfe. In Sekundenschnelle fliege ich herbei – und putze die Couch.“ (9. Juni)

Manchmal macht er mich wahnsinnig. Das Baby röchelt, es ringt nach Luft – und er sorgt sich um das Polster. Übrigens: Die meisten Flecken auf der Couch sind von ihm.

„Offenbar hatte ich die Windel falsch angelegt. Da platzte meiner Frau der Kragen.“ (15. September)

Kaum zu glauben: Auch beim 100. Mal bringt er es noch fertig, seiner Tochter die Windel verkehrt herum anzuziehen. Oder er vergisst sie komplett. Zwar ist die Zahl seiner Wickelunfälle rückläufig, doch außerhalb der Komfortzone am heimischen Wickeltisch fällt seine Performance ab. Beispiel gefällig? Nach dem Windelwechsel in seinem Elternhaus setzte er seinem Neffen unsere Tochter in den Schoß. An ihren Füßen(!) klebte, was eigentlich in die Windel gehört.

„Ich wünsche mir Stille.“ (15. Dezember)

Stille? Zwei Minuten im Bad fühlen sich für mich wie ein Wellness-Wochenende an, und er wünscht sich Stille? Er hat doch seine Arbeit: Kein Geschrei, keine Heulorgien, keine klugen Ratschläge von der lieben Familie. Acht Stunden Ruhe.

Eines noch: Unterstehen Sie sich, Mitleid mit ihm zu haben.

Fr. Körner