Sollte privates Feuerwerk verboten werden?
Sollte privates Feuerwerk verboten werden? | Foto: KME Karlsruhe Marketing und Event GmbH - Jürgen Rösner

Pro & Kontra

Sollte privates Feuerwerk verboten werden?

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München hat schon entschieden: Künftig sind Böller in „dicht besiedelten Innenstadtgebieten“ verboten. Die Deutsche Umwelthilfe fordert jetzt das Verbot von privatem Geböller an Silvester in 31 deutschen Städten. Außerhalb der Stadtzentren soll es erlaubt sein. Karlsruhe ist nicht dabei, Stuttgart schon.

Die Münchner begründen ihre Entscheidung damit, dass die Städter fröhlich und gesund ins neue Jahr kommen sollten. Die Umwelthilfe hat vor allem die Luft und die Belastung durch die Böllerei im Blick. Wäre ein Verbot von privatem Böllern der richtige Weg? Die Redakteure Julia Falk und Tanja Starck sind unterschiedlicher Meinungen.

Pro (Julia Falk): „Wäre es nicht viel schöner, wenn sich am Silvesterabend alle Menschen auf dem Marktplatz ihres Dorfes versammelten, um gemeinsam bei buntem Feuerwerk ins neue Jahr zu starten?“

Zugegeben, so ein Feuerwerk ist schon schön anzusehen. Trotzdem reicht es, wenn an Silvester an einem zentralen Ort in der Stadt geböllert wird oder der Veranstalter eines Festes ein paar bunte Lichter in den Himmel schickt. Private Böllerei, das muss nicht sein.

Ab und an, wenn aus der Nachbarschaft Knallgeräusche zu vernehmen sind, fragt sich so mancher: Ja, ist das Jahr denn schon wieder vorbei? Nein, ist es nicht, es meint nur irgendjemand, an seinem nicht einmal runden Geburtstag nachmittags um 16 Uhr böllern zu müssen.

Abgesehen davon, dass das Feuerwerk abseits des Silvesterabends nervig sein kann, birgt es auch einige Gefahren. Am Ersten eines jeden Jahres gibt es in den Medien zahlreiche Berichte von Menschen, die sich am Silvesterabend beim privaten Feuerwerk schwer verletzt haben. Meist durch sogenannte „Polenböller“, also in Deutschland überwiegend verbotene Feuerwerkskörper, die mehr Sprengstoff enthalten als die Handelsüblichen.

Besonders schlimm sind Feuerwerkskörper auch für Tiere. Katzen und Hunde etwa können panisch oder völlig verstört auf die lauten Knallgeräusche reagieren. Wer ein Haustier daheim hat, hat dieses an Silvester vermutlich schon mehr als einmal im Ausnahmezustand erlebt.

Es muss nicht jeder böllern können. Wäre es nicht viel schöner, wenn sich am Silvesterabend alle Menschen auf dem Marktplatz ihres Dorfes versammelten, um gemeinsam bei buntem Feuerwerk ins neue Jahr zu starten, als wenn jeder vor der eigenen Haustüre vor sich hin böllert? Man denke auch einmal an die Kosten, die der Einzelne am Vorabend der Silvesternacht beim Einkauf einsparen würde.

Kontra (Tanja Starck): „Schließlich ist Frieden eine Einstellungssache und wer den Frieden stören will, wird ihn stören. “

Silvester ist nicht mehr, was es in der Kindheit war. Das Verbot von Bleigießen zum vergangenen Jahreswechsel läutete ein, was in der derzeitigen Diskussion rund um das Feuerwerk fortgesetzt wird. Ein Verbot würde das Ende langjähriger Traditionen bedeuten.

Schlimmer: Es wäre der Abschied von einem deutschen Kulturgut.

Das Feuerwerk an Silvester ist hierzulande ein Symbol von Freude. So wie in anderen Ländern Papierballons mit Kerzen in den Himmel geschickt werden oder überdimensionierte Figuren mit Lichtern durch die Straßen ziehen.

Ein Verbot lässt unzufrieden in die Zukunft blicken und die Frage aufkommen: Welche Einschränkungen stehen noch bevor? Als Nächstes kommt sicher das Racletteverbot. Zu viel Käse. Zu ungesund. Im Jahr darauf könnte der Alkohol gestrichen werden. Schließlich führt übermäßiger Konsum dazu, dass Menschen sich ungebührlich benehmen und vielleicht sogar zu Aggressivität neigen. Das Jahr darauf? Denken wir besser nicht daran.

Und ist das Feuerwerk nicht die einzige Sache, die selbst Silvesterhasser hoffnungsvoll in den Abend und den Himmel blicken lässt? Außerdem: Man stelle sich die Stille und die leeren Straßen vor. Wie traurig die Vision einer Familie, die als Ersatz für das Feuerwerk vielleicht mit der Handytaschenlampe winkt und so das neue Jahr begrüßt.

Noch schlimmer wird es, wenn man die Idee von Großveranstaltungen außerhalb der Innenstädte weiterdenkt.

Dieses „außerhalb“ wird wohl kaum an den öffentlichen Nahverkehr angebunden sein. Also sparen Familien und Freunde den Feinstaub der Silvesterböller ein, um mit ihren Autos wieder CO2 auszustoßen, wenn sie sich fahrend zum zentralen Silvesterevent bewegen. An die Unfälle der Betrunkenen, die sich dennoch ans Steuer zu setzen, um dahin zu gelangen, versucht man besser nicht zu denken.

Und ob es da wirklich friedlich zu geht? Wohl kaum.

Schließlich ist Frieden eine Einstellungssache und wer den Frieden stören will, wird ihn stören. Egal, ob jemand einen Böller zwischen die Füße von anderen Besuchern wirft oder stattdessen eine Schlägerei provoziert.