Pro & Kontra

Dürfen Schüler schwänzen, um früher in die Ferien zu gehen?

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Zum Start der Sommerferien gibt es jedes Jahr das gleiche Bild an den deutschen Flughäfen: Schon vor Ferienbeginn fliegen zahlreiche Familien in den Urlaub, noch ehe die Ferien begonnen haben und schwänzen ein paar Schultage. Und warum? Um ein paar Euro zu sparen und leere Strände vorzufinden. Die Redakteure Tanja Rastätter und Daniel Stahl haben unterschiedliche Meinungen zu diesem Phänomen.

Pro (Tanja Rastätter): „Die Schüler schlagen die Zeit sowieso nur mit Projekttagen tot.“

Was treibt die Familien zum Schwänzen der Schule? Vor allem ein Grund: Das Verreisen in den Sommerferien ist zu teuer. Viele Familien können sich keinen Urlaub mehr leisten. Startet man einen oder zwei Tage früher in die Ferien, ist die Reise oft um einige hundert Euro günstiger und der Urlaub wieder für mehr Menschen erschwinglich.

Die Auswirkungen für die Kinder sind gering: Sie verpassen in der Schule nichts. Die letzten Tage vor den Ferien wird ohnehin nichts Vernünftiges mehr gemacht. Die Schüler schauen Filme, gehen spazieren, Eis essen oder schlagen die Zeit mit Projekttagen tot. Die Zeugnisse sind längst geschrieben, Lerninhalte werden keine mehr vermittelt.

Außerdem können Familien durch die individuelle Anpassung der Ferien gemeinsam mit befreundeten Kindern und Familien aus anderen Bundesländern verreisen. Darüber hinaus machen die Eltern noch eine gute Tat: Staus auf den Autobahnen und Schlangen an den Flughafenschaltern werden durch den früheren Ferienbeginn vermieden. Und die Urlauber erleben endlich einen leeren Strand.

Wenn man das Schwänzen nicht übertreibt und vor jeden Ferien macht, ist es okay. Gemäß der Devise: Einmal ist kein Mal. Denn es dreht sich nur um ein, zwei Tage und nicht um eine ganze Woche.

Im benachbarten Ausland gibt es dafür eine einfache Lösung: In der Schweiz können Eltern einen „Joker“ ziehen und zwei freie Tage pro Schuljahr frei einsetzen – ganz ohne Begründung. In manchen Regionen auch mehr Tage. Beantragt wird der freie Tag einen Monat früher, den Schulstoff holen die Kinder nach.

Ein anderer Aspekt sind die Kosten für die Verfolgung der Schulschwänzer und den Einsatz der Polizeikräfte. Die Polizei hat mit Sicherheit mehr, als genug zu tun. Sie sollte lieber richtige Verbrecher jagen anstatt Schulschwänzer.

Daniel Stahl Kontra

„Hallo Chef, ich komme am Tag vor meinem Urlaub nicht mehr ins Büro, ich fahre lieber schon früher in den Urlaub.“ Wäre das nicht schön?

Warum machen wir das nicht alle so? Weil es Regeln gibt. Und eine davon lautet: Für Kinder besteht Schulpflicht. Das ist nun mal so.

Aber hier geht es sowieso weniger um die Kinder – eher um die Erziehungsberechtigten. Die sollten für ihre Kinder Vorbilder sein. Stattdessen unterstützen sie das Schwänzen für den Frühstart in den Urlaub. Am besten noch mit einer fadenscheinigen Ausrede. An keinem anderen Tag gibt es vermutlich so viele erfundene Trauerfälle in der Familie wie am Tag vor den Ferien.

Die Botschaft der Eltern an ihre Kinder lautet: Schule ist nicht so wichtig. Kein Wunder, wenn Kinder ihre Lehrer oder ihre Hausaufgaben auch nicht mehr so ernst nehmen. Oder die Kinder verstehen gleich: Gesetze und Regeln des Zusammenlebens sind nicht so wichtig. Warum noch an roten Ampeln halten? Warum noch auf Anweisungen der Polizei achten?

Sicher, es ist unangenehm, dass Urlaub in den Schulferien teurer ist als in der Nebensaison. Das belastet ausgerechnet Familien mit Kindern zusätzlich. Aber ums Geld kann es nicht wirklich gehen, wenn Eltern ihre Kinder zum Schwänzen nötigen. Wer sich zwei Wochen Urlaub auf Kos leisten kann, muss wegen 200 Euro Ersparnis am Tag vor den Ferien auch nicht knausern. Wer tatsächlich Geldsorgen hat, bucht meistens gar keinen Ferienflug – egal ob in der Neben- oder der Hauptsaison.

Wer beim vorsätzlichen Urlaubs-Schwänzen erwischt wird, bezahlt dann sogar mehr Strafgeld als er am Urlaub gespart hat.