Kinderkram
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Neues aus dem Elternalltag

Überlebenskampf im Hamsterrad

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Wenn du Vater wirst, ist dein Leben im Grunde vorbei. Nichts ist mehr, wie es war. Und es wird auch nicht wieder. Du hast deine Jugend, Freiheit und mindestens die Hälfte deines Haupthaares gegen einen schreienden, pupsenden und kleckernden Quälgeist eingetauscht. Ein Tag als Vater hat, so fühlt es sich an, nie mehr als zwölf Stunden. Du arbeitest, wickelst, putzt, fütterst, wäschst, bespaßt – und gleich wieder von vorne. Das Zeitfenster für außerplanmäßige Lebensfreuden wird immer schmaler. Eine kostenlose Dauerkarte im Hamsterrad. Im Alltag sieht das so aus:

Kaltstart in den Tag

6.34 Uhr: Werde unsanft aus dem Schlaf gerissen. Frau legt zappelndes Baby in mein Bett: „Du bist dran.“ Geruch von aufgestoßener Milch und Urin steigen in meine Nase. Babyschlafsack triefend nass. Sie: „Ich glaube, ihre Windel ist ausgelaufen.“

6.38 Uhr: Stelle mich noch immer schlafend. Frau riecht den Braten: „Steh‘ jetzt auf. Ich weiß, du bist wach.“

6.45 Uhr: Wickeltisch. Baby plappert, pupst, lacht, niest, strampelt – alles gleichzeitig und mit großer Begeisterung. Noch im Halbschlaf: Windelwechsel, Ankleiden inklusive Total-Ausraster beim in die Ärmel Schlüpfen, dann Frühstück. Erst Fläschchen fürs Kind, dann Cornflakes für Papa. Baby muss mehrfach gewendet werden: Dreht sich gerne auf den Bauch, mag es auf dem Bauch aber gar nicht. Auf dem Rücken allerdings auch nicht.

9 Uhr: Nach zwei Stunden spielen, füttern, Baby-Powernap, Fläschchen vorbereiten, Spülmaschine ausräumen, duschen, Spülmaschine einräumen, anziehen, alte Spuckereste vom Wohnzimmerboden kratzen, Post lesen, Frau wecken: Abfahrt zur Arbeit.

Fünf Sekunden Erholung

9.30 bis 18 Uhr: Arbeit. Halbes Dutzend motivationsuntergrabende Ehefrauen-Bildnachrichten („Wir machen gerade Nickerchen“, „Wir sind zum Kaffee eingeladen“, „Wir lassen es uns gut gehen“). Feierabend.

18.30.00 Uhr: Ankunft zu Hause.

18.30.05 Uhr: Mama drückt Papa das Baby in den Arm. Und wieder: Spielen, füttern, Baby-Powernap, Fläschchen vorbereiten, Spülmaschine ausräumen, umziehen, Spülmaschine einräumen, frische Spuckereste vom Wohnzimmerboden wischen.

Fenster öffnet sich

19 Uhr: Bettzeit fürs Baby. 30-minütige Nervenschlacht im halbdunklen Schlafzimmer. Gebrüll übertönt Endlos-Bärcheneinschlafmusik. Das alte Spiel: Schnuller geben. Baby spuckt Schnuller aus. Schnuller geben. Baby spuckt Schnuller aus. Schnuller geben…
19.30 Uhr: Baby schläft (halb). Bedrohliches Blinzeln des linken Auges löst Unbehagen aus. Dennoch: Zeitfenster für Unternehmungen öffnet sich. Sport, Abendessen, Zweisamkeit, Champions-League-Konsum, Lesen – jetzt ist alles möglich. Die ganze Welt steht mir offen.
19.43 Uhr: Auf der Couch eingeschlafen.