Händler entdecken allmählich die Junggesellinnenabschiede für sich. Aber nicht alles, was angeboten wird, macht auch zwangsläufig Spaß.
Händler entdecken allmählich die Junggesellinnenabschiede für sich. Aber nicht alles, was angeboten wird, macht auch zwangsläufig Spaß. | Foto: imago images / xKzenonx Panthermedia12664706

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Sexy vor der Ehe: die Versexung des Junggesellinnenabschieds

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Es ist wieder die Zeit der Hochzeitsmessen. Seit einiger Zeit gibt es dort neben Brautkleidern, Eheringen und Blumendeko auch allerhand „unterhaltsames“ für den Junggesellinnenabschied. Zum Beispiel Dessous oder Sexspielzeug. Aber welche Frau träumt davon, mit ihren Freundinnen an diesem feierlustigen Abend Dessous zu tragen?

Was früher die Tupper-Party, ist heute der „Dildo-Abend“. Oder war es …

Die Tatsache, dass Dildo-Abende inzwischen als Highlight für Junggesellinnenabschiede angeboten werden, spricht eher dafür, dass sie inzwischen ein Auslaufmodell sind. Junggesellinnenabschiede sind die Resterampe für ausrangierte Skandale, so scheint es. Wenn es nur irgendwie mit Sex zu tun hat, kann man es den sektbetankten Junggesellinnen schon andrehen, denken einschlägige Händler offenbar.

Aber woher kommt die Annahme, dass Junggesellinnen das gut finden?

Ja, natürlich, die „letzte Nacht in Freiheit“ und so weiter. Aber unterm Strich ändert sich in Sachen Sexleben und Partnerschaft nach der Hochzeit heutzutage ohnehin nicht mehr wirklich was. Die Bräute, die in ihrer Hochzeitsnacht tatsächlich Neuland betreten, sind in der Minderzahl.

Die meisten leben mit ihrem Partner längst zusammen, streiten sich gelegentlich darum, wer öfter die Spülmaschine ausgeräumt hat und im Schlafzimmer zwängt sich kein Mensch mehr in ein aufwändiges Dessous. Da reicht längst auch der Baumwoll-Schlüpfer. Man weiß ja, was man hat. Ist doch schon nett, wenn man für den anderen die Socken auszieht.

Die Girls und der Fun

Nur auf dem Junggesellinnenabschied müssen Frauen aus unerfindlichen Gründen so tun, als würde ihnen ein phallusförmiges Ding noch die Schamesröte ins Gesicht treiben.

Warum manche Händler tatsächlich Dessous für Junggesellinnenabschiede verkaufen, ist noch weniger verständlich. Wer tatsächlich glaubt, dass Frauen, wenn sie unter sich sind, gerne in sexy Kleidung Kissenschlachten in Zeitlupe veranstalten, hat wirklich zu viele schlechte Filme – oder Filmchen – gesehen.

Der größte Fehler, den Frauen vor und während dem Junggesellinnenabschied machen können, ist, in die Falle zu tappen, die die JGA-Händler gestellt haben. Nur weil es überall billige Dessous, Sexspielzeug und allerhand Penis-Accessoires zu kaufen gibt, bedeutet das nicht, dass man das auch mögen muss. Auch am Junggesellinnenabschied nicht.

Wer aus vorauseilendem Konsum-Gehorsam dennoch so tut, als gäbe es nichts Amüsanteres, als mit einem Schnapsglas in Penisform an der Halskette durch die Straßen zu ziehen, könnte einen überaus verkrampften Abend erleben.

Einfach locker bleiben

Dabei ist das vollkommen unnötig. Man kennt seine Pappenheimerinnen ja in der Regel schon eine Weile und hat sich bereits die ein oder andere alkoholgeschwängerte Nacht um die Ohren geschlagen. Warum sollte man am bewährten Party-Verhalten etwas ändern, nur um sich verkrampft kichernd im Beisein einer professionellen Dildo-Fee zum Kauf eines überteuerten Sexspielzeugs nötigen zu lassen?

Am „letzten Abend in Freiheit“ sollte es doch vor allem darum gehen: Die Freiheit, so zu feiern, wie es Spaß macht. Nicht so, wie es Spaß machen soll.

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