Bislang gibt es keine gesetzliche Regelung, nach der Vorstände von Unternehmen zwingend gemäß einer Quote besetzt werden müssten.

Pro & Kontra

Brauchen wir eine Frauenquote für Unternehmens-Vorstände?

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Die Zahlen sind ernüchternd: Nicht einmal jedes siebte Vorstandsmitglied der eingetragenen DAX-Unternehmen ist eine Frau. Nur zehn Prozent der Firmen setzen auf mehr als einen weiblichen Vorstand, 23 Prozent in ihrem Führungsgremium dagegen ausschließlich auf Männer.

Das weibliche Geschlecht ist damit in den Chefetagen ähnlich unterrepräsentiert wie in der Kommunalpolitik und unter den Amtsleitern in den Rathäusern. Doch was tun, um die Position von Frauen in der Wirtschaft zu stärken? Kann eine gesetzliche Quote ihre Situation verbessern? Die BNN-Redakteure Julia Weller und Dominic Körner sind sich uneins.

 

Pro (Julia Weller): „Ohne Zwang ziehen sich Unternehmen aus ihrer Verantwortung.“

Seit 100 Jahren dürfen Frauen in Deutschland wählen. Seit mehr als 100 Jahren sind sie dennoch nicht gleichberechtigt vertreten – in der Politik nicht, aber in der Wirtschaft erst recht nicht. Für die Aufsichtsräte der größten Unternehmen gilt seit einigen Jahren eine gesetzliche 30-Prozent-Quote, die den Frauenanteil bereits deutlich erhöht hat. Doch das reicht nicht: Für Vorstände und in den Aufsichtsräten aller anderen Unternehmen gibt es höchstens freiwillige Quoten – wobei die Zielgröße nicht selten bei Null Prozent liegt. Ohne Zwang ziehen sich Firmen aus ihrer Verantwortung.

Laut Deutschlandfunk kamen 2017 auf 630 Männer in den Vorständen der größten börsennotierten Unternehmen nur 47 Frauen. Immer noch lassen sich viele Arbeitgeber bei der Besetzung von Spitzenämtern davon abschrecken, dass Frauen menstruationsbedingt einige Tage im Jahr oder schwangerschaftsbedingt gar für Jahre ausfallen könnten. Wir haben uns an das Klischee der Praktikantin, der Sekretärin und der weiblichen Putzkraft gewöhnt und bewundern Frauen in Führungspositionen als Ausnahmefiguren.

Damit muss Schluss sein. Eine gesetzliche Pflichtquote für Vorstände größerer Unternehmen könnte Frauen in der Wirtschaft endlich mehr Selbstverständlichkeit verschaffen. Wo sie wichtige Positionen innehaben, verändern sie das Arbeitsumfeld und ermutigen andere Frauen. Irgendwann könnte aus der politischen Pflicht somit eine gesellschaftliche Grundannahme werden. Junge Mädchen müssen von Anfang an sehen, dass es Pilotinnen und Chefärztinnen gibt und sie alles werden können – nicht nur Flugbegleiterin oder Krankenschwester.

 

Kontra (Dominic Körner): „Die Quote ist für beide Geschlechter diskriminierend.“

Eines vorweg: In den meisten Vorständen dominiert das Testosteron – und das ist bedauerlich. Frauen sind ein Gewinn für die Wirtschaft, weil sie anders denken, führen und entscheiden als Männer. Ihre Unterrepräsentation in den Chefetagen beantworten vermeintlich Progressive reflexartig mit Rufen nach einer Frauenquote, wie sie in den Aufsichtsräten bereits umgesetzt wird.

Dabei ist das Problem zu vielschichtig, als dass man es beheben könnte, indem man Unternehmen in ein starres Korsett zwängt. Zumal eine Quote jene diskriminierte, denen sie zur Gleichberechtigung verhelfen soll. Weibliche Führungskräfte stünden fortwährend im Verdacht, ihren Posten qua Gesetz geschenkt bekommen statt durch ihre Eignung verdient zu haben. Kompetente männliche Bewerber gingen zum Zweck der Quotenerfüllung im Zweifel leer aus. In Zeiten der zwanghaften Gleichmacherei sollte wenigstens ein Grundsatz Bestand haben: Es zählt die Leistung, nicht das Geschlecht.

Der eigentlichen Problematik, das belegen Untersuchungen, lässt sich mit einer Quote ohnehin nicht begegnen. Auch gut ausgebildete Frauen schrecken vielfach vor der Verantwortung einer Führungskraft zurück. Hinzu kommt: Eine Doppelrolle als Mutter und Chefin ist für sie oft nicht vorstellbar. Fehlt es ihnen also an Selbstbewusstsein? Liegt das Zweifeln etwa in der Natur der Frau? Wohl kaum. Auch 2019 mangelt es noch immer an familienfreundlichen Strukturen: Kinderbetreuung, flexible Arbeitszeiten, Home Office. Sie müssen geschaffen werden, um das Potenzial kluger Frauen nicht ungenutzt zu lassen – ohne Quote.

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