Auf Abwegen: SUVs stehen in der Kritik und sind komfortabel. | Foto: dpa/Ingo Wagner

Kolume: Was mit Worten

Unwort des Sommers: Der SUV – was ist das eigentlich?

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Drei Buchstaben, die plötzlich in aller Munde sind: SUV. Politiker streiten, ob es SUVs geben sollte. Leute, die keinen SUV besitzen, kritisieren SUVs wegen ihrer katastrophalen Umweltbilanz. Und SUV-Besitzer preisen den Komfort von SUVs. Nur – was um alles in der Welt ist das denn nun eigentlich, so ein SUV? Diese Kolumne klärt auf.

Nur Fliegen ist schlimmer: Derzeit reden alle über SUVs. Die sollen schlecht fürs Klima sein. Außerdem parken sie an und um Schulen alles voll, wenn nicht gerade Ferien sind. Sind nämlich Ferien, verstopfen sie die Autobahnen nach Süden/Norden. Was hat es nun auf sich mit diesem SUV?

Der SUV: wahrscheinlich ist es ein Pkw

Von deutscher Warte aus könnte die Sache so einfach sein: S-U-V könnte dann nämlich ungefähr wie „Suff“ ausgesprochen werden. Und Suff im Straßenverkehr ist ja schon verboten (StVG § 24), Öko-Freunde könnten also jubilieren.

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Allerdings – die drei großen Buchstaben deuten es bereits an – handelt es sich bei SUV natürlich um eine Abkürzung. Sie steht für Sport Utility Vehicle. Das ließe sich mit Sport- und Nutzfahrzeug übersetzen. Hier und da fällt auch der Begriff Geländelimousine. Obschon ein SUV in der Regel nicht auf einen klassischen Pkw-Parkplatz passt, ist er aufgrund zahlreicher anderer Charakteristika wohl doch zunächst einmal genau das: ein Pkw.

Der Coffee to go-Effekt

Nun ist Pkw aber eine ziemlich biedere Abkürzung aus dem Behördendeutsch. Die eher so an Automatenkaffee in der KFZ-Zulassungsstelle erinnert als an einen aufregenden 10 Euro-Latte-Macchiato auf dem Weg in mondäne Gefilde/durch den Prenzlauer Berg.

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Daher haben findige Vermarkter zu einem Anglizismus gegriffen, denn seit alters her gilt in Deutschland: Dinge erscheinen hochwertiger, wenn sie englisch bezeichnet sind. Coffee to go-Becher wären wahrscheinlich nie ein Umweltproblem geworden, wenn das damit vertriebene Produkt als „Kaffee zum Mitnehmen“ Marktreife erlangt hätte. Mit dem SUV ist es wohl ähnlich.

Die Grünen haben was gegen den SUV

Kulturgeschichtlich lässt sich der SUV als Synthese von Bauernbenz und Outdoorbekleidung beschreiben. Er stellt soliden Luxus und Agilität gleichermaßen zur Schau. Und vor allem stellt er auch zur Schau, dass sich seine Besitzer*innen beides leisten können. Obschon sie es vielleicht gar nicht bräuchten. Immerhin: Komfortabel sollen sie ja schon sein, die SUVs.

Weil sie Luxusprodukte sind und in jedem Fall auch einen hohen Spritverbrauch haben, ist ungewiss, wie es mit dem Begriff SUV und dem damit bezeichnetem Pkw-Typ weitergeht. Das Fahrzeug ist zum Politikum geworden: Die Grünen zum Beispiel würden den SUV gern verbieten, weil er nicht besonders umweltfreundlich ist.

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Vielleicht besser was mit Panzer

Aus klassischer linker Perspektive hingegen gehört so eine Karre in ihre Einzelteile zerlegt und dann gleichmäßig unter der Bevölkerung aufgeteilt, damit alle gemeinsam nicht vorwärtskommen. Der AfD wiederum liegt die deutsche Sprache sehr am Herzen, weswegen zumindest ein neuer Name hermüsste: irgendwas mit Panzer zum Beispiel.

Wie auch immer es mit dem SUV weitergeht: Ohne Englisch ist kein Fahrzeug zu machen. Die Mobilitätsbranche hat längst neue Vehikel auf den Markt geworfen, an denen sich ähnlich hitzige Debatten entzünden. Das Pedelec zum Beispiel (auch: E-Bike) und den E-Scooter.

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Wer der Sprache aufs Maul schaut, stellt fest: Sie schlägt kuriose Volten, ist verblüffend und skurril, mal entlarvend und mal ziemlich witzig. Grund genug also, sie in „Was mit Worten“ in den Fokus zu rücken.