Der "Bauchzwerg" im "Bauchappartment": Warum reden werdende Mütter bloß so seltsam? | Foto: imago images / Panthermedia / BNN

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Wenn der Bauchzwerg Kugelzeit hat: Warum mir Mütter Angst machen

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Seit meiner Hochzeit vor zwei Jahren, haben sie mich im Visier. „Und wann kommt bei euch was Kleines?“, fragen sie. Sie starren auf meinen Bauch. Sie beobachten, ob ich Alkohol trinke. Sie sagen: „Krieg‘ du erst mal Kinder“ wie der Jedi-Meister zu seinem Padawan-Schüler und lächeln wissend und ein bisschen drohend. Ehrlich gesagt: Ich habe etwas Angst vor dem, was dann passieren würde – vor allem mit mir. Denn Mütter sind mir unheimlich.

Ich weiß nicht, was ich damals als Dreijährige gedacht hätte, hätte mir meine schwangere Mutter erzählt, dass in ihrem Bauch ein „Bauchzwerg“ wohnt. Aber ich vermute, es hätte mich an die „Ohrenzwicker“ erinnert, die einem durch die Ohren bekanntermaßen bis ins Gehirn kriechen können und einen zwicken. Den Film „Alien“ kannte ich damals schließlich noch nicht. Das wäre noch naheliegender gewesen. Auf jeden Fall hätte ich diesem „Bauchzwerg“ nicht über den Weg getraut – auch nach seinem „Schlüpftag“ nicht.

Die Motten kommen

Ich habe einmal gelernt: Wenn dir fremde Menschen süße Sachen versprechen, dann ist Vorsicht geboten. Angesichts dieses ganzen süßlich-schlonzigen Schwangerschafts- und Mamakitschs allein in den sozialen Netzwerken ist es also kein Wunder, dass meine inneren Alarmglocken ausrasten. Wenn gestandene, erwachsene Menschen ihre „Motten“ in den „Kindi“ bringen oder hoffen, dass die „Erdbeertage“ endlich ausbleiben, damit sie „kugeln“ können, dann ist das ein bisschen so wie ein Clown, der plötzlich mitten in deinem Wohnzimmer steht: Im Grunde witzig gemeint, aber einfach verdammt gruselig.

gipsen und hibbeln

Außerdem kommt mir dieses Schwangersein auch sehr stressig vor. Zusätzlich zu den ganzen körperlichen Beschwernissen, die sowieso da sind (Übelkeit, Müdigkeit, Krampfadern, Wasser in den Beinen …), müssen werdende Mütter ihre Bäuche eingipsen, ihre Ernährung radikal auf Nektar und Ambrosia umstellen, alles über Tragetücher auswendig lernen und bei Bedarf aufsagen können und sich natürlich regelmäßig als Fruchtbarkeitsgöttin mit Blumenkranz in einem Rapsfeld ablichten lassen (und das posten).

Vielleicht ist so aber zu erklären, was plötzlich mit der Sprache passiert. Bei all diesem Stress ist es eigentlich kein Wunder, dass unbequem auszusprechende Wörter wie „Hebamme“, „Kinderwunsch“ oder „Hausaufgaben“ einfach zu „Hebi“, „Kiwu“ und „Hausis“ umfunktioniert werden. Irgendwo muss man ja die Energie einsparen, die man in dieses ganze „Hibbeln“ steckt (das ist die Vorfreude auf die Geburt).

endlich ausgekugelt

Ja und dann, irgendwann, ist es soweit: Endlich Wehen – juhu! Das bedeutet, dass der Säugling jetzt „aus seinem Bauchappartment auszieht“. Das ist also offenbar ähnlich wie ein ganz normaler Umzug, nur mit Schmerzen. Dann hat man endlich „ausgekugelt“ – was ansonsten fast nur Schultergelenke können.

Nach der Geburt wird es häufig still auf den Instagram-Kanälen der Mütter.

Ich als Nicht-Mutter kann nur spekulieren, was in dieser Funkstille tatsächlich vor sich geht. Das wissen nur die Jedi-Meister-Mütter, die schon Dinge gesehen haben, die ich mir offenbar nicht einmal ausmalen kann. Es könnte aber damit zusammenhängen, dass der „Bauchzwerg“ seine ehemalige Appartment-Vermieterin ziemlich in Anspruch nimmt – nur eine Vermutung.

Die Bauchzwerge aus dem Märchenland

Vielleicht ist es aber auch so, dass es die Bauchzwerge in ihren kleinen Bauchappartments gar nicht gibt. Zumindest nicht im echten Leben, im „Real Life“. Alle Mütter, die ich wirklich kenne, haben kleine Menschen geboren und sprechen ganz normal. Manchmal sehen sie ein bisschen müder aus als früher, manchmal haben sie ein bisschen weniger Zeit. Manchmal müssen sie sich mit Tragetüchern befassen. Aber das ist okay. Das ist nicht ansatzweise so gruselig wie ein Bauchzwerg.

Mit den Ohrenzwickern haben wir ehrlich gesagt ja auch alle schon genug zu tun.

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