Blutproben im Raum Rastatt haben ergeben: Viele Bürger haben erhöhte PFC-Werte.
PFC ist die Abkürzung für per- und polyfluorierte Chemikalien. | Foto: Imago Images

Eine Chemikaliengruppe erklärt

Was PFC überhaupt sind – und warum sie so problematisch sind

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PFC ist die Abkürzung für per- und polyfluorierte Chemikalien. Davon gibt es mehr als 5000 Arten mit unterschiedlichen Anwendungsgebieten. Diese Einzelverbindungen heißen zum Beispiel PFOA, PFOS, PFPA, PFBA oder PFHxA.

Die Chemikalien wurden in den 1940er Jahren entwickelt und werden vor allem wegen ihrer wasser-, schmutz- und fettabweisenden Eigenschaften geschätzt. Später wurden aber gesundheitliche Bedenken laut: Die Chemikalien gelangen leicht in den menschlichen Körper und bleiben dort sehr lange, weil sie sich – genau wie in der Umwelt – nicht von selbst zersetzen. Erst seit einigen Jahren wird der Einsatz mancher PFC daher gesetzlich reguliert.

Hochgefährlicher Schadstoff?

Denn wahrscheinlich hat der Stoff negative Auswirkungen auf den menschlichen Organismus. Er steht beispielsweise im Verdacht, Krebs zu verursachen oder Fehlbildungen bei Säuglingen. Im Bereich der Möhnetalsperre im Sauerland wurden 2006 größere PFC-Belastungen publik.

Wissenschaftler stellten später in Studien fest, dass bei Jugendlichen in der Region die Pubertät teils später einsetzte. Sie sahen einen Zusammenhang zu den Schadstoffen.

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„Tatsächlich bringen PFC eigentlich alles mit, was sie zu hochgefährlichen Schadstoffen macht: Sie sind mobil, auswaschbar, reichern sich in Pflanzen und Böden an und sind wahrscheinlich kanzerogen“, erklärt ein ehemaliger Mitarbeiter des Bundesumweltamtes, der lieber anonym bleiben möchte.

Flächen, die bei Beprobungen eine Quotientensumme größer als 1 aufweisen, gelten als PFC-belastet. Weil aber nur anlassbezogen untersucht wird, ist nicht auszuschließen, dass noch weitere belastete Flächen entdeckt werden.
Flächen, die bei Beprobungen eine Quotientensumme größer als 1 aufweisen, gelten als PFC-belastet. Weil aber nur anlassbezogen untersucht wird, ist nicht auszuschließen, dass noch weitere belastete Flächen entdeckt werden. | Foto: LRA Rastatt

Ein weiteres Problem in Zusammenhang mit den PFC: Die Wissenschaft ist bei deren Erforschung noch ziemlich am Anfang. „Es gibt bislang noch gar keine verlässlichen Messverfahren und keine seriösen Grenzwerte etwa für Nahrungsmittel oder Blutbelastungen“, erklärt der Fachmann.

Mehr zum Thema: In welchen Gegenständen oft PFC enthalten sind

So sollen die PFC auf die Äcker gelangt sein

PFC werden – oder wurden – unter anderem in vielen Papierfabriken verwendet, um Hochglanzflyer und andere Spezialpapiere herzustellen. In der Region Mittelbaden gibt es zahlreiche Papierfabriken, von denen einige auch PFC verarbeitet haben sollen.

Bei der Papierherstellung fallen Abfallstoffe an, darunter Holzschliff, kleine Papierfasern und Papierschlämme. Solche Abfälle hat ein Komposthändler aus Bühl den Papierfabriken jahrelang abgenommen und dafür viel Geld kassiert. Die Behörden glauben, dass diese Papierfasern mit PFC belastet waren.

Der Händler rührte sie unter seinen Kompost und verteilte die Mischung kostenlos an Landwirte in der Region. So sollen die Chemikalien auf etliche Äcker gelangt sein. Das bemerkte man aber erst, als sie längst durch den Boden ins Grundwasser gesickert waren – und in den Wasserwerken der Trinkwasserversorger wieder auftauchten.

PFC: Das Gift in uns
Die Geschichte des größten Umweltskandals Deutschlands – mit seinen Hintergründen, gesundheitlichen Risiken, juristischen Folgen und persönlichen Schicksalen – erzählt dieses multimediale BNN-Dossier. Alle Artikel gibt es auch einzeln auf bnn.de.