Ein Eintrittsgeld für Venedig: notwendig für die Lagunenstadt oder reine Abzocke? Die BNN-Redakteurinnen Julia Falk und Tanja Rastätter sind unterschiedlicher Meinung. | Foto: BNN

Pro & Kontra

Eintritt zahlen für Venedig: Notwendig für die Lagunenstadt oder reine Abzocke?

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Ab Mai kostet der Besuch in Venedig Geld: Tagestouristen sollen in diesem Jahr zunächst mit drei Euro zur Kasse gebeten werden, ab 2020 dann mit sechs Euro. Laut Bürgermeister Luigi Brugnano wolle man sich damit nicht bereichern, sondern die Instandhaltung der historischen Stadt finanzieren.

Ein Eintrittsgeld für Venedig: notwendig für die Lagunenstadt oder reine Abzocke? Die BNN-Redakteurinnen Julia Falk und Tanja Rastätter sind unterschiedlicher Meinung.

Pro (Julia Falk): „Die Stadt ist in der Hand der Touristen aus aller Welt – und sie leidet darunter.“

Ein Eintrittsgeld für Venedig wird allerhöchste Zeit. Jahr für Jahr wälzen sich rund 30 Millionen Besucher durch die Lagunenstadt. Jeder dritte Mensch, der sich dort aufhält, ist ein Tourist. In den vergangenen 50 Jahren ist die venezianische Bevölkerung um die Hälfte geschrumpft. Die Stadt ist in der Hand der Touristen aus aller Welt – und sie leidet darunter.

Gigantische Kreuzfahrtschiffe schwemmen Tausende Besucher auf einmal nach Venedig. Hotels, Bed & Breakfasts und Touristenwohnungen nehmen immer weiter zu. Sogar extremes Hochwasser im November 2018 – das sogenannte Acqua alta – hielt die Menschen nicht davon ab, nach Venedig zu reisen. Der Markus-Platz stand teils meterhoch unter Wasser – und in überschwemmten Restaurants wurden fröhlich weiter Pizza und Pasta den Touristen serviert.

Höchste Zeit, dass die zahlreichen Reisenden, die Venedig durch ihren Besuch eben doch – größtenteils ungewollt – Schaden zufügen, einen kleinen Beitrag zum Erhalt der ehemals bedeutenden italienischen Handelsstadt leisten. Drei Euro in diesem Jahr und sechs Euro ab dem kommenden Jahr sind nicht zu viel verlangt und machen den Kohl der eh schon kostspieligen Urlaubsfahrt nach Venezia nicht fett.

Das Eintrittsgeld leistet einen Beitrag dazu, dass Venedig seine Schönheit erhält – und somit den Grund, weswegen die vielen Touristen überhaupt dorthin reisen. Die Gelder helfen also nicht nur den Venezianern, sondern auch den eigenen Kindern und Enkelkindern, die in ein paar Jahren auch noch in den Genuss einer Reise in die Lagunenstadt kommen möchten.

Pro (Tanja Rastätter): „Venedig ist eine Stadt, ein öffentlicher Raum, und kein Museum.“

Kostet jetzt alles etwas? Essen und Getränke sind rund um den Markusplatz im schönen Venedig ohnehin extrem teuer. Und dann noch diese weitere Gebühr. Venedig ist eine italienische Stadt, ein öffentlicher Raum, und kein Museum oder Fußballstadion.

Drei Euro pro Tag in diesem Jahr und sechs Euro in 2020 – das reicht nicht aus, um Urlauber daran zu hindern, in die beliebte Lagunenstadt zu reisen. Es ist noch zu wenig Geld, um Touristen davon abzuhalten, sagt auch Professor Jürgen Schmude, Experte für nachhaltigen Tourismus an der Ludwig-Maximilians-Universität in München.

Der Strom an Tagestouristen kann so nicht reguliert werden und es werden dadurch nicht weniger Reisende kommen, die Venedig sehen und erleben möchten. Bei anderen Destinationen wie Capri und Ischia hat das nur bedingt geklappt. Dort sind die Zahlen minimal zurückgegangen. Vielmehr besteht die Gefahr, dass die Besucher mehr randalieren und beispielsweise Steine mitnehmen, weil sie meinen, dafür bezahlt zu haben. Sinnvoller wäre eine Tagesgebühr für Gäste, die mit dem Kreuzfahrtschiff anreisen, was ebenfalls angedacht ist. Amsterdam kassiert seit Januar zum Beispiel acht Euro pro Person und Tag.

Das Ganze ist voraussichtlich vielmehr eine Marketingaktion des Bürgermeisters, um im Gespräch zu sein. Die Stadt darf auch eines nicht vergessen: Touristen bringen Umsatz und Geld in die Kasse. Viele andere große und kleine Städte freuen sich über solch ein Interesse an ihrer Stadt.