Trinkwasser für umsonst

Sollte Leitungswasser in Restaurants kostenlos angeboten werden?

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Eine Debatte ohne Ende, jetzt ist sie wieder neu entflammt: Soll Leitungswasser in Restaurants kostenlos angeboten werden oder nicht? Gastronomen sind in Deutschland nicht zu diesem Service verpflichtet. Sie winken die Forderung aufgrund der damit verbundenen Kosten ab.

Hintergrund des Wasser-Streits ist eine neue EU-Richtlinie. Im Herbst will man debattieren, ob Gastronomen zum kostenlosen Leitungswasser verpflichtet werden sollen. Der Branchenverband Dehoga Baden-Württemberg ist strikt dagegen und will deutsche Wirte schützen. Doch: Sollte der Ruf nach kostenlosem Wasser erfüllt werden? Die BNN-Redakteurinnen Tanja Rastätter und Tanja Starck haben hierzu zwei Meinungen.

Pro (Tanja Rastätter): „Es gehört schlichtweg zum guten Service, ein Glas Wasser kostenlos anzubieten.“

Schon vergessen? Leitungswasser hat insbesondere in Deutschland eine hervorragende Qualität und wird stets bestens kontrolliert. Es ist gut trinkbar und für das Restaurant entstehen kaum Kosten. Ein Liter von dem Wasser aus dem Hahn kostet in Deutschland circa 0,2 Cent.

Gerade wenn es heiß ist und das Thermometer gegen 40 Grad geht, sollen die Menschen viel trinken. Doch die Preise für Mineralwasser sind in Cafés und Restaurants oft extrem hoch. Da gehört es schlichtweg zum guten Service, ein Glas Wasser kostenlos anzubieten.

Länder wie Italien oder Österreich machen es vor: Dort gibt es zum Espresso oder zur Melange immer ein Glas Wasser. In Griechenland oder Frankreich steht außerdem oft automatisch eine ganze Karaffe oder ein Krug voll mit Trinkwasser auf dem Tisch – ganz kostenlos. So viel muss es nicht einmal sein, ein bis zwei Gläser genügen. Die Kunden sollen schließlich nicht nur Leitungswasser bestellen, sondern auch etwas anderes trinken. Aber Tabletten oder andere Medikamente lassen sich zum Beispiel angenehmer mit Wasser als mit Cola oder Kaffee schlucken.

Nur in Deutschland wird dumm geschaut, wenn jemand ein Glas Leitungswasser zum Essen oder zum Wein bestellt. Das sollten sich die Gastronomen abgewöhnen, wenn sie ihre Kunden schätzen und langfristig wiedersehen möchten.

Wer nur Leitungswasser trinkt ohne ein weiteres Getränk oder Essen zu bestellen, kann hingegen gerne zu humanen Preisen zur Kasse gebeten werden. 4,20 Euro, das ist der Preis, den Til Schweiger in seinem Restaurant für gefiltertes Leitungswasser verlangt, ist eindeutig zu hoch.

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Kontra (Tanja Starck): „Ein Sinnbild der Geiz-ist-geil-Mentalität der Verbraucher.“

Immer wieder warnen Gastronomen, Verbände oder Stadtverantwortliche vor dem Restaurantsterben. Hohe Kosten sind verantwortlich dafür, dass Orte, die im Geiste mit wunderbaren Erinnerungen verbunden sind, nach und nach verschwinden. Wer von den Gastronomen noch kostenloses Leitungswasser fordert, darf dann bitte auch nicht jammern, wenn der Lieblingsitaliener um die Ecke schließt.

Die Ansprüche der Gäste sind hoch: Die Ware soll frisch, das Essen lecker, der Service spitzenmäßig und das alles am besten noch möglichst günstig sein. Kein Wunder, dass immer mehr Gastronomen Insolvenz anmelden. Das kostenlose Leitungswasser ist ein Sinnbild der Geiz-ist-geil-Mentalität der Verbraucher.

Leitungswasser kostet Gaststätten Geld. In Deutschland geht der Gewinn über Getränke. Sinkt diese Einnahme, wird das kostspielige Geschäft des Gastronomen, die erst einmal die Miete, die Lohnkosten und den risikoreichen Wareneinsatz einnehmen müssen, schnell zum Minusgeschäft.

Wer jetzt damit kommt, dass andere Länder diesen Service schließlich auch bieten, der sollte sich mit diesen Ländern erst einmal auseinandersetzen.

In Italien etwa ist es durchaus üblich, dass für den Tisch ein Grundpreis erhoben wird – ein „Coperto“. Dafür dürfen dann Gläser, Besteck und Co. benutzt werden. Zwei Euro sind dafür keine Seltenheit. Auch die Speisen sind teurer und es ist üblich mehrere Gänge, eine Vorspeise (Primi Piatti) und eine Hauptspeise  (Secondi Piatti) zu bestellen und zu essen. Wer in Italien in einem guten Lokal nur eine Pizza bestellt, wird oft mitleidig angeblickt.

Auch Spanien unterscheidet sich sehr von Deutschland. Es gehört einfach dazu, sich abends in einem Lokal zu treffen und dort etwas zu essen und zu trinken. Viele Spanier wohnen lieber in einer kleinen Mietwohnung, als am Geld für die abendliche Freizeitgestaltung zu sparen. Ganz anders als die Deutschen, die gerne Immobilien besitzen, um dann ab und zu im Restaurant einzukehren. Und auch nur dann, wenn es das Wasser kostenlos gibt. Na dann: Prost.

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