Objekte des Aufruhrs: Kaffeekapseln.
Objekte des Aufruhrs: Kaffeekapseln. | Foto: Rawf8 – stock.adobe.com / BNN Montage

Julias Ökolumne

Warum man nie im Internet über Kaffeekapseln schreiben sollte

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Ein simpler Zettel, der eines Tages in der Büroküche hing, darauf: Eine Anmerkung zur Kaffeemaschine. Ich twitterte nichtsahnend ein Foto davon – und fand mich in meinem ersten winzigen Shitstorm wieder. Dabei trinke ich nicht einmal Kaffee. Eine Auslese in der neuen Folge von Julias Ökolumne.

Ich bin nicht sonderlich aktiv auf Twitter. Ich bin auch absolut kein Kaffeetrinker. Da nun also weder Twitter noch Kaffee in meinem Leben eine sonderlich große Rolle spielen, war es umso erstaunlicher, dass die Kombination aus beidem mich vor einiger Zeit tagelang beschäftigte. Was war passiert?

Die #Kapselscham passt in unsere Zeit

Ich war eines Tages in die nagelneue Büroküche spaziert – zum Teekochen versteht sich. Zwei Dinge fielen mir ins Auge: Einerseits eine Kaffeemaschine, die mich normalerweise nicht sonderlich interessiert hätte. Andererseits ein großer Zettel, der die pure Existenz dieser Maschine, Modell Kapselkaffee, „vorausschauend-erwidernd-passiv-aggressiv“ verteidigte, wie es ein anderer Twitter-Nutzer später ausdrückte.

Und weil das ganze so wunderbar in die Zeit von Fridays For Future und #Flugscham passte, postete ich kurzerhand ein Foto.

Die Folge: Mein Handy hörte nicht mehr auf, zu bimmeln. Immer mehr Menschen liketen den Tweet – aber auch immer mehr regten sich auf.

Von Deppensteuer zur Gefängnisstrafe

„Ich hab noch nie verstanden, wie sowas auf den Markt kommen konnte. Wer genehmigt das und wieso gibt’s darauf keine Gefängnisstrafen?“, fragte ein Nutzer.

„Der Kapselkaffeepreis ist die Deppensteuer für Leute, die selbst im kleinsten nicht willens sind, von ihrem hohen Ross runterzusteigen, wenn jemand anderer was für die Umwelt tut. Sollte noch teurer sein“, schrieb ein anderer.

„Kapseln sind ja auch dekadente Scheiße“, urteilte ein Dritter.

Und ich fühlte mich ganz kurz in der Pflicht, mich verteidigen zu müssen, hatte ich schließlich in meinem ganzen Leben noch keinen einzigen Kapselkaffee konsumiert.

Und dann wurde es witzig

Doch dann setzten die anderen Automatismen ein, die dem Internet so eigen sind: Eine ganze Menge Spaß, Ironie und der Wille, die Dinge irgendwie zum Besseren zu verändern.

Denn ich bekam Antworten wie diese:

Oder diese:

Oder diese:

 

Und so war zwar eine kleine Debatte entbrannt, aber eine mit reichlich Augenzwinkern. Und gebracht hat das Ganze auch was: Die Kapselmaschine war wenige Tage später tatsächlich verschwunden.

Julias Ökolumne
Umweltfreundlich leben wollen wir alle irgendwie – wenn das doch nur nicht immer so anstrengend wäre. In dieser Kolumne nimmt Julia Weller das Spannungsfeld zwischen der allseits erwünschten Nachhaltigkeit und unserer alltäglichen Bequemlichkeit auf die Schippe. Alle Folgen gibt es hier.