Sollte eine Fleischsteuer eingeführt werden? | Foto: BNN

Pro & Kontra

Sollte eine Fleischsteuer eingeführt werden?

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Die Deutschen essen zu viel Fleisch. Das ist an sich nichts Neues, doch jetzt könnte die sogenannte Fleischsteuer eingeführt werden, also die Erhöhung der Mehrwertsteuer auf Würstchen und Steak von sieben auf 19 Prozent. Dafür argumentiert wird von allen Seiten: für das Tierwohl, weniger CO2-Ausstoß, die Gesundheit der Bürger. Würde eine Fleischsteuer an den richtigen Stellen helfen? Zwei BNN-Redakteure sind unterschiedlicher Meinung.

Pro (Tobias Törkott): „Es muss nicht täglich Wurst aufs Brot oder Schnitzel in die Pfanne.“

Mhm… die kleinen knusprigen Hähnchenschnitzel in Dinosaurier-Optik sehen lecker aus. Was? Gerade mal 1,99 Euro für 500 Gramm? Schnapp des Tages! Ja, Fleisch ist billig. Nicht nur der knusprige Tyrannosaurus Rex wird unter Wert verschachert, auch die Premium-Salami mit Pfefferrand ist mit 1,49 Euro für geschätzte zweihundert Scheiben gar nicht mal so sehr Premium! Politiker von SPD und Grünen fordern nun eine Erhöhung der Mehrwertsteuer auf Fleisch. 19 Prozent statt sieben! Macht das Sinn? Zu Teilen: Ja. Eines vorneweg: Der Verfasser dieser Zeilen isst auch gerne mal eine Bratwurst.

Zunächst das große Manko: Steuern sind nicht zweckgebunden! Das heißt, die Kohle käme nicht da an, wo sie hinsollte. Sprich: Schweine, Rinder und Hühner vegetieren zunächst weiter jämmerlich vor sich hin.

Ein höherer Preis für tierische Produkte ist ein erster Schritt. Es muss nicht täglich Wurst aufs Brot oder Schnitzel in die Pfanne. Auch, wenn das der gemeine Süddeutsche kaum hören mag. Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner setzt – welch ein Wunder – auf eine freiwillige Lösung und den Kunden, der an der Kasse entscheidet.

Und dort kann ein höherer Preis für ein Umdenken sorgen. Das ist zwingend notwendig. Wird weniger gekauft, wird weniger produziert. So kann der Massentierhaltung etwas mehr Einhalt geboten werden. Ist die Billig-Leberwurst plötzlich teuer, geht der Konsument auch mal zum Metzger, was sonst zu teuer wäre. Der nächste Schritt: Der Preis sollte nicht nur über eine Steuer diktiert werden. Sondern auch über eine Abgabe, die an Haltung und ethische Richtlinien geknüpft ist. Der Konsument hat es also in der Hand. Und denkt beim „Dinokauf“ vielleicht an ein Hühnchen. Also in echt, nicht in Panade.

Kontra (Julia Falk): „Diesen gequälten Puten, Hühnern, Schweinen und Rindern hilft es auch nicht, dass ihr Fleisch anschließend im Laden etwas teurer verkauft wird.“

Eine Fleischsteuer klingt erst einmal gut. Denn, dass wir alle zu viel und leider häufig unter schlechten Bedingungen für Tiere und Menschen hergestelltes Fleisch verzehren, steht fest. Leider setzt die nun von SPD- und Grünen-Politikern angeregte Fleischsteuer an der falschen Stelle an. Wem würde die von sieben auf 19 Prozent erhöhte Mehrwertsteuer auf Nackensteak und Schweinebauch etwas bringen? Richtig, dem Staat, schließlich handelt es sich hier um eine Steuer.

Der Staat ist aber nicht der Leidtragende unseres problematischen Fleischkonsums – sondern die Tiere, die unter unwürdigen Bedingungen „leben“ müssen, ehe sie teils grausam und gegen jegliche Tierschutzrechte verstoßend getötet werden. Diesen gequälten Puten, Hühnern, Schweinen und Rindern hilft es auch nicht, dass ihr Fleisch anschließend im Laden etwas teurer verkauft wird.

Wer die schockierenden Videos von geschlagenen und getretenen Truthähnen oder vor der Schlachtung nicht richtig betäubten Kühen gesehen hat, muss erkennen: Hier müssen klare Regeln her. Was den Tieren wirklich helfen würde, wären hohe gesetzliche Standards von Haltung und Schlachtung und die ernsthafte und regelmäßige Überprüfung der Einhaltung durch die Veterinärämter vor Ort.

Das könnte bedeuten, dass weniger Fleisch produziert und die Wurst, die man im Laden kaufen kann, teurer würde. Das könnte bedeuten, dass die Veterinärämter der Städte und Kreise neue Mitarbeiter einstellen müssten, um monatlich die Höfe zu kontrollieren. Und das würde bedeuten, dass Nutztiere wie Kuh und Schwein endlich nicht mehr aus reiner Habgier der Produzenten und Egal-Mentalität der Konsumenten leiden müssten.