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Wie Beziehungen gelingen

Überl(i)ebensnotwendig: Warum wir Nähe und Geborgenheit brauchen

Ohne Nähe und Geborgenheit ist alles nichts. Der Mensch verkümmert. Bedingungslose Liebe finden wir aber leichter beim Haustier als beim Menschen. Das sagen eine Paartherapeutin und eine Hundehalterin dazu.

Der Mensch braucht Nähe und Zuwendung – egal ob von einem anderen Menschen oder einem Haustier. Ein Leben ohne jede Liebe kann sogar krank machen. Foto: BNN

Der Liebe wurden schon viele Lieder gesungen. In romantischen Filmen erleben wir bedingungslose, manchmal hoffnungslose Romantik. Der Alltag ist nüchterner.

Was macht die Liebe, dieses wunderbare Gefühl, mit uns – und warum brauchen wir es wie die Luft zum Atmen? Und wie erhalten wir sie am Leben? Zum Valentinstag haben wir eine Paartherapeutin, zwei Liebende und eine Hundebesitzerin gefragt.

Der Mensch hat ein Grundbedürfnis nach Liebe und Geborgenheit. Dass körperliche und seelische Nähe überlebenswichtig ist, zeigen Experimente.

Es gibt ein Wort für das, was mit Menschen passiert, denen jede Zuwendung fehlt: das Kaspar-Hauser-Syndrom. Seelische Vernachlässigung schadet auch der Physis. Sie kann tödlich enden.

Tiere und Menschen lieben unterschiedlich

Wir wollen lieben und geliebt werden. In der Pandemie, in der wir gehalten sind, auf Abstand zu allen zu gehen, ist es schwieriger denn je, Nähe zu finden. Dass der Mensch aber diese tiefe Sehnsucht nach Bindung und Zärtlichkeit hat, zeigt sich in einer Zahl: 2020 wurden 20 Prozent mehr Haustiere gekauft als im Jahr zuvor.

Ich kann mir mein Leben gar nicht mehr ohne Hund vorstellen.
Nina, Hundebesitzerin aus Landau

Auf vier Pfoten schleicht sich die Liebe heran: Nina, langjährige Hundebesitzerin aus Landau, sagt über ihre Tiere: „Sie zeigen mir ihre Treue und lieben mich genau so, wie ich bin und aussehe. Auch wenn man alleine ist, hat man jemanden zum Reden. Und selbst wenn niemand antwortet, ist es schön zu wissen, dass da jemand für einen da ist.”

Sie ist sich sicher, dass ihre Hündin sie zurückliebt, „weil sie immer kommt, wenn ich sie rufe und oft auch von selbst. Ich kann mir mein Leben gar nicht mehr ohne Hund vorstellen.”

Bedingungslose Liebe gibt es in der Eltern-Kind-Beziehung, zwischen Erwachsenen gilt sie als Ideal.

Um bedingungsloser zu lieben, muss man versuchen, sich selbst anzunehmen und mit allen Schwächen zu lieben.
Nuschin Jarolin, Paartherapeutin aus Karlsruhe

Allerdings ist so eine Liebe ohne jede Erwartung an den Partner, ein Geben ohne den Anspruch des Nehmens, ziemlich selten, sagt die Karlsruher Paartherapeutin Nuschin Jarolin.

Sie nennt eine wichtige Voraussetzung, um in der Partnerschaft klarzukommen: „Um bedingungsloser zu lieben und über Unwägbarkeiten hinwegsehen zu können, muss man versuchen, sich selbst anzunehmen und mit allen Schwächen zu lieben.“

Bedingungslose Liebe ohne jede Erwartung an den Partner ist ziemlich selten, sagt die Karlsruher Paartherapeutin Nuschin Jarolin Foto: Nuschin Jarolin

Wer mit sich selbst achtsam umgeht, erkennt eigene Grenzen und kann ein tieferes Verständnis und Mitgefühl für den Partner entwickeln.

Vertrauen in der Beziehung ist entscheidend

Gesehen und wahrgenommen zu werden, ist das, was wir uns von der Liebe generell und in Beziehungen erhoffen. Am Anfang steht ein Vertrauensvorschuss: erst einmal mehr zu geben als zu nehmen.

Die Gefahr lauert da aber schon ums Eck: Ein dauerhaftes Ungleichgewicht tut nicht gut. Eine glückende Partnerschaft braucht Wertschätzung und Großzügigkeit – und eine Balance von Nähe und Distanz, Bindung und Autonomie.

Doris und Frank aus Landau sind seit über 25 Jahren verheiratet. „Vertrauen ist das A und O“, sagen sie. „Und Austausch. Die Meinung des anderen gelten zu lassen, auch wenn man selbst andere Ansichten hat. Toleranz und Respekt voreinander, auch wenn es manchmal schwerfällt.”

Liebe, erklärt die Paartherapeutin Jarolin, gibt uns ein „Geborgenheitsgefühl, das Selbstbewusstsein und Sicherheit vermittelt. Außerdem lassen uns Beziehungen, egal ob zur Partnerin, zum Kind oder Freunden, persönlich reifen.“

Um nicht emotional zu verkümmern, brauchen wir das schönste Gefühl der Welt. Egal wen oder was: Liebe muss sein.

Die Liebe – ein Thema mit unzähligen Variationen

Rechtzeitig zum Valentinstag haben sich Studierende für uns mit der schönsten Sache der Welt beschäftigt.

Sie sprachen mit Menschen, die sich in Gegenstände verliebt haben, mit Zugezogenen, die sich über das deutsche Paar(ungs)verhalten wundern. Sie fanden heraus, wie sich Eheglück berechnen lässt und welche mathematische Formel uns glücklich macht. Und sie fragten: Können Frauen und Männer wirklich „nur Freunde“ sein?

Die Studierenden sind Mitglieder einer Lehrredaktion der Uni Passau im Wintersemester 2020/21. Claudia Bockholt, stellvertretende Chefredakteurin der BNN, lehrt dort seit 2016 praktischen Journalismus.

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