"Fridays for Future"
"Fridays for Future" | Foto: Raviol

Pro & Kontra

„Fridays for Future“: Ehrliches Engagement oder plumper Vorwand?

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Auch am kommenden Freitag werden sie wieder in vielen Städten in Deutschland und weltweit stattfinden: die “Fridays for Future“-Streiks von Schülern für mehr Klimaschutz. Dann schwänzen Tausende junge Menschen die Schule und gehen auf die Straße, um zu demonstrieren. Für den 29. März hat sich für Berlin ein sehr prominenter Gast angekündigt, denn die schwedische Aktivistin Greta Thunberg will an der Kundgebung dort teilnehmen.

„Fridays for Future“: ehrliches Engagement oder ein Vorwand, um Schule zu schwänzen? Diesbezüglich sind die BNN-Redakteure Christina Fischer und Julius Sandmann nicht einer Meinung.

Pro (Julius Sandmann): „Viele Erwachsene sollten von ihrem hohen moralischen Ross herabsteigen.“

Jeder kennt sie, die Vorurteile über die jüngere Generation: „Die interessieren sich nicht für Politik, sondern nur für sich selbst. Außerdem engagieren sie sich nicht.“ Doch. Schüler interessieren sich für Politik und engagieren sich – freitags, weltweit, zu Hunderttausenden, für mehr Klimaschutz.

Aber zur Schulzeit. Und das geht vielen Menschen gegen den Strich. Das moralische, vernichtende Urteil ist schnell gefällt: „Würden die Demonstrationen am Samstag stattfinden, wären nicht so viele Schüler da.“ Dass die Proteste länger als die Schule dauern: wird nicht berücksichtigt. Dass auch Streiks von Gewerkschaften nicht samstags stattfinden: wird übersehen.

Stattdessen: „Die jungen Leute sollten weniger an ihrem Smartphone hängen und weniger reisen. Damit würden sie dem Klima helfen.“ Protestieren für eine Sache dürfen ergo nur Menschen, die sich stets tadellos verhalten (haben).

Man muss sich angesichts dieser negativen Reaktionen mal in einen Schüler hineinversetzen: „Jahrelang wird mir vorgehalten, dass ich mich nicht für etwas einsetze. Jetzt setze ich mich ein, aber in den Augen vieler Menschen völlig unangebracht.“

Diese Fundamentalkritik hat das Zeug dazu, die Jugend gänzlich politikverdrossen zu machen. Viele Erwachsene – auch aus der Politik – sollten von ihrem hohen moralischen Ross herabsteigen und das Potenzial dieser Bewegung sehen.

Unterstützen statt unterdrücken. Verbessern statt verdammen. Einmal daran denken, was Jesus wohl dazu sagen würde: „Wer unter euch Kritikern ohne klimatische Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie, die protestierenden Schüler.“

Kontra (Christina Fischer): „Eine Doppelstunde Mathe oder lieber fürs Klima demonstrieren? Da fällt die Entscheidung leicht.“

Foto: BNN

Eine Doppelstunde Mathe oder lieber fürs Klima demonstrieren? Da dürfte die Entscheidung leichtfallen: Die Demo ist der wohl angenehmere Zeitvertreib für einen Freitagvormittag. Natürlich steht außer Frage, dass Klimaschutz wichtig und das Engagement für denselben löblich ist.

Aber ganz abgesehen davon, dass Schüler kein Streikrecht haben und es in Deutschland nebenbei auch die Schulpflicht gibt, drängt sich die Frage auf: Würden auch dann noch 300.000 Schüler für den Klimaschutz auf die Straße gehen, wenn die Demo an einem Samstag stattfände? Dem Klima dürfte es ziemlich egal sein, an welchem Wochentag es gerettet wird. Manchen Schülern aber wohl nicht: Nämlich denen, die während der Fridays for Future-Demo in einschlägigen Fastfood-Läden snacken, einen Chai Latte to go aus Plastikbechern schlürfen und mit ihren unter zweifelhaften Bedingungen hergestellten Smartphones Selfies posten, um ihre Instagram-Follower zu unterhalten.

Sicherlich mögen auch Schüler mit hehren Absichten bei den Fridays for Future demonstrieren. Doch solange die Demos mit vermeintlich langweiligem Unterricht konkurrieren, werden sich auch weiterhin bloße Schulschwänzer unter die Demonstrierenden mischen. Und das bringt die gesamte Aktion in Misskredit.

Nebenbei: Auch das Recht auf Bildung ist ein wichtiges Gut für die Schüler und weltweit alles andere als selbstverständlich. Die Schule zu bestreiken und sich selbst um die eigene Bildung zu bringen, schadet den streikenden Schülern wahrscheinlich mehr, als dass es die Politik beeindruckt. Auch dem Klimaschutz würde der Verzicht auf beispielsweise Plastik oder Produkte aus nicht nachhaltiger Herstellung besser dienen.