Sollten wir Weihnachtsbäume fällen, um sie uns ins Wohnzimmer zu stellen?
Sollten wir Weihnachtsbäume fällen, um sie uns ins Wohnzimmer zu stellen? | Foto: imago images/Eibner

Pro & Kontra

Sollten wir Weihnachtsbäume fällen, um sie ins Wohnzimmer zu stellen?

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Weihnachten ohne Weihnachtsbaum? Ein Fest ohne können sich viele nicht vorstellen. Wunderschön geschmückt und beleuchtet, ist der Nadelbaum das Symbol für Weihnachten und Besinnlichkeit schlechthin. Von geradem Wuchs muss der Baum sein, frisch geschlagen, schön buschig und mit nicht zu piksigen Nadeln. Die Ansprüche an den Baum, der die Festtage über im Wohnzimmer stehen darf, sind hoch. In Zeiten, in denen Nachhaltigkeit immer mehr in den Fokus rückt, stellt sich die Frage: Sollten wir Weihnachtsbäume fällen, um sie uns ins Wohnzimmer zu stellen?

Pro (Tanja Starck): „Die Alternative der Tanne im Topf ist dabei naiv. Wer sich darauf einlässt, glaubt wahrscheinlich auch an das Christkind.“

Pro Tanja Starck

Wer beim Weihnachtsbaum anfängt, das Klima zu schützen, kann eigentlich gleich mit der Selbstversorgung beginnen. Im Gegensatz zum Regenwald in Brasilien läuft die Wiederaufforstung bei der Tanne richtig gut. Ein ganzer Wirtschaftszweig lebt davon: Die Tanne wird gepflanzt, wächst, wird gefällt und verkauft und die Wiederaufforstung beginnt. Erzeuger leben davon, so wie andere vom Anbau von Karotten, Salat oder Kürbissen. Wer den Baum nicht fällen möchte, sollte bitte auch nur nachwachsendes Obst- und Gemüse essen.

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Die Alternative der Tanne im Topf ist naiv. Wer sich darauf einlässt, glaubt wahrscheinlich auch an das Christkind. Alle, die sich den Baum im Topf für dieses Jahr vorgenommen haben, müssen jetzt ganz stark sein. Die Wahrheit ist nämlich, dass der Nadelbaum nicht in der Lage ist, einen Temperaturwechsel zu überleben. Steht die Topf-Tanne also nicht auf der Terrasse oder dem Balkon, ist der Tannenspuk ähnlich schnell vorbei wie bei gefällten Bäumen. Also: Tod mit Wurzel, statt Tod durch Kettensäge.

Alternativ bliebe, die Tanne mit ihren Anbauflächen ganz loszuwerden. Ihr CO2-Beitrag ist komplex und so manches Laub würde vielleicht besser CO2 abbauen. Der gefällte Baum ist also völlig in Ordnung. Wer ohne schlechtes Gewissen seine Tanne genießen möchte, kauft beim Anbieter vor Ort und vermeidet so lange Transportstrecken und schlechte Baumqualitäten. In einigen Wäldern können Weihnachtsfreunde den Baum sogar selbst schlagen. Außerdem ist es empfehlenswert auf Labels wie FSC, Bioland und Naturland zu achten.

 

Kontra (Renan Sarah Frankenreiter): „Die Nadelbäume werden mit Pestiziden besprüht – eine enorme Belastung für die Umwelt“

Kontra Renan Frankenreiter

Fast 30 Millionen Weihnachtsbäume ziehen jedes Jahr in die deutschen Haushalte ein – und nach den Feiertagen wieder aus. Das Zwei-Meter-Bäumchen wird kompakt eingenetzt am besten direkt um die Ecke gekauft, schließlich will man es mit dem Kleinwagen bei offenem Kofferraum nicht zu weit transportieren. So weit, so nachhaltig. Wo der Weihnachtsbaum herkommt, spielt selten eine Rolle.

Die Umwelt- und Naturschutzorganisation Robin Wood weist darauf hin, dass die meisten der in Deutschland verkauften Weihnachtsbäume aus Plantagen stammen. Monokulturen, die nicht natur- und tierfreundlich sind. Die Nadelbäume werden gedüngt und mit Pestiziden besprüht – eine enorme Belastung für Böden, Gewässer und Insekten.

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Die beliebte Nordmanntanne ist nicht heimisch und gar nicht für unser Ökosystem ausgelegt: Sie ist gegen einige hier vorkommende Pflanzenkrankheiten nicht resistent. Der Samen kommt größtenteils aus dem Kaukasus und wird dort unter gefährlichen Bedingungen gewonnen – um schließlich mehr als 3.300 Kilometer bis nach Deutschland transportiert zu werden.

Es ist also besser, auf den gefällten Weihnachtsbaum zu verzichten. Wer das nicht möchte, kann sich einen ökozertifizierten Baum im Topf mieten. Der wird nach den Feiertagen wieder eingepflanzt und darf weiterleben. Auch Baumschulen bieten Nadelbäume aus regionalem Anbau mit Ökosiegel an. Die können später im eigenen Garten ausgepflanzt werden. Und dort viele Jahre lang Kohlenstoff abbauen, statt ihn auf der Mülldeponie, auf der die meisten Weihnachtsbäume nach ihrem Auszug landen, auszustoßen.