Das Reißverschluss-Verfahren ist nicht gerade das Steckenpferd vieler Deutscher. Das könnte an drei speziellen Typen von Autofahrern liegen. | Foto: Imago

Eine Autofahrer-Kolumne

Falks Furiosum: Der kaputte Reißverschluss

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Linke Spur, rechte Spur, linke Spur, rechte Spur: Hach, es könnte ja so einfach sein – wenn die Autofahrer es verstehen würden. Die Rede ist vom Reißverschluss-Verfahren, einer weltweit auf den Straßen verbreiteten Möglichkeit, die Fahrbahn von zwei auf eine Spur zu verengen.

Eigentlich kein Grund für Stau oder Aufregung, wären da nicht diese drei Typen von Autofahrern:

Der Drängler

Der Drängler muss gewinnen und damit der Erste sein. Also lässt er beim Reißverschluss-Verfahren kein anderes Auto herein, sondern quetscht sich hinter seinen Vordermann. Dass das zu Aggressionen beim der Vorfahrt Beraubten und Stocken im Einfädelung-Verfahren führt, liegt auf der Hand: Man stelle sich nur einmal einen richtigen Reißverschluss an einer Jacke vor, bei dem das passiert. Dieser Reißverschluss wäre früher oder später kaputt.

Der Schleicher

Das Verhalten des Dränglers wiederum führt zur Verunsicherung anderer, vorsichtiger Verkehrsteilnehmer. „Lässt er mich rein oder nicht?“, fragen sich viele Autofahrer, wenn es auf das Reißverschluss-Verfahren zugeht. Einige von ihnen fahren dann lieber gar nicht und warten, bis die Luft rein ist – was wiederum auch zu Behinderungen führt, da plötzlich sieben Autos der linken Spur vor einen Schleicher auf der rechten Spur ziehen. Auch so würde die Jacke nicht zugehen.

Der Voreilige

Für mitunter den meisten Ärger sorgt aber der dritte Typ Autofahrer: der Voreilige. Er kann es gar nicht abwarten, dass seine Spur endet und er im Reißverschluss-Verfahren auf die andere Spur gelassen wird. Vielmehr ordnet sich der Voreilige bereits weit vor der beabsichtigten Einfädelung ein – Vollbremsungen, Hupen und drohende Fäuste von hinten sind das Resultat. Nicht umsonst gibt es in Deutschland vielerorts vor Spur-Verengungen Schilder mit: „Reißverschluss erst in 200m“.

Verkehr
Niemand mag Stau. Würden die Autofahrer das Reißverschluss-Verfahren korrekt ausführen, wäre so manche Verkehrsbehinderung vermieden (Symbolbild). | Foto: Fabian Sommer

Das Reißverschluss-Verfahren ist nicht gerade das Steckenpferd vieler deutscher Autofahrer. Möglicherweise sollte sich Verkehrsminister Andreas Scheuer einmal Gedanken über eine einfachere Alternative machen, etwa – nur einmal herumgesponnen – das Klettverschluss-Verfahren. Wie auch immer das dann aussehen würde.

Standen wir nicht alle schon einmal an der falschen Kasse im Supermarkt oder haben uns über neugierige Nachbarn aufgeregt? In dieser zweiwöchentlichen Kolumne erzählt BNN-Redakteurin Julia Falk Alltagssituationen nach, die sie auf die Palme gebracht haben – und die fast jeder schon einmal selbst erlebt hat. Oft sind diese ärgerlich, noch öfter aber auch belustigend.
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