Ist eine zweite Rheinbrücke die richtige Lösung? | Foto: Archiv Fabry

Pro & Kontra

Ist eine zweite Rheinbrücke die richtige Lösung?

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Die Diskussionen über den Bau einer zweiten Rheinbrücke dauern seit vielen Jahren an. Umweltschützer beschweren sich über den zerstörten Naturraum. Pendler ärgern sich hingegen über die langen Staus und wollen Alternativen zur Brücke bei Maxau.

Auch in der BNN-Redaktion herrscht Uneinigkeit über den möglichen Bau der zweiten Rheinüberquerung.

Pro (Julia Weidemann): „80.000 Fahrzeuge am Tag – die Zahlen sprechen für sich.“

Mal kurz von der Pfalz nach Karlsruhe zum Shoppen? Oder in die andere Richtung einen spontanen Familienausflug in den Pfälzer Wald? Bei der aktuellen Verkehrslage auf der Rheinbrücke undenkbar. Wer übers Wasser will, der muss das nicht nur gut planen, sondern braucht vor allem eine gehörige Portion Geduld. Berufspendler werden jetzt schmunzeln – sie müssen dieses Leid täglich ertragen.

Die Brücke wurde 1966 eröffnet. Damals rollten im Schnitt 18.000 Fahrzeuge täglich darüber. Die Prognose lief auf 33.000 hinaus. Heute sind es fast dreimal so viele: über 80.000 Fahrzeuge, davon 13 Prozent Schwerlastverkehr. Die Zahlen sprechen für sich: Eine zweite Rheinbrücke muss her.

Und zwar nicht direkt neben der jetzigen. Damit wäre niemandem geholfen. Bei Maximiliansau gibt es schlicht keinen Platz: Autostraße und Bahngleise führen bereits dicht an den Häusern vorbei. Und auf der anderen Rheinseite würde wenige Meter nach den Brücken gerade das nächste Verkehrschaos ausbrechen. Beide würden auf die B10 führen, die wird auf Höhe der Ausfahrt Knielingen verengt. Das kann nicht funktionieren. Viel sinnvoller wäre es, die zweite Rheinbrücke auf die B36 zu leiten.

Umweltschützer schimpfen, dass der Bau einer zweiten Brücke auf Kosten des Naturschutzgebietes am Damm gehe. Aber tatsächlich betrifft dies nur einen ganz geringen Abschnitt, ein großer Teil der Brücke würde übers Daimler-Werk und das Miro-Gelände führen. Zwei große Arbeitgeber, die davon übrigens ebenso profitieren würden. Zudem bedeutet weniger Stau auch weniger Abgase.

Mobilität ist Lebensqualität. So lange der öffentliche Nahverkehr diese nicht lückenlos und vor allem zeitsparend garantiert, ist eine zweite Rheinbrücke die einzig sinnvolle Alternative.

Kontra (Tobias Törkott): „Das Hauptproblem verlagert sich dann nur ein paar Kilometer weiter nach Norden.“

Klar, wer zwischen der Pfalz und Karlsruhe pendelt, beißt häufig ins Lenkrad. Auch der Verfasser dieser Zeilen gehört zu denen, die täglich den Verkehrsgott anbrüllen. Egal ob morgens oder abends: Der Fahrtweg wird zur Geduldsprobe. Aber ist die einzige Lösung eine zweite Brücke weiter nördlich?

Ganz klar: nein. Natürlich entlastet das den Verkehr direkt am Kreuz. Und auch die Pendler, die aus dem Karlsruher Norden Richtung Pfalz müssen, könnten die neue Rheinüberquerung nutzen. Wer glaubt, dass so der Verkehr auf der Karlsruher Südtangente entschlackt werden würde, täuscht sich. Die Strecke ist die Überleitung von den Autobahnen 5 und 8 Richtung Westen. Sollen die Lastwagen erst noch ein Stückchen durch Karlsruhe Richtung Norden zur zweiten Brücke fahren, nur um dann linksrheinisch über die B9 zurück auf die A65 zu fahren? Dann staut es sich eben dort. Oder direkt in Karlsruhe. Das Hauptproblem verlagert sich nur ein paar Kilometer weiter nach Norden.

Natürlich lässt sich über die Kritikpunkte von Seiten der Umweltschützer streiten. Die Verantwortlichen des BUND ecken an, überspitzen teilweise. Aber: In Zeiten des Klimawandels ist der Bau von weiteren Fernverkehrs-Trassen unsexy. Die Proteste für den Ausbau der A49 in Hessen sprechen für sich. Und zum Thema Geld sei nur so viel gesagt: Die Kosten für öffentliche Bauprojekte schnellen gerne in die Höhe.

Was hilft nun? Statt einer neuen Brücke wäre es hilfreich, den öffentlichen Personen-Nahverkehr auszubauen. Pendler, die in den Norden Karlsruhes wollen, sind auf das Auto angewiesen. Würde hier sinnvoll investiert, würde das Verkehrsaufkommen entlastet. Wer braucht dann eine zweite Rheinbrücke?