Nützliches Netzwerk oder unpersönliche Datenkrake? Facebook polarisiert - auch innerhalb der BNN-Redaktion. | Foto: dpa

Pro & Kontra

Facebook: Fluch oder Segen?

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An Facebook scheiden sich die Geister: Für die einen verbindet das soziale Netzwerk Menschen weltweit miteinander. Andere halten es für einen unpersönlichen Datenkraken, der einer Klientel eine Plattform bietet, von der man besser gar nichts wissen will. Während viele junge Menschen längst zu anderen Netzwerken wie Instagram oder Snapchat abgewandert sind, ist Facebook auch 15 Jahre nach seiner Geburtsstunde mit mehr als zwei Milliarden Nutzern noch immer die Nummer 1 am Markt. BNN-Redakteur Thomas Dorscheid lehnt es dennoch ab – im Gegensatz zu seinem Kollegen Dominic Körner.

Pro (Dominic Körner): „Der Nutzer selbst entscheidet“

Facebook ist oberflächlich, unpersönlich und giert nach den Daten seiner Nutzer – sagen Gegner. Dabei stand hinter der Geburt des blauen Riesen eine visionäre Idee: Menschen weltweit und unkompliziert zu vernetzen. Globalisierung und Digitalisierung haben die Gesellschaft verändert. Sie haben Freunde und Familien zerstreut, die bislang ein ganzes Leben im selben Dorf wohnten. Facebook bietet ihnen eine kostenlose Plattform, miteinander in Kontakt zu bleiben.

Kein Zwang

Sein Medienverhalten steuert letztlich der Nutzer selbst. Er bestimmt, wer seine Inhalte sieht und welche er konsumiert. Mit Inbrunst schwingen Kritiker die Datenschutz-Keule, und ja, das zeigen Verfehlungen der Vergangenheit, Verbraucherschützer sollten Facebook genau auf die Finger schauen. Gleichwohl wird niemand zur Anmeldung gezwungen. Die Veröffentlichung persönlicher Informationen ist freiwillig.

Vielfältige Vorzüge

Leider trübt die Debatte um den Datenmissbrauch den Blick auf die Vorzüge sozialer Netzwerke, derer sich viele bereitwillig bedienen. Auf Facebook lassen sich Spendenaktionen ankurbeln, Warnhinweise verbreiten und Fahndungen beschleunigen. Journalisten erleichtern soziale Netzwerke, wenn sie ihnen mit der gebotenen kritischen Distanz begegnen, die Recherche. Gewiss können Facebook und Co keinen persönlichen Kontakt zwischen zwei Menschen ersetzen. Sollen sie auch nicht. Und wer in Gesellschaft pausenlos am Smartphone nach Likes und Kommentaren fischt, dessen Sozialverhalten war vermutlich schon vor Facebook zweifelhaft. Schließlich gilt auch beim Netzkonsum: Alles in Maßen.

Kontra (Thomas Dorscheid): „Abfall in den Kopf gefüllt“

Facebook stellt keine eigenen Beiträge her, sondern verbreitet diese und will auch keinerlei redaktionelle Verantwortung übernehmen – im Gegensatz zu Presse, Funk und Fernsehen, die für ihre Veröffentlichungen einstehen: Artikel fünf des Grundgesetzes, in dem die Meinungs- und Pressefreiheit niedergeschrieben ist, stößt an Schranken, die von der übergroßen Mehrheit verantwortungsbewusster Journalisten beachtet werden.

Hetze und Verschwörung

Nicht so bei Facebook. Hier darf jeder mal ’was raushauen, so wie er es gerade möchte. Wird dort, wie geschehen, in den Raum gestellt, im Gaggenauer Wald sei ein Bär unterwegs, so mag das noch lustig sein (diese „Nachricht“ hat beim zuständigen Forstbeamten einen Lachanfall ausgelöst). Nicht mehr lustig ist es, wenn auf Facebook gegen Einzelne oder Gruppen gehetzt oder gar zur Verfolgung aufgefordert wird und Mitläufer sich undifferenziert anschließen. Oder wenn Verschwörungstheoretiker eine willkommene Plattform für ihre abstrusen Thesen finden.

Demütigungen im Netz

Gerüchte, Mobbing, sexuelle Entgleisungen, Gewalt, Hassreden, Kindes- und Tierquälerei – jede Form von Demütigung findet bei Facebook ein Plätzchen. Aber es gibt doch von Facebook beauftragte Korrektoren („Moderatoren“ genannt), mag man einwenden. Die Realität: Schon nach kurzer Zeit benötigen viele Korrektoren psychologische Hilfe: „Es hat sich angefühlt, als würde mir Abfall in den Kopf gefüllt“, wurde jüngst in einem Rundfunkbeitrag ein Betroffener zitiert. Dort wurde auch gesagt, dass auf 147 000 Nutzer ein einziger „Überarbeiter“ kommt.