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Pro & Kontra

Klimaschutz und Pendeln: Passt das zusammen?

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In Zeiten des Klimawandels und der „Fridays for Future“ steht so ziemlich alles auf dem ökologischen Prüfstand. Ist es da überhaupt noch vertretbar, weit weg vom Arbeitsort zu wohnen und jeden Tag lange Strecken mit dem Auto oder mit dem Zug zurückzulegen? Sprich: Ist Pendeln im Jahr 2019 noch zeitgemäß? Die BNN-Mitarbeiter Felix Doll und Tanja Rastätter haben zwei unterschiedliche Meinungen dazu.

Pro (Felix Doll): „Jeder hat das Recht, selbst über seinen Wohnort zu entscheiden.“

Der Arbeitsmarkt ist im Wandel. Die Zeiten des Berufstätigen, der mit 16 Jahren seine Ausbildung im Betrieb beginnt und mit 67 Jahren als Abteilungsleiter in Rente geht, sind vorbei. Arbeitsplatzwechsel zu anderen Betrieben werden gerade in jungen Jahren häufiger. Dass sich der Arbeitsweg dadurch verlängern kann, gehört dazu.

Und dann? Mit der Familie umziehen? Eigenheim, Freunde in der Nachbarschaft oder der Fußballverein im Ort: um das alles aufzugeben müsste das Gehalt im neuen Job schon um einiges höher sein als zuvor. Vom persönlichen Wert für all dies mal abgesehen. Mietpreise oder Kosten für Immobilien in dicht bevölkerten Regionen steigen bekanntlich schneller als der Lohn.

Jeder hat das Recht, selbst zu entscheiden, wo er wohnen möchte. Es ist vernünftiger, die Strecke zur Arbeit zu pendeln und zu schauen, wie sich alles entwickelt. Denn was nützt es, alles Aufgebaute aufzugeben, nur um einen kleineren ökologischen Fußabdruck aufzuweisen, wenn die Familie sich anschließend zuhause nicht mehr wohlfühlt?

Es muss ja auch niemand zwangsläufig mit dem Auto pendeln. Autobahnen sind oftmals mit Staus blockiert. Öffentliche Verkehrsmittel bieten hierfür viele Verbindungen an. Mit einem Jahresticket kann auch in der Freizeit ein gigantisches Streckennetz befahren werden.

Die Zeit im Zug wiederum lässt sich nutzen, um die morgendlichen Nachrichten oder die Zeitung zu lesen. Morgenmuffel können hier bereits Zeit im Bett gewinnen. Auch am Abend ist eine Pause zwischen Arbeit und der Heimat ohne Stau-Stress angenehm, um den Feierabend mit einem freien Kopf genießen zu können.

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Kontra (Tanja Rastätter): „Es pendeln immer noch 60 Prozent zur Arbeit. Das ist zu viel.“

Wenn man nicht beim Fahrweg zur Arbeit mit dem Einsparen von Energie anfangen möchte – womit denn dann? Das ist kinderleicht. Jeder sollte im Kleinen beginnen und das geht jeden Tag vor der Haustür. Stück für Stück. Zum Beispiel, indem man ins Büro läuft oder mit dem Fahrrad fährt. Das ist umweltfreundlich und kostengünstig. Ein weiterer positiver Nebeneffekt: Der Arbeitnehmer bleibt so körperlich fit.

Vor allem in den Hauptverkehrszeiten und in der Rushhour herrscht auf den Pendlerstrecken meist viel Verkehr. Autofahrer stehen dann jeden Tag im Stau und schaden so der Umwelt noch mehr. Die CO2-Emissionen sind bei Stau und stockendem Verkehr um einiges höher.

Und was viele verdrängen: Die Umweltpolitik war bei der Europawahl für die Deutschen das wichtigste Thema. Dann sollen sie es auch umsetzen und leben. Das nur auf dem Papier zu behaupten, reicht nicht. Denn es pendeln immer noch 60 Prozent zur Arbeit. Diese Zahl ist eindeutig zu hoch.

Und es gibt noch einen weiteren Vorteil für Nicht-Pendler: Sie sind flexibler in Bezug auf die Arbeitszeiten und das freut auch die Chefs.

Wer einen kürzeren Weg zur Arbeit hat, steht kürzer im Stau und kommt stressfreier im Büro an. Er ist somit pünktlicher – vielleicht sogar ausgeglichener und entspannter. Menschen, die nicht pendeln, haben zudem mehr Zeit für andere Dinge wie Sport, Freunde oder Familie – oder einfach nur um länger zu schlafen. Das wirkt sich dann positiv auf den Bio-Rhythmus und das Wohlbefinden aus. Sind das genug überzeugende Gründe?

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