Sängerin P!nk schert sich bisweilen nicht viel um gesellschaftliche Konventionen - und eckt damit auch im Internet an. | Foto: BNN/Imago

Digitalfahrt

Pink, Pöbler und ein Penis

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Pst, nicht weitersagen: Jeder Mann (und jeder Junge) hat einen Penis. Auch im Internet ist diese Wahrheit schon angekommen. Beschwerden und Ärger gibt’s dort rund um das Thema natürlich trotzdem, auch Sängerin Pink ist da nicht gefeit. Wir tauchen ab in die weite Welt des Internets – es geht auf digiTalfahrt! 

Instagram hat ein Penis-Problem. Das klingt jetzt auf den ersten Blick wenig ungewöhnlich – sehr viele Menschen haben Penis-Probleme. Bei diesem speziellen Penis-Problem gibt es aber drei Knackpunkte (Wichtig: Im Internet ist nie etwas schlicht und einfach!).

1. Ein Problem in einem sozialen Netzwerk wie Instagram ist nie einfach nur ein Problem. Ein Problem ist ein PROBLEM. Immer und grundsätzlich.

2. Es geht nicht um irgendein männliches Baumel-Objekt, sondern um ein besonders diffiziles. Dazu später mehr.

3. Wie fast immer in den sozialen Medien geht es gar nicht um das Problem als solches, sondern eigentlich um etwas Anderes.

 

Agent provocateur digital ist in dieser Geschichte die amerikanische Pop-Rock-Röhre Pink. Die Sängerin, 39, stolze Mama und fleißige Instagrammerin, postete jüngst ein Foto von sich mit Tochter und Sohn am Badestrand beim Versuch, einen Pelikan zu streicheln. Das Problem: Sohn Jameson, zwei Jahre alt und unschuldig wie ein sonniger Frühlingsmorgen, trägt auf dem Foto keine Hose oder Windel. Es baumelt. Das an sich wäre für die überraschend prüde Instagram-Community schon schlimm genug. Aber es kommt noch dicker: Der Junge ist nicht beschnitten.

Drama, Baby!

Das Drama ist für unschuldige, unbeschnittene Europäer vielleicht nicht auf den ersten Blick ersichtlich – dafür ist es für die Instagram-Community umso erschütternder. Nun muss man dazusagen, dass das Beschneiden von Jungen in den USA deutlich verbreiteter ist als in Europa – nicht aus religiösen, sondern aus Hygiene-Gründen (übrigens ein Mythos, der inzwischen als widerlegt gilt). Aber wie es eben ist mit Gewohnheiten und Kultur, entkoppeln sich Ursache und Wirkung irgendwann – das gleiche gilt für die Beschneidungen in den USA. So recht erklären können die wenigsten, was sie an unbeschnittenen Penissen stört. Es ist eben seltsam, es ist eben ungewöhnlich. Es gehört sich eben nicht.

Und damit sind wir wieder bei dem armen Sohn von Sängerin Pink, dem man nur wünschen kann, niemals von diesem digitalen Drama um sein Geschlechtsteil zu erfahren. Die Aufregung währte nur ein paar Stunden, aber im unendlichen Raum des Internets reicht das, um in zehntausenden Kommentaren Hass und Ekel auszudrücken, dass es einem einzelnen Menschen – und das ist Sängerin Pink am Ende immer noch – ganz schwindelig werden kann. Ein Schwall von Vorhaut-Hass ergoss sich über das Bild, und die liebende Mama konnte dem ganzen nur einen Riegel vorschieben, indem sie das Familienfoto eiligst in den Internet-Giftschrank schob und löschte.

Und was soll das jetzt?

Hier könnte die Geschichte dann wieder zu Ende sein, aber so funktioniert die Datenautobahn natürlich nicht. Nach einer Stunde postete Pink das Bild erneut, diesmal mit hilflos zensiertem Geschlechtsteil: „Da draußen läuft etwas gewaltig schief“, keifte sie sich den Zorn auf die gesichtslose Internet-Community von der Seele. „Ich habe [das Foto] gelöscht, weil ihr alle verdammt widerlich seid. Und jetzt deaktiviere ich die Kommentare und schüttle meinen Kopf über den Zustand der sozialen Medien und der Tastatur-Krieger und über die Negativität, die ihr in anderer Leute Leben bringt.“

Bei dieser Antwort gibt es drei Knackpunkte (Wichtig: Im Internet ist nie etwas schlicht und einfach!).

1. Pinks Antwort wird nichts am Verhalten der wütenden „Tastatur-Krieger“ ändern, denn die waren zum Zeitpunkt der Antwort schon längst weitergezogen zum nächsten Foto, über das man sich ganz furchtbar aufregen kann. Das Internet ist schnell.

2. Die Frage, wie man im Internet mit Shitstorms, Hass gegenüber dem Geschlechtsteil des eigenen Sohns und gegenüber der eigenen Person umgeht, muss letztlich jeder selbst beantworten. Ob eine ziemlich zahnlose Antwort inklusive zensiertem Foto wirklich weiterhilft und zum Umdenken überredet, darf aber zumindest bezweifelt werden.

3. Wie fast immer in den sozialen Medien geht es gar nicht um das Problem als solches, sondern eigentlich um etwas Anderes.