Großer Hunger: Das Kind unseres Redakteurs isst gerne und viel (Symbolfoto). | Foto: HiPP GmbH & Co. Vertriebs KG

Kinderkram-Kolumne

Wenn Papa und Tochter Nahrungskonkurrenten sind

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Ein Mensch isst in seinem Leben rund 50 Tonnen. Das habe ich im Internet gelesen. Unsere Tochter, davon bin ich überzeugt, hat mindestens 49 schon hinter sich. Gleich mit dem Aufwachen ruft der kleine Vielfraß „Jam Jam!“ und zeigt aufgeregt zur Tür. Einen Quark mit Himbeeren, eine Avocado, ein halbes Brötchen und ein Wienerle später darf dann auch Papa frühstücken.

Ich setze mich also mit einer Scheibe Brot an den Esstisch. Die eigentlich satte Kleine, die noch eben lustlos Avocado und Wienerle in den Weihnachtsbaum geschleudert hat, fixiert mich mit festem Blick. Fordernd hebt sie die Hand: „Jam Jam!“ Ich habe festgestellt, dass das Kind immer und überall alles essen kann, wenn es ein nur anderer besitzt. Fatalerweise unterstützt meine Frau den Futterneid unserer Tochter: „Jetzt gib‘ ihr doch auch was“, schimpft sie dann.

Heimliche Mahlzeiten

Daher speise ich mitunter heimlich: vor dem Haus, aus der Hosentasche oder hinter der Kühlschranktür. Leider macht der Appetit des Mädchens nicht einmal vor meinen Lippen halt. Kürzlich, ich hatte sie auf dem Arm, klaute mir meine Tochter das Essen aus meinem vollen Mund.

Das Kind als Staubsauger

Ihre Verfressenheit (erstaunlicherweise sieht das Kind nicht aus, als würde es neben einer Schokoladenfabrik aufwachsen) hat aber auch einen Vorteil – die Putzsymbiose. Im Bio-Unterricht lernen wir: Manche kleine Fische fressen großen allerlei Parasitzen vom Leib. Und wer meinen Kinderkram regelmäßig liest, weiß auch, dass die meisten Spannungen zwischen mir und meiner Frau entstehen, wenn ich die Couch verkrümele und anschließend nicht sauge. Hier kommt die Kleine ins Spiel: Gierig pickt sie meine Reste vom Polster und steckt sie sich in den Mund.

Biss ins Plastik

Vor ein paar Tagen, das Mädel sortierte seine Puppensammlung, entdeckte ich zu meiner Überraschung einen Schoko-Riegel auf dem Couchtisch. Ich konnte mein Glück darüber, dass sie ihn noch nicht verschlungen hatte, kaum fassen. Herzhaft biss ich in den Riegel. Allerdings musste ich feststellen, dass er aus Plastik war und ihrer Spielküche entstammte.

Und wieder: „Jam Jam!“

Noch am selben Abend brachte ich das Mädchen ins Bett. Es sind diese Momente, die Vater und Tochter zusammenbringen, es ist diese Nähe, die das Herz erwärmt, wenn die Kleine kuschelnd in den Schlaf findet. Als ich mich, das Kind scheinbar schlummernd, leise aus dem Zimmer stehlen wollte, fragte sie urplötzlich: „Papa?“ Ich: „Ja?“ Sie: „Jam Jam!“