Bushaltestelle in Chemnitz
Auf den Bus zu warten kann eine stupide Angelegenheit sein - aber nicht, wenn diese vier Typen von Mitreisenden schon da sind. | Foto: Jan Woitas/Archiv

Eine Haltestellen-Kolumne

Falks Furiosum: Warten auf den Bus

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Fast jeder kennt es: Morgens auf dem Weg zur Arbeit, es ist kalt an der Haltestelle, der Bus lässt auf sich warten. Bevor es im Büro den ersten Kaffee gibt, will der gemeine Arbeitnehmer eigentlich nur seine Ruhe haben und unter gar keinen Umständen angesprochen werden.

Prinzipiell verständlich – aber nicht für diese vier Typen von Wartenden, die auch mit dem Bus fahren.

Der „Ich-erzähle-fremden-Menschen-meine-Lebensgeschichte“

Im Wartezimmer, auf dem Amt oder an der Bushaltestelle: Überall lauern Menschen, die es gar nicht abwarten können, anderen ihre Lebensgeschichte zu erzählen – ob die es wollen oder nicht. Damals, ja damals war alles besser, als der Tante-Emma-Laden um die Ecke noch offen hatte und Diesel noch 50 Pfennig pro Liter kostete. Verblüffenderweise warten die Erzählfreudigen fast immer auf den selben Bus, wie man selbst – und werden so viele Erinnerungen los.

Der Huster

Jeder ist mal erkältet, erst recht im Winter, wenn es kalt ist. Krank sein ist menschlich. Dennoch wären einige Ansteck-Risiken durchaus vermeidbar. Da wird gehustet, geniest und die Nase hochgezogen – alles natürlich ohne vorgehaltene Hand, man sitzt ja schließlich draußen an der Bushaltestelle und im Winter sind ja ohnehin alle krank. Da hilft auch der riesige Schal, in den man sich zuvor prophylaktisch eingewickelt hatte, nicht mehr viel.

Der Musikalische

Der Musikalische findet Techno- und Hip-Hop-Beats richtig cool – und möchte das mit der ganzen Welt teilen. Über die Kopfhörer, die mehr als Accessoire dienen, wird so laut Musik gehört, dass auch alle anderen etwas davon haben. Praktisch, da muss nur einer seinen iPod dabeihaben. Der Musikalische erwischt sich manchmal auch dabei, dass er zum Beat mitsingt – macht aber nichts, er selbst hört es ja dank Kopfhörern nicht.

Der Telefonierer

Der Telefonierer muss dringende Sachen besprechen, und zwar jetzt und nicht erst später. Da es sich meist um eilige oder verärgernde Angelegenheiten handelt, tut der Telefonierer sein Anliegen laut kund. Dass dabei die ganze Haltestelle mithören kann, stört ihn nicht – schließlich geht es ja um wichtige Dinge. Ernste Anliegen müssen lange und ausführlich besprochen werden. Wie praktisch, dass der Bus am Morgen eh wieder Verspätung hat.

Haltestelle Schulbus
Die Haltestelle – ein Ort, wo sich Jung und Alt treffen, um gemeinsam auf den Bus zu warten. Für manchen können sich die Minuten wie Tage anfühlen. | Foto: Stefan Sauer/Archiv

Die Bushaltestelle ist ein Ort der Geselligkeit – ob man das möchte, oder nicht. Alle Wartenden eint dasselbe Ziel: in den Bus einzusteigen. Dabei gibt es durchaus unterschiedliche Herangehensweisen. Wer einmal alleine an der Haltestelle steht, braucht sich aber keine Sorgen zu machen: Im Bus warten genügend Gelegenheiten, gestört zu werden.

Standen wir nicht alle schon einmal an der falschen Kasse im Supermarkt oder haben uns über neugierige Nachbarn aufgeregt? In dieser zweiwöchentlichen Kolumne erzählt BNN-Redakteurin Julia Falk Alltagssituationen nach, die sie auf die Palme gebracht haben – und die fast jeder schon einmal selbst erlebt hat. Oft sind diese ärgerlich, noch öfter aber auch belustigend.
Hier gibt es alle Teile.