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Telefonieren ist nichts Jedermanns Sache und lässt sich in Zeiten von WhatsApp und Sprachnachrichten oft vermeiden. Wenn dies einmal nicht möglich ist, etwa bei der Arbeit, können am anderen Ende der Leitung einige Überraschungen auf einen warten. | Foto: Uli Deck/Illustration

Eine Telefon-Kolumne

Falks Furiosum: Bei Anruf Frust

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Telefonieren ist nichts Jedermanns Sache und lässt sich in Zeiten von WhatsApp und Sprachnachrichten oft vermeiden. Wenn dies einmal nicht möglich ist, etwa bei der Arbeit, können am anderen Ende der Leitung einige Überraschungen auf einen warten. Denn nicht immer läuft das Telefonat reibungslos ab – wie das berühmte Beispiel von Loriots Staubsaugervertreter Jürgen zeigt.

Ganz so schlimm wird es meistens nicht – trotz dieser vier Typen an der Strippe:

Der Diktant

Das Telefonat mit dem Diktanten beginnt meist ganz harmlos. Erst, wenn es darum geht, unter welcher Telefonnummer er am Besten zu erreichen ist, läuft dieser zur Höchstform auf. Denn, anstatt wie üblich einfach die Zahlen herunter zu leiern, diktiert der Diktant seine Nummer so: „Nulleinhundertzweiundfünzig Vierundachtzig Neunundzwanzig Drei-Mal-die-fünf“. Alles klar? Wem das noch nicht reicht, der sollte nach Namen oder Adresse des Gegenübers fragen, denn der wohnt nicht einfach im Erlenweg, sondern im „Emil-Richard-Ludwig-Emil-Nordpol-Weg“.

Der kurz Angebundene

Der kurz Angebundene spricht den meisten Menschen aus der Seele, denn er hat überhaupt keine Lust, zu Telefonieren. Um das Ganze nicht unnötig in die Länge zu ziehen, neigt er häufig dazu, das Gespräch nach der Klärung einer Frage für beendet zu halten. „Alles klar, danke, Wiederhören“, und *paff*, ist der Hörer aufgelegt. Oft können solche Gespräche durch „Halt! Stopp!“-Rufe des Anrufers aufgehalten werden – wenn nicht, ist nichts unangenehmer als der erneute Anruf. Das genaue Gegenteil des kurz Angebundenen ist der nächste Typ.

Der Flatrate-Typ

Wer eine günstige Flatrate hat, braucht sich beim Telefonieren keinerlei Gedanken um die Zeit zu machen. Auch die Ankündigung des Gestressten am anderen Ende der Leitung, er habe eigentlich gerade gar keine Zeit, beeindruckt den Flatrate-Telefonierer wenig. So mancher lässt sich da kleine und verzeihliche Notlügen wie „Oh, es hat an der Tür geklingelt“ oder „Sorry, mein Akku ist gleich leer“ einfallen. Wenn selbst das nichts bringt, hilft nur noch der altbewährt Funkloch-Trick: „Moment, ich verstehe Dich ganz schlecht“ – *knirsch*, *knatsch*, Telefonat beendet.

Der Abgelenkte

Bisweilen nervenaufreibend ist das Telefonat mit dem Abgelenkten. Denn der macht eben geschwind nebenher noch ein paar andere Dinge. „Bring eine Milch mit“, erklingt es plötzlich aus dem Hörer. „Wie bitte?“, fragt sich der Telefonpartner, der aber offensichtlich nicht gemeint war. Der Abgelenkte murmelt auch andere unverständliche Dinge vor sich her, während er alles tut, außer ernsthaft zu Telefonieren. Das Gute daran? Ihn stört es nicht, wenn das Telefonat schnell wieder beendet wird – schließlich hat er noch 1000 andere Dinge zu tun.

Telefonieren kann anstrengend sein – je nachdem, wen man an der Strippe hat. | Foto: Schierenbeck

Telefonieren gehört zum Alltag wie andere unangenehme Dinge, etwa Bügeln oder Toilettenpapier einkaufen. Deshalb sollte es auch nicht zu ernst genommen werden. Und wer wirklich einmal gar keine Lust hat, kann ja einfach den Hörer neben das Telefon legen.

Standen wir nicht alle schon einmal an der falschen Kasse im Supermarkt oder haben uns über neugierige Nachbarn aufgeregt? In dieser zweiwöchentlichen Kolumne erzählt BNN-Redakteurin Julia Falk Alltagssituationen nach, die sie auf die Palme gebracht haben – und die fast jeder schon einmal selbst erlebt hat. Oft sind diese ärgerlich, noch öfter aber auch belustigend.
Hier gibt es alle Teile.