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Pro & Kontra

Sollten Fahrräder und E-Scooter von Gehwegen verbannt werden?

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Paris hat es schon getan, Berlin möchte nun nachziehen – und das Abstellen von elektronischen Scootern auf Gehwegen verbieten. Dabei erlaubt das geltende Recht explizit das Parken von Kleinstfahrzeugen und Fahrrädern auf Gehwegen. Ist das eine unzumutbare Behinderung für Fußgänger? Unsere Redakteurinnen sind geteilter Meinung.

Für das Abstellen von E-Scootern „gelten die für Fahrräder geltenden Parkvorschriften entsprechend“, heißt es in der Verordnung über sogenannte Elektrokleinstfahrzeuge. E-Scooter dürfen demnach genau wie Fahrräder sowohl am Straßenrand als auch auf Gehwegen und in Fußgängerzonen abgestellt werden. Einzige Bedingung: Fußgänger dürfen nicht behindert werden, insbesondere müssen Rettungswege freigehalten werden. Trotzdem beschweren sich immer mehr Passanten in deutschen Großstädten über die Enge auf den Gehwegen und fordern eine Beschränkung. Berlin möchte das Scooter-Parken außerhalb bestimmter Zonen sogar komplett verbieten. Ist das sinnvoll?

Pro (Julia Falk): „Fahrradständer, die gibt es wie Sand am Meer – und trotzdem stellen alle ihre Velos kreuz und quer auf dem Gehweg ab.“

Ja ja, die armen Rad- und neuerdings auch E-Scooter-Fahrer. Immer die Schwächeren und immer im Recht. In den meisten Karlsruher Stadtteilen herrscht akute Parkplatznot, Motorrad-Parkplätze sind in manchen Vierteln überhaupt nicht vorhanden. Nur Fahrradständer, die gibt es wie Sand am Meer – und trotzdem stellen alle ihre Velos kreuz und quer auf dem Gehweg ab. Stört ja keinen.

Doch, tut es. Viele Fahrradfahrer nörgeln regelmäßig herum, sich von Auto- und Lkw-Fahrern nicht ernst genommen zu fühlen. Das mag in Teilen zutreffen – aber der Spieß kann auch herumgedreht werden. Um von allen respektiert zu werden, muss man sich selbst auch an die Regeln halten. Viele Fahrradfahrer fahren über Rot, ignorieren rechts vor links, steigen auf dem Zebrastreifen nicht vom Sattel – und stellen ihre Zweiräder so auf dem Gehweg ab, dass Rollstuhl und Kinderwagen nur schwerlich noch durchkommen.

Da fragt sich so mancher Motorrad-Besitzer, warum er sein Zweirad nicht an einer Gehwegecke, an der es niemanden behindert, parken darf, wenn ein paar Meter weiter Fahrräder und E-Tretroller vermeintlich erlaubt alles blockieren. Nicht umsonst heißt es Gehweg. Einige Fahrrad- und Scooter-Fahrer müssen endlich damit aufhören, ihre Regelverstöße mit dem zugegeben umweltfreundlichen Gebrauch ihrer Fahrzeuge zu entschuldigen oder gar zu rechtfertigen.

Um den Klimaneutralsten, nämlich den Fußgängern, das Laufen so reizvoll wie möglich zu gestalten, sollten Fahrräder und E-Tretroller von Gehwegen verbannt werden – und dafür ausreichend Parkplätze für Mobilitätsformen aller Art geschaffen werden.

Mehr zum Thema: E-Scooter sind in Karlsruhe noch selten. Die Probefahrt klappt aber fast tadellos – sogar in Bus und Bahn

Kontra (Julia Weller): „Wo sollen sie denn sonst hin, wo doch Autos viel zu viel Platz auf städtischen Straßen wegnehmen?“

Die Rechtslage ist eindeutig: Fahrräder dürfen laut StVO überall stehen, E-Scooter laut entsprechender Verordnung ebenso. Und das ist gut so.

Wo sollen sie denn auch sonst hin, wo doch Autos viel zu viel Platz auf den städtischen Straßen wegnehmen? Die Forderung „Scooter runter von Gehwegen“ zeigt, wie verkrustet die Verkehrsdebatte in Deutschland immer noch ist. Da erheben plötzlich Menschen den Bürgersteig zum heiligen Gemeingut, die noch nie ein paar Kilometer zu Fuß gegangen sind. Sie fahren bedenkenlos mit dem Auto zum Bäcker oder zum Briefkasten – und beschweren sich dann, wenn sie dort um ein paar abgestellte Zweiräder herumlaufen müssen.

Dabei sind Fahrräder und ihre elektrisierten Verwandten die perfekten Gefährte für kurze Strecken in der Stadt. Umweltfreundlich, leise, günstig und platzsparend: E-Scooter und Co. erfüllen alle Kriterien, um den engen, verstopften Straßenraum optimal zu nutzen. Wenn Kommunen die Scooter nun von den Gehwegen verbannen oder sie in bestimmte Parkzonen drängen, zerstören sie genau diesen Vorteil: Unkompliziert überall hinzukommen. Die „letzte Meile“ müsste wieder zu Fuß zurückgelegt werden, die Anschaffung eines E-Scooters dürfte sich dann jeder zweimal überlegen.

Im Jahr 2019 nehmen Autos immer noch den meisten Platz auf unseren Straßen ein. Wo ein Pkw parkt, könnten auch zehn Scooter oder Räder stehen. Natürlich wäre es besser, sie in Parkbuchten oder am Straßenrand abzustellen – und damit eine Konkurrenz zu umweltschädlichen Fahrzeugen aufzubauen statt zu ökofreundlichen Fußgängern. Doch dann wäre der Aufschrei der Autofahrer noch viel größer. Solange Autos also nicht komplett aus den Innenstädten verbannt sind, muss die Allgemeinheit auch mit herumstehenden Scootern klarkommen.