Kinderkram
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Neues aus dem Elternalltag

Zwerge mit Superkräften: Wer hat an der Uhr gedreht?

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Könnten sich meine Kinder ihre Hausgenossen aussuchen, dann säßen mein Mann und ich längst auf der Straße. Stattdessen würden Superman und Spiderman bei uns einziehen – oder irgendein anderer Held mit Superkräften. Dass die neuen Mitbewohner ihre Fähigkeiten nur zum Wohle meiner Sprösslinge einsetzen würden, versteht sich von selbst. Röntgenblick: Perfekt zum Auffinden verschlampter Playmobil-Kleinteile. Über Wände krabbeln: Aufräumen auf dem Boden überflüssig. Der kindlichen Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt.

Zwerge mit Superkräften

Meine Kinder lieben Superhelden und die Vorstellung, so zu sein wie sie. Dabei übersehen sie völlig, dass sie vermutlich selbst Superkräfte besitzen. Meine Kinder können nämlich nach Gutdünken Zeit und Raum manipulieren. Klingt unwahrscheinlich? Fangen wir mal mit dem Faktor Raum an. Schon mal erlebt, wie die Haustür in unerreichbare Ferne rückt, wenn an zwei nicht sonderlich trainierten Armen drei Einkaufstaschen und zwei Kinder hängen? Oder wie sich ein Spaziergang mit unwilliger Begleitung zum Ultra-Marathon dehnt?
Bei der Zeit ist es noch offensichtlicher. Als meine Kinder Babys waren, da gab es Nächte, an deren Ende nicht acht Stunden, sondern Äonen vergangen waren – die alte Frau, die mir am Morgen aus dem Spiegel entgegenblickte, werte ich als Beweis. Und als bei meinem Stillkind die ersten Zähne wuchsen, dehnten sich die Sekunden zu Stunden aus. Einmal war ich alleine zu Hause mit zwei kranken Kindern, eines trotzte, das andere wollte getragen werden, beide schrien. Ich könnte schwören, dass die Zeiger der Uhr an diesem Tag vorübergehend rückwärtsliefen.

Rettet das Raum-Zeit-Kontinuum!

Es gibt ja da diesen Gemeinplatz, der besagt, dass die Zeit rast, sobald man Kinder hat. Das stimmt nach meiner Erfahrung aber nur, wenn die Kinder einen Großteil dieser Zeit nicht anwesend sind. Sonst wird – vor allem an Regentagen – unweigerlich an der Uhr gedreht, bis das Raum-Zeit-Kontinuum ganz aus den Fugen ist. Inzwischen kenne ich aber einen Trick. Sobald ich merke, dass meine beiden Manipulatoren wieder am Werk sind („Mir ist langweilig, Mama, du bist das Feuer und ich die Feuerwehr.“), veranstalte ich ein Kinderkino und schleiche mich unauffällig aus dem Raum. Sobald wir in getrennten Zimmern sind, ticke zumindest ich wieder richtig.