Seit der Slogan „Freie Fahrt für freie Bürger“ die Runde machte, bewegt kaum eine Diskussion die Autofahrernation Deutschland so sehr wie die Forderung nach Tempobeschränkungen auf Autobahnen. | Foto: Armin Weigel

Pro & Kontra

Tempolimits auf deutschen Autobahnen?

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Die Forderung nach Tempolimits auf Autobahnen steht wieder im Raum. Seit der Slogan „Freie Fahrt für freie Bürger“ die Runde machte, bewegt kaum eine Diskussion die Autofahrernation Deutschland so sehr wie die Forderung nach Tempobeschränkungen. Die Gründe für die gewünschte Limitierung sind dabei höchst unterschiedlich: Oft ist es der Aspekt Sicherheit, für den das Tempolimit kommen soll. In der aktuellen Debatte wird der Klimaschutz vorangestellt. Die Regierungskommission spricht sich dafür aus und prüft weiter. Der ADAC äußert sich erwartungsgemäß dagegen.

Pro (Tanja Rastätter)

Es ist mal wieder typisch für Deutschland: Hier wird sich über etwas aufgeregt, das in anderen Ländern gang und gäbe ist. Indien, China oder Amerika haben schon lange eine Obergrenze von 120 Kilometern pro Stunde. Nur in Deutschland ist das ein Problem.

Für unsere Umwelt wird ein Tempolimit höchste Zeit. Die CO2-Emissionen müssen verringert werden. Laut Umweltbundesamt werden Millionen Tonnen Kohlendioxid eingespart. Zudem werden dann endlich unsere Straßen sicherer, denn oft reicht der Bremsweg nicht und zack – kracht es. Zu schnelles Fahren ist eine der häufigsten Unfallursachen. Mit dem Tempolimit passieren weniger Unfälle und es sterben weniger Menschen.

Außerdem ist es günstiger. Jeder Autofahrer spart Benzin und damit auch Geld, das für andere Dinge wie Reisen oder Miete sinnvoller ausgegeben werden kann. Der Verkehr verteilt sich generell besser, es gibt weniger Staus und ein entspannteres Fahrgefühl. Die Laune steigt.

Welchen Grund gibt es überhaupt für schnelles Fahren? Außer, dass man zu spät losfährt und ein schlechtes Zeitmanagement hat. Wenn es um des Kicks Willen ist – den kann man sich auch woanders holen, im Freizeitpark zum Beispiel.

Kontra (Tanja Starck)

Deutschland ist Nachzügler, wenn es um alternative Antriebe geht. Mit dieser Tempolimit-Debatte lenkt der Staat vom eigenen Versagen ab. Endlich scheint Ruhe bei den Diesel-Horrorgeschichten eingekehrt zu sein. Doch: Darauf fällt keiner rein. Alternative Antrieben müssen ein Thema bleiben.

Dass bei dieser Debatte etwas nicht stimmt, das merken sogar jene, die meist in der Stadt unterwegs sind. Das Volk wird auch einem Gefühl beraubt: der Freiheit. Einem Merkmal, das Deutschland noch zu etwas Besonderem macht. „The german Autobahn“ ist selbst im amerikanischen Fernsehen eine Berühmtheit. Die unbegrenzte Geschwindigkeit ist im Land der wahr werdenden Träume eben genau das: bloß ein Traum, der neidvoll nach Deutschland schauen lässt.

Noch dazu ist die Geschwindigkeitsliebe der Deutschen ein Garant für Arbeitsplätze. Die großen deutschen Autohersteller machen mit leistungsstarken Motoren und den entsprechend großen Autos ihren größten Gewinn. Diese Arbeitsplätze wären mit dem Tempolimit in Gefahr. Noch dazu wird mit kleineren Motoren die Sicherheit ein Problem. Mit hoch motorisierten Autos können Unfälle noch im letzten Moment verhindert werden. Doch wer ist dann noch dafür bereit zu zahlen? Keiner!

Experten sind sich jetzt schon einig, dass die Effekte für den Klimaschutz gering sind. Ohnehin würde ein Tempolimit nur dazu dienen, durch Radarfallen schnell und einfach Geld in die Staatskasse zu spülen. Die Kontrolle der bereits bestehenden Verkehrsgesetze, die das Fahren auf der Autobahn ebenfalls sicherer machen würden, ist eben teurer und nur mit Aufwand zu betreiben. Damit macht es sich der Staat viel zu einfach und zwar auf Kosten der Bürger.

Autofahrer wissen: Zu viele Baustellen sind nicht gut. Liebe Regierung, löst also doch bitte zuerst die aktuellen Probleme, ehe ihr jetzt mit der Limitierung des Tempos eine neue Baustelle aufmacht.