Der neugierige Nachbar ist sehr interessiert an seinen Mitmenschen. (Symbolbild) | Foto: Imago Images

Eine Nachbarschafts-Kolumne

Falks Furiosum: Der Schrecken von nebenan

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„Hallo Nachbar!“ Wer diesen Ausruf hört, hat zwei Möglichkeiten: wegducken, so tun, als sei man taub und schnell ins Haus flüchten oder sich auf einen mehr oder weniger netten Plausch über den Gartenzaun einlassen. Nachbarn sind Menschen, mit denen man vorher meist nichts zu tun hatte, aber plötzlich Wand an Wand lebt.

Nachbarn können zu Freunden werden – oder zum Schrecken von nebenan, wie diese vier Typen zeigen:

Der Neugierige

Der neugierige Nachbar ist sehr interessiert an seinen Mitmenschen. Er möchte alles wissen und gibt gerne Ratschläge: „Ihr habt Euch aber laut gestritten gestern, ging es um Deine Mutter? Ach, das wird schon wieder.“ Der Neugierige ist sehr einfühlsam und möchte am liebsten nur über die Probleme Anderer reden. Der eigene Kram ist da gar nicht so sehr von Bedeutung – dafür aber, was die Sabine aus der 11b letzte Woche erzählt hat. Unglaublich!

Der Rücksichtslose

Der Rücksichtslose vergisst schlicht, dass er nicht alleine ist. Bis in die Morgenstunden auf dem Balkon herumgrölen, weil man selbst am nächsten Tag frei hat? Am Samstagmittag lautstark den Rasen mähen und das Holz zerhäckseln? Kein Problem, die Nachbarn werden sich schon melden, wenn es sie stört. Man lebt ja schließlich in guter Nachbarschaft und kann über alles sprechen – zumindest einmal.

Der Schlamper

Der Schlamper ist nun einmal nicht der ordentlichste Mensch. Deshalb stellt er den Müll zwar vor die Haustür – vergisst aber dann tagelang, ihn herunterzubringen. Man darf ja auch nicht zu viel auf einmal verlangen. Der Schlamper nutzt auch gerne die Gemeinschaftsräume des Mehrfamilienhauses, um Kartons zwischen zu lagen oder gleich sein ganzes Schuhregal aufzubauen – im Flur herumfliegende Fußbekleidung inklusive.

Der Geheimnisvolle

Der Geheimnisvolle fährt jeden Abend mit Sonnenbrille und verdunkelten Scheiben in seine Garage. Tor auf, Tor zu, weg ist er. Die Roll-Läden werden pünktlich zum Sonnenuntergang heruntergelassen und erst am nächsten Morgen wieder geöffnet. Der geheimnisvolle Nachbar stört nicht – und erwartet das Gleiche von den anderen. Er hat schlicht keine Lust auf ein engeres Verhältnis zu denen von nebenan – was wiederum den Neugierigen auf den Plan ruft.

„Ihr habt Euch aber laut gestritten gestern, ging es um Deine Mutter? Ach, das wird schon wieder.“ | Foto: Imago Images

Zu Nachbarn hat man zumindest räumlich eine enge Bindung. Abgetrennt durch den Gartenzaun, vergisst da so mancher ab und zu seine gute Kinderstube. Wer also keine Lust auf den Neugierigen oder den Rücksichtslosen hat, sollte vielleicht einmal über die Rolle des Geheimnisvollen nachdenken.

Standen wir nicht alle schon einmal an der falschen Kasse im Supermarkt oder haben uns über neugierige Nachbarn aufgeregt? In dieser zweiwöchentlichen Kolumne erzählt BNN-Redakteurin Julia Falk Alltagssituationen nach, die sie auf die Palme gebracht haben – und die fast jeder schon einmal selbst erlebt hat. Oft sind diese ärgerlich, noch öfter aber auch belustigend.
Hier gibt es alle Teile.