Kann ein Schokoriegel "federleicht" schmecken? Vorsicht ist jedenfalls geboten, wenn es nussig wird. | Foto: Imago

Was mit Worten

Wer um alles in der Welt futtert Schoko-Riegel, die nach Federn schmecken?

Anzeige

Werbeslogans sind manchmal große Kunst, öfter ein wenig aufgesetzt und hin und wieder völlig unsinnig. Dann zum Beispiel, wenn sie uns federleicht schmeckende Schokoriegel verkaufen wollen. Denn: Wie um alles in der Welt soll das denn gehen?

Der Mensch, da besteht in der Fachwelt weitgehende Einigkeit, kann vier bis fünf verschiedene Geschmäcker unterscheiden. Süß, salzig, bitter, sauer und umami, diese komische Geschmacksrichtung, die möglicherweise vom Glutamat kommt.

Ein paar verwegene Fachleute erklären, auch „fettig“ sei eine eigene Geschmacksrichtung. Hinweise auf die Geschmackskategorie „federleicht“ finden sich aber in jedem Fall nirgends.

Das ist an und für sich noch kein Grund, dass etwas nicht doch federleicht schmecken könnte. Sprache ist ja flexibel und dynamisch. Neben einer eher objektiven Verordnung von Geschmacksrichtungen ist es durchaus auch üblich, das Wort „schmecken“ mit subjektiven Zuschreibungen zu gebrauchen.

Statt süß, salzig oder umami schmecken Dinge schließlich auch lecker, schlecht, fad oder ein wenig pappig.

Auch interessant: Hey Anna, zwischen uns war nichts, weswegen wir uns duzen sollten!

Schreiben Sie auf, wie eine Feder schmeckt!

Es ist sogar üblich, zur Beschreibung von Geschmack noch andere Vergleichskategorien hinzuzuziehen. Es gibt Weinkenner, die behaupten, in ihrem Passionsgetränk etwa eine schokoladige Note ausmachen zu können oder einen erdigen Geschmack.

Wer aufmerksam die Austin Powers-Filme schaut, weiß: Auch eher abseitige Drinks können vertraut schmecken – nussig zum Beispiel.

Irgendwo allerdings ist eine Grenze. Und „federleicht“ liegt eindeutig dahinter. Denn: Wie um alles in der Welt soll etwas „federleicht“ schmecken? Das Problem fängt schon mit der Feder an: Natürlich können Dinge grundsätzlich nach Feder schmecken, das ist möglich. Aber: Haben Sie schon mal eine Feder gegessen?

Auch interessant: Falks Furiosum: Das Kassendilemma – eine Supermarktkolumne

Falls ja, sollten Sie das Erlebnis zügig aufschreiben und mit den richtigen Schlagwörtern versehen im Netz veröffentlichen, um den einschlägigen Search-Traffic abzugreifen. Erste Google-Recherchen legen nämlich nahe: Es gibt offenbar keine Informationen, wie eine Feder schmeckt.

Es ist aber immerhin ja noch theoretisch möglich, dass ein Schokoriegel nach Feder schmeckt. Ob er damit zum Kassenschlager würde? Nunja, siehe Google-Ergebnis: Wären Federn bekömmlich und wohlschmeckend, es wäre wahrscheinlich schon mal wem aufgefallen.

Das Steak war schön schwer

Immerhin haben Federn vergleichsweise wenig Masse, weswegen sie im Volksmund als leicht gelten. Federleicht ist also ein halbwegs stimmiger Vergleich, um physikalische Eigenschaften von Salatblättern zu beschreiben.

Zur Beschreibung von Geschmack taugt allerdings „federleicht“ ganz besonders deswegen nicht, weil Dinge nicht „leicht“ schmecken können.

Schlimme Entwicklung: Fällt der Frühschoppen einem Anglizismus zum Opfer?

Haben Sie etwa der Bedienung im Restaurant auf die obligatorische Frage, wie das Essen war, schon mal eröffnet: „Das Steak hat so richtig schön schwer geschmeckt“? Wahrscheinlich nicht.

Insofern dürften sie wohl auch kaum zur Einschätzung gelangen, irgendein Schokoriegel schmecke Ihnen federleicht.

Klar, man kann so eine Nascherei in die Hand nehmen, prüfend hin- und herwägen und zu dem Ergebnis kommen: „Mensch, das Ding fühlt sich ja federleicht an.“ Aber dass es federleicht schmeckt, auf die Idee kommt niemand. Außer halt findige Werbeleute.

Bei „nussig“ ist Vorsicht geboten

Weil es deren vorrangiges Interesse ist, mit ihren Sprachschöpfungen vor allem auf bestimmte Produkte hinzuweisen und damit im Gedächtnis zu bleiben, mag ihnen die nun nachgewiesene Schluderei verziehen werden. Sie ist ja auch kein Einzelfall.

Schon früher gab es schließlich Naschwaren, deren Geschmackserlebnis zum Beispiel mit „klein, rund und nussig“ beschrieben wurde. Wer aufmerksam die Austin Powers-Filme geschaut hat, weiß allerdings: spätestens bei „nussig“ ist Vorsicht geboten.

Wer der Sprache aufs Maul schaut, stellt fest: Sie schlägt kuriose Volten, ist verblüffend und skurril, mal entlarvend und mal ziemlich witzig. Grund genug also, sie in „Was mit Worten“ in den Fokus zu rücken.