Sollten Fahrtauglichkeitstests für Senioren eingeführt werden - ja oder nein?
Sollten Fahrtauglichkeitstests für Senioren eingeführt werden - ja oder nein? | Foto: dpa

Pro & Kontra

Fahrtauglichkeitstests für Senioren?

Anzeige

Wenn älteren Menschen Unfälle verursachen, kommt die Debatte um Fahrtauglichkeitstests für Senioren auf. Seitdem Prinz Philipp mit 97 Jahren einen schlimmen Verkehrsunfall verursacht und seinen Führerschein freiwillig abgegeben hat, ist die Diskussion erneut entfacht. Die BNN-Redakteurinnen Christina Fischer und Tanja Rastätter haben in Bezug auf die Einführung dieser Tests ganz unterschiedliche Meinungen.

Pro (Christina Fischer)

Die Fakten sollten eigentlich für sich sprechen: Drei Viertel aller Unfälle, in die Fahrer ab 75 Jahren verwickelt sind, werden von ihnen auch verursacht. Das haben Studien bereits belegt. Warum sich diese Erkenntnisse nicht in einer gesetzlichen Regelung, wie beispielsweise Fahrtauglichkeitstests für Senioren, widerspiegeln, ist vollkommen unverständlich.

Zumal der zeitlich unbegrenzt gültige Führerschein in Europa ohnehin die Ausnahme ist. In Dänemark, Italien und der Schweiz ist es längst gelebte Praxis, dass ältere Verkehrsteilnehmer ihre Fahrtüchtigkeit regelmäßig medizinisch untersuchen lassen. Kurios: Freie Fahrt bis ins hohe Alter haben auch in Deutschland nur die Pkw-Fahrer. Wer einen Lkw steuert, muss regelmäßig bei einem Arzt zur Fahrtauglichkeitsprüfung vorstellig werden. Und das sogar unabhängig vom Alter. Warum sollte für Pkw-Fahrer etwas anderes gelten?

Wer Prüfungen für Ältere auf freiwilliger Basis für einen guten Ansatz hält, ist bestenfalls idealistisch, viel wahrscheinlicher jedoch naiv. Diejenigen Autofahrer, die zur Selbstüberschätzung neigen, werden sich kaum freiwillig einem solchen Test unterziehen – vor allem dann nicht, wenn danach schlimmstenfalls der Lappen weg ist.

Eine Überprüfung der Fahrtauglichkeit schadet niemandem, kann aber Leben retten. Nicht zuletzt das der Senioren selbst. Dies sollte schwerer wiegen als der eventuell verletzte Stolz der Verkehrsteilnehmer.

Kontra (Tanja Rastätter)

Ob jemand fahrtauglich ist oder nicht, hat nichts mit dem Alter zu tun, sondern mit seinem Gesundheitszustand sowie der Routine beim Fahren. Diese Meinung teilt auch der ADAC.

Mit der Erfahrung und der Fahrpraxis zählen ältere Autofahrer oft zu den zuverlässigeren und sicheren Fahrern. Sie fahren vorausschauend, meiden riskante Fahrmanöver und haben das Abstandsverhalten über die Jahre hin vergrößert. Mit einem derart zurückhaltenden und selbstkritischen Fahrstil können altersbedingte Leistungseinbußen häufig gut kompensiert werden.

Übrigens: Laut dem ADAC verursachten Senioren im Jahr 2017 nur 16 Prozent der Unfälle mit Personenschaden.

In Ländern wie Griechenland, Schweiz oder Italien gibt es Pflichttests – weniger Unfälle passieren deswegen nicht. Stattdessen könnte ein Check auf freiwilliger Basis angeboten werden. Umstritten ist jedoch, wie aussagefähig dieser wäre, da dabei keine reale Situation abgebildet wird.

Nicht zu vergessen: Senioren bietet das Auto ein Stück Selbstständigkeit. So sind sie mobil und können weiterhin soziale Kontakte pflegen.

Zudem muss eine weitere Frage geklärt werden: Ab wann gilt ein Mensch als alt – mit 50, 60 oder 70 Jahren? Und ab wann sollte die Prüfung gemacht werden? Ein anderer Aspekt ist die Häufigkeit der Tests: Wie oft sollte dieser wiederholt werden? Und was kostet er?