Flugzeug am Himmel
"Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein", das predigt Liedermacher Reinhard Mey schon seit 45 Jahren. Dass sich das einige Reisende im Flugzeug ein wenig zu sehr zu Herzen genommen haben, hat vermutlich jeder schon einmal erlebt. | Foto: Boris Roessler/ Archivbild

Eine Flugzeug-Kolumne

Falks Furiosum: Über den Wolken

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„Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein“, das predigt Liedermacher Reinhard Mey schon seit 45 Jahren. Dass sich das einige Reisende im Flugzeug ein wenig zu sehr zu Herzen genommen haben, hat vermutlich jeder schon einmal erlebt. Denn nicht immer hat man Glück mit dem Nebensitzer – auch nicht in 13.000 Metern Höhe.

„Alle Ängste, alle Sorgen, blieben darunter verborgen“ – nicht mit diesen vier Typen von Nebensitzern:

Der Ängstliche

Um fair zu bleiben: Der Ängstliche ist um seine Flugangst nicht zu beneiden. Der, der neben ihm sitzt, aber auch nicht. Die Kotztüte schon griffbereit, murmelt der Ängstliche vor allem bei Start und Landung permanent etwas Unverständliches vor sich hin. Und auch in Situationen, in denen auch Hartgesotteneren mulmig wird, ist der Nebensitzer mit Flugangst keine Hilfe. Da bekommen kleine Turbulenzen und die Ansage „Bitte schnallen Sie sich wieder an“ eine ganz andere Dimension.

Der Breitmacher

Der Breitmacher hat zwar keine Economy-Class gebucht – aber er breitet sich dementsprechend aus. Dass die Armlehne für beide reichen sollte, vergisst er gerne – ebenso, dass ein Flugzeug kein Platzwunder ist. An Handgepäck mangelt es dem Breitmacher so wenig wie an Selbstbewusstsein – seine Sitznachbarn sehen also schon an der Gepäckablage, wohin der Hase läuft. Doch, Vorsicht: Wer klein beigibt und sich der Situation fügt, ermutigt den Breitmacher, sich noch weiter auszubreiten.

Der „Das-ist-mein-erster-Flug“

Ein langer Flug bedeutet viel Zeit für Dinge, die man sonst nicht hat. In Ruhe einen Film zu schauen oder ein Buch zu lesen, zum Beispiel. Die Rechnung wurde jedoch ohne die redselige Nebensitzerin gemacht. Sie fliegt nämlich zum ersten Mal in ihrem Leben, und zwar zu ihrem Enkel, der gerade ein Auslandssemester in Vancouver macht. Und überhaupt sind ihre Enkelkinder das Größte, da gibt es ja so viel zu erzählen – und die 14 Stunden nach Kanada vergehen wortwörtlich wie im Flug.

Der Tomatensaft-Besteller

Warum bestellen Menschen im Flugzeug Tomatensaft, die das Zeug auf dem Boden nie herunterbekommen würden? Dieses Phänomen lässt sich mit veränderten Geschmacksnerven auf 10.000 Metern Höhe irgendwie erklären – besser macht es die Sache aber nicht, wenn um einen herum alle Passagiere Tomatensaft schlürfen. Denn der Gemüsesaft riecht nicht nur stark – er hinterlässt bei kleineren Turbulenzen auch penetrante rote Flecken auf Nachbars weißer Hose.

Startendes Flugzeug
Der Sonne entgegen: Mit der Aussicht auf Urlaub lassen sich auch nervige Sitznachbarn im Flugzeug ertragen. | Foto: Julian Stratenschulte

Ein Flugzeug ist wie ein fliegender Bus – man muss Glück haben bei der Frage, wer neben einem sitzt. Und wer einmal einen nervigen Sitznachbar erwischt hat, sollte an Reinhard Meys Worte denken: „…und dann, würde was uns groß und wichtig erscheint, plötzlich nichtig und klein.“

Standen wir nicht alle schon einmal an der falschen Kasse im Supermarkt oder haben uns über neugierige Nachbarn aufgeregt? In dieser zweiwöchentlichen Kolumne erzählt BNN-Redakteurin Julia Falk Alltagssituationen nach, die sie auf die Palme gebracht haben – und die fast jeder schon einmal selbst erlebt hat. Oft sind diese ärgerlich, noch öfter aber auch belustigend.
Hier gibt es alle Teile.