ISt eSport "richtiger" Sport so wie Fußball, Tennis oder Golf - oder etwas ganz anderes? | Foto: BNN/Pixabay

Pro & Kontra

Tastatur statt rundem Leder: Ist eSport echter Sport?

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Mit Computerspielen können Profis inzwischen viel Geld verdienen. Computerspielen als Sport? Der Deutsche Olympische Sportbund zumindest ist dagegen, das Gamen als offizielle Sportart anzuerkennen. Dabei geht es nicht nur um Prestige, sondern vor allem um Geld.

Millionen Fans auf der ganzen Welt schalten regelmäßig ein, wenn sich die besten eSportler der Welt in der Fußballsimulation Fifa, in League of Legends oder Counter-Strike miteinander messen. Die Definitionsfrage ist beim eSport aber noch nicht geklärt. Ist das professionelle Klicken auf der Maus Sport so wie Fußball, Tennis oder Gold – oder doch nur Spielerei?

Schon seit Jahren hadert die Sportszene mit dem Videospiel-Sport. Der Deutsche Olympische Sportbund wehrt sich bisher, den eSport als regulären Sport anzuerkennen. Ein wissenschaftliches Gutachten gab ihm kürzlich recht – und fachte die Diskussion damit neu an. Eine offizielle Anerkennung wäre dabei mehr als nur eine Frage des Prestiges, denn eine solche Entscheidung würde unter anderem steuerliche Vorteile für den eSport bedeuten.

Sollte eSport als regulärer Sport anerkannt werden? Die beiden BNN-Redakteure David Falkner und Julia Falk haben dazu unterschiedliche Meinungen:

Pro (David Falkner): „Die Anerkennung wäre nur der logische Schritt.“

Ernsthafter, professioneller eSport ist Schwerstarbeit. Profi-Gamer achten auf ihre Ernährung, damit sie im Kopf wach sind, trainieren ihren Körper, damit die Körperspannung im wichtigen Augenblick stimmt und verbringen Stunden mit Taktikdiskussionen mit ihren Trainern und Analysten. Klingt so wie im Fußball, Tennis oder Leichtathletik auch, oder etwa nicht? Und eSport soll kein Sport sein?

Klar sitzen eSportler am Ende immer noch hauptsächlich an der Tastatur oder am Controller und starren auf den Bildschirm – und natürlich widerspricht das dem ursprünglichen Bild des Sports als Körperertüchtigung im Sinne von Turnvater Jahn. Aber wenn Schach, Kegeln oder Autofahren als Sport bezeichnet werden (und die dementsprechenden Privilegien dieser Kategorisierung genießen), dann sollte das für eSports auch gelten. Unsere Gesellschaft ist inzwischen doch schon weit über die Definition von Sport als „Hauptsache, die Knochen knacken“ hinaus. All diese Tätigkeiten – egal ob Fußball, Boxen, Formel 1, Schach – eint doch letztlich eines: Das sind verdammt anstrengende Spiele, in denen es am Ende darum geht, der Beste zu sein. Genau das gleiche gilt im eSports auch. Die Anerkennung wäre nur der nächste logische Schritt.

Nur ein Argument gegen die Anerkennung gilt tatsächlich etwas: Im eSport gibt es derzeit kein unabhängiges, allgemein anerkanntes, klares Regelwerk, die Entwickler der gespielten Games bestimmen quasi alleine, wie die Regeln aussehen – und wenn ein Unternehmen mal pleite geht oder ein Spiel sich als nicht profitabel genug herausstellt, kann es passieren, dass ein ganzes Spiel inklusive seiner Szene von heute auf morgen zusammenbricht. Das ist tatsächlich ein Problem am eSport. Ein Problem aber, das man lösen kann – mit festen Strukturen, klaren Richtlinien, Absicherungen. Wie man das erreichen könnte? Eine Anerkennung als richtige Sportart könnte hier ein erster Schritt sein.

Kontra (Julia Falk): „Sport bedeutet nicht, vor dem Computer zu hocken und nur den Zeigefinger der Maus-Hand zu betätigen.“

Ja, professionelles Computerspielen mag anstrengend für Körper und Geist sein. Und ja, es gibt Menschen, die im Zocken ganz groß sind und neuerdings sogar hochdotierte Preise dafür abräumen. Dennoch: Computerspielen ist kein Sport, denn es erfüllt einige wesentliche Kriterien nicht.

Da wäre die sportliche Betätigung an sich: Sport bedeutet Laufen, Rennen, Schwitzen. Nicht: vor dem Computer sitzen und nur den Zeigefinger der Maus-Hand betätigen. Da wäre der Teamgeist, der viele Sportarten wie Basketball, Eishockey oder Volleyball ausmacht. Auch selbsternannte eSportler spielen miteinander – aber sie können dafür kilometerweit entfernt, ja, sogar über Ländergrenzen getrennt in ihren Zimmern vor ihren PCs sitzen und müssen sich nicht einmal kennen. Und da wäre das vielleicht wichtigste Kriterium: Sport findet in der echten Welt statt, während Computerspielen nur virtuell auf dem Bildschirm lebt.

Sport ist – in den meisten Fällen – eine gesundheitsfördernde Angelegenheit. Wer trainiert ist, wird weniger krank, fühlt sich besser, wird älter. Computerspielen bewirkt das genaue Gegenteil: Stundelanges Sitzen und Starren auf einen Bildschirm im halb abgedunkelten Raum – darunter leiden im Zweifel nicht nur die Augen. Auch beim Zocken gilt: Übung macht den Meister. Professionelle Computerspieler verbringen den Großteil ihres Lebens also alleine vorm PC.

Würde das nun als Sport anerkannt, könnte es dafür sorgen, dass die Welt noch mehr im Virtuellen und noch weniger in der Realität stattfindet. Und das kann eigentlich niemand wollen.