Sollte das Rauchverbot in Deutschland ausgeweitet werden? | Foto: Sebastian Gollnow/Archiv

Pro & Kontra

Sollte das Rauchverbot an öffentlichen Plätzen ausgeweitet werden?

Anzeige

Die Österreicher machen Schluss – mit dem Qualmen in Restaurants. Während das in Deutschland schon seit über zehn Jahren, allerdings mit Ausnahmen, verboten ist, will das Nachbarland ab November richtig ernst machen: An allen öffentlichen Orten, an denen Speisen und Getränke hergestellt und konsumiert werden, soll das Rauchen verboten werden – auch das von Shishas und E-Zigaretten. Sollte das Rauchverbot auch in Deutschland ausgeweitet werden?

Pro (Julia Falk): „Wer meint, seiner eigenen Gesundheit schaden zu wollen, kann das gerne tun –  aber alleine.“

Rauchen ist out – im Zeitalter von Nachhaltigkeit und Fridays-for-Future achten die Menschen mehr auf ihren Körper und die Umwelt. Und das ist auch gut so. Rauchen kann tödlich sein, das muss seit 2016 in Deutschland auf allen Zigarettenschachteln geschrieben stehen. Wer sich der Gefahr dennoch aussetzen möchte, kann das als erwachsener Mensch natürlich tun – aber ohne andere mit ins Boot zu holen.

Passivrauchen, also das Einatmen des Zigaretten-Rauches anderer, kann die gleichen gesundheitlichen Folgen haben wie das aktive Paffen selbst, wenn auch in geringerem Ausmaß. Denn, wer sich im Umfeld einer Zigarette befindet, atmet die gleichen krebserregenden Substanzen ein, wie der Raucher selbst – ungefragt und ungewollt.

Deshalb ist es unfair, dass etwa in einem Biergarten, in dem von 50 Gästen fünf rauchen, die übrigen 45 darunter leiden und eingenebelt werden. Vor allem in Bereichen, in denen sich häufig Kinder aufhalten, sollte ein absolutes Zigaretten-Verbot eingeführt werden. Wer meint, seiner eigenen Gesundheit schaden zu wollen, kann das gerne tun –  aber alleine.

Abgesehen vom gesundheitlichen Aspekt schaden Zigaretten auch der Umwelt: Wer seine Kippe einfach achtlos am Wegesrand fallen lässt, sollte wissen, dass es bis zu 15 Jahre dauern kann, bis der Filter sich zersetzt hat. Und nicht nur das: Wenn die Zigarettenstummel durch Regen ausgespült werden, gelangen alle giftigen Stoffe in Böden und Gewässer – mit fatalen Folgen für die Fische und Pflanzen.

Kontra (Markus Pöhlking): „Das ist Deutschland: Wozu Pragmatismus, wenn es auch ein Paragraph regeln könnte?“

Dass Rauchen ungesund ist, dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben. Die Zahl der Raucher nimmt ab. Am Bahnsteig, in Kneipen, Restaurants und im Büro haben sich Raucher längst daran gewöhnt, ihrem Laster nur in dafür ausgewiesenen Bereichen nachzugehen. Der Gesetzgeber hat das Rauchen mittlerweile ziemlich durchreguliert. Das ist gut so – es reicht aber auch. Es braucht keine weiteren Rauchverbote in der Öffentlichkeit.

Beispiel Biergarten: Wer sich abends dort auf ein paar Halbe mit Freunden trifft und dann um seine Gesundheit fürchtet, weil irgendwo wer raucht, sollte konsequenterweise nur Leitungswasser bestellen. Die Folgen des Alkohols dürften für den Körper nämlich deutlich schwerwiegender sein als etwas Passivraucherei unter freiem Himmel.

Zündet sich jemand im Beisein von Kindern einen Glimmstengel an, wäre es ein leichtes, ihn zu bitten, vielleicht zum Aufrauchen rasch um die Ecke zu gehen. Die meisten Raucher würden das wohl auch machen – aber: in Deutschland muss sowas natürlich gesetzlich geregelt werden. Wozu Pragmatismus, wenn es auch ein Paragraph regeln könnte?

Wahrscheinlich wird daher demnächst eine Expertenkommission eingesetzt, die in zehn Jahren zu dem Schluss kommt, dass Raucher zu Kindern mindestens 35 Meter Abstand wahren müssen (Zigarren: 39,5 Meter, Light-Zigaretten: 32, 75 Meter – bei Regen und Gegenwind können alle Abstände um ein Drittel gekürzt werden).

Wer unbedingt Rauchverbote ausweiten möchte, sollte doch wenigstens seine Position zu Ende denken – und ein generelles Verbot von Tabak fordern. Wem das zu weit geht, der sollte bekennen: Es gibt im Leben zahlreiche Risiken für die Gesundheit, Passivrauchen ist eines davon. Wer es als existenzielle Bedrohung wahrnimmt, sollte vielleicht den Kontakt zu Rauchern meiden.