Die Qual der Wahl hat, wer nach einer neuen Serie sucht. Kein Wunder herrscht oft mehr Streamingfrust als Streaminglust.
Die Qual der Wahl hat, wer nach einer neuen Serie sucht. Kein Wunder herrscht oft mehr Streamingfrust als Streaminglust. | Foto: imago images / Westend61

#dasauchnoch

Von der nie endenden Suche nach dem Streaming-Glück oder: Was schaut ihr so?

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Die Planung des Fernsehprogramms war früher, zumindest gefühlt, um einiges leichter. Ganz fix brachte die Programmübersicht Gewissheit, ob es ein guter oder schlechter Abend werden würde. Doch statt einer begrenzten Anzahl an Kanälen versuchen heute unendlich viele Filme und Serien bei diversen Streaminganbietern, mein Leben zu verbessern. Doch gelingt ihnen das?

Gefühlt nimmt die Jagd nach der besten Serie genau so viel Zeit ein, wie das Binge-Watching der selbigen.

Und ehrlich: Das nervt.

So langsam macht sich Streamingfrust breit. Spätestens am Staffel- oder Serienende ist der Frust größer als die Lust – zumindest bei mir.

Zeit, den Streamingwahn näher zu beäugen. Mein Streaming-Leben in mehreren Akten.

Akt eins: Die Anbieterwahl

Foto: imago images / Joko

Am Anfang steht die Anbieterfrage. Der Abschluss des ersten Monatsvertrags mit einer Streamingplattform fühlt sich nach dem gefunden Schlüssel zum Fernsehglück an.

Meine Freizeit verbringe ich fortan begeistert auf meiner Couch.

Doch nach wenigen Wochen und ein paar Serien, die mich fesseln und abwechselnd zum Lachen oder Weinen bringen, steigt mein Anspruch.

Ich „suchte“ oder „bingewatche“ in kurzer Zeit die besten Serien der Welt. Zurück bleibt nach jedem Staffelende der Glaube, dass es wohl nie einen adäquaten Ersatz geben wird.

Mittlerweile dauert es wesentlich länger, eine neue Serie zu finden, als ich mich an einer neu gefundenen Serie erfreuen kann. Zumal viele dieser Serien nur eine Staffel enthalten.

Akt zwei: Mehr Abos bei Streaminganbietern

Foto: imago images / xim.gs

Die beste Taktik? Für mich logisch: Das Angebot erweitern – und damit die Auswahl.

Ich mache mich auf die Suche nach mehr Anbietern und werde fündig. Allein drei Streaming-Abos gehen nun regelmäßig von meinem Haushaltskonto ab.

Lösung also gefunden?

Kurzfristig vielleicht schon. Langfristig steigt die Überforderung.

Akt drei: Mehr Vielfalt erschwert die Suche

Foto: imago images / Sven Simon

Mit dem vergrößerten Angebot dämmert mir, dass vielleicht nicht die Vielzahl das Problem ist.

Die ist sogar erschreckend hoch.

Eine britische Bachelor-Arbeit, die sich mit Neuerscheinungen von Netflix beschäftigte, ergab, dass jemand, der alle Neuerscheinungen eines Jahres (Filme und Serien zusammen) schauen wollen würde, abzüglich Schlaf, Essen, Körperhygiene und Toilettengänge, dafür fast acht Lebensmonate bräuchte.

Das Problem lässt sich also weiter eingrenzen. Es geht darum, „das richtige“ Streamingangebot zu finden. Eines, das die viele Zeit auch wert ist.

Akt vier: Was schaut ihr so?

Foto: imago images / wolterfoto

Neulich erhielt ich eine WhatsApp-Nachricht. Einziger Inhalt: „The Umbrella Academy *inklusive Emoticon Daumen nach oben*“. Noch ehe ich zurückschrieb, setzte ich die Serie auf meine Wunschliste.

Freunde nach Serientipps zu fragen, ist auf jeden Fall ein guter Tipp.

Doch Freunde sind in der Regel eine begrenzte Ressource.

Zum Glück gibt es Serientipps zuhauf, wenn man danach sucht:

  • Da ist die „Netflix Selbsthilfegruppe“, in der Nutzer sich über Erfahrungen austauschen, Tipps geben und rege über Serien diskutieren.
  • Dann gibt es einen Newsletter, der „Stream-Letter“, der ebenfalls Empfehlungen ausspricht. Wer die Tipps lieber erzählt bekommt, der ist in diversen Podcasts gut aufgehoben, wie etwa in der „Seriensprechstunde“.
  • Und ein echter Geheimtipp sind die „Freunde von Freunden“ auf Instagram. Denn jede Frage nach Serientipps auf Instagram, ob im Feed oder in der Story wird ebenfalls eifrig beantwortet.

Ich bin ein Sammler. Also sammle ich jetzt Tipps. Ständig. Und gefühlt kommen täglich neue dazu.

Akt fünf: Das Ende vom Lied

Foto: imago images / Future Image

Das Volumen meiner Wunschliste ist inzwischen wesentlich größer, als die vermeintliche „Top-Auswahl für“ mich. Meine Favoriten-Liste hat einen so großen Umfang, dass ich selbst bei einer Langzeiterkrankung keine Chance hätte, alles zu sehen. Für ein Sabbatical bräuchte ich keinen Koffer zu packen. Diese Zeit könnte ich bequem von der Couch aus mit unterschiedlichen Eindrücken aus allen Gegenden der Welt füllen – Reisen per Serie sozusagen.

Also habe ich ja jetzt „das Richtige“ gefunden. Oder?

Ich würde vorsichtig formuliert dazu sagen: kurzfristig.

Entscheidungen sind eben manchmal kompliziert. Ich füge mich meinem Serienschicksal. Eine neue Serie wird kommen. Auch wenn ich länger nach ihr suchen muss, als mir lieb ist. Und beim nächsten Staffel- oder Serienfinale frage ich sicher trotzdem wieder: „Was schaut ihr so?“

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Unsere Kolumnistinnen wagen sich in das Gestrüpp des Lebens auf der Suche nach dem, was glücklich macht. Warum und wer hier schreibt, das steht hier.
Teil 1 der Serie zum Nachlesen Aufräumen nach Marie Kondo: Nein, ein „Aufräumfest“ ist keine Party!