Ein Pool ohne Kinder, die vom Beckenrand springen. Traumvorstellung oder Diskriminierung?
Ein Pool ohne Kinder, die vom Beckenrand springen. Traumvorstellung oder Diskriminierung? | Foto: BNN

Pro & Kontra

Hotels für Erwachsene: Dürfen Kinder ausgesperrt werden?

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Urlaubswillige haben die Qual der Wahl: Wohin soll die Reise gehen? Was darf es kosten? Und vor allem, welche Kriterien muss die Unterkunft erfüllen? Immer mehr Hotels werben mit dem Slogan „Nur für Erwachsene“. Familien mit Kindern unter 18 Jahren, für die jetzt die Sommerferien anstehen, sind nicht erwünscht. Doch ist das akzeptabel oder wird die Gesellschaft immer familien- und vor allem kinderfeindlicher?

Redaktionsmitglied Tanja Starck glaubt, dass der gesetzte Fokus „zum Wohl des reisenden Individuums“ ist, ihre Kollegin Christina Fischer ist hingegen der Meinung, dass Hotels nur für Erwachsene schlicht diskriminierend sind.

Pro Tanja Starck: „Familien sollten froh sein, dass es diese Hotels gibt“

Die bessere Frage wäre, warum sollte es solche Hotels nicht geben? Mit diesen Angeboten bekommt jede Zielgruppe, was sie sich wünscht. Eltern werden in Familienhotels fündig und Kinderlose in den Erwachsenenhotels.

Die Splittung ist genau genommen viel zu harmlos. Würde so mancher Urlaub doch noch schöner, wenn auch Hobbys und Lebenssituationen vom Hotel berücksichtigt würden. Wo sind die Hotels für Singles, die sich eine zweite Ehe wünschen? Wo die Hotels für Fotografen und Instagrammer? Und warum stört sich niemand an Wellnesshotels, Wanderunterkünften oder nachhaltigen Ressorts? Auch dort fokussiert man sich auf eine bestimmte Zielgruppe. Zum Wohl des reisenden Individuums und mit Erfolg für die Anbieter.

Familien sollten froh sein, dass es Hotels nur für Erwachsene gibt.

Ein guter Teil jener Reisenden, die sich sonst am Pool oder im Restaurant in die Kindererziehung mit wohlmeinenden Sätzen wie „Nicht über fremde Handtücher rennen“, „Nicht vom Beckenrand springen“ oder „Essen nimmt man nicht mit der Hand“ einmischen, buchen mit etwas Glück in einem solchen Hotel ohne Kinder. So haben Eltern nur an der eigenen Kindererziehungsfront zu kämpfen und nicht zusätzliche Diskussionen mit Miterziehern.

Nicht zu vergessen, dass kinderfreie Hotels Eltern ebenfalls die Chance bieten, zur Ruhe zu kommen. Inklusive der Garantie, dass keine fremden Kinder nerven. Einfach den eigenen Nachwuchs in die Betreuung etwa bei Opa und Oma geben, zum Hotel fahren und genießen.

Außerdem kommt die Aussage, dass Urlaub mit Kindern nicht dieselbe Erholung bringe, sowieso meist von Eltern.

Kontra Christina Fischer: „Was hier passiert, ist Diskriminierung allererster Güte. „

Foto: BNN

Es gibt vieles, was Menschen in Hotels stören kann. Das Gerangel am kalt-warmen All-Inclusive-Buffet, die Handtuch-Schlacht um die besten Liegen am Pool, lärmende Betrunkene an der Poolbar oder aufgekratzte Animateure, die einen unablässig dazu drängen, sich doch endlich der Wassergymnastik-Gruppe anzuschließen. Klar, ab und an stören auch mal Kinder. Aber eben nicht ständig. Und auch nicht jedes Kind ist ein schrill schreiender Quälgeist, der nur danach trachtet, arglose Erwachsene zu belästigen.

Warum es an irgendeiner Stelle der menschlichen Entwicklung als erstrebenswert galt, Hotels zu bauen, in denen Kinder verboten sind, kann einem vor diesem Hintergrund zumindest etwas fragwürdig vorkommen. Zudem werben die „Erwachsenen-Hotels“ häufig mit besonders entspannender Atmosphäre, hochkarätigen Weinkarten und einem luxuriösen Spa-Angebot. Als ob der Wunsch nach Entspannung, Wellness und Wein allein kinderlosen Menschen vorbehalten wäre. Als ob Menschen mit Kindern sich absichtlich und endgültig für ein Leben ohne Entspannung, Wellness und höchstens mit Billig-Wein aus dem Discounter entschieden hätten und daher rechtmäßig von den Kinderlosen ausgesondert werden dürften. Als ob sie sich durch das Kinderkriegen für Entspannung, Luxus und Genuss automatisch disqualifiziert hätten. Auf den Punkt: Was hier passiert, ist Diskriminierung allererster Güte.

Außerdem: Wenn es einen gemeinsamen Nenner aller Menschen gibt, dann ist es doch sicher die Tatsache, dass jeder einmal ein Kind war. Auch wenn manche Zeitgenossen das offenbar vergessen haben.