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Pro & Kontra

Weihnachtspäckchen per Post: Eine gute Idee?

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Früher undenkbar, heute für viele Menschen Standard: den Weihnachtseinkauf komplett online erledigen und sich die Geschenke für die Liebsten per Post schicken lassen. Aber schadet das dem Einzelhandel und der Umwelt – oder ist es am Ende doch eine gute Idee? Unsere Redakteure sind geteilter Meinung.

Pro (Julia Weller): „Wann würde sich die Fahrt ins Wohngebiet für die Lieferdienste mehr lohnen, als zur Weihnachtszeit?“

Nein, liebe Kinder. Nicht der Weihnachtsmann oder das Christkind bringen die Geschenke, sondern der DHL-Bote. Und das ist nicht halb so schlimm, wie es Einzelhändler und Umweltschützer uns glauben machen wollen.

Fleißige Verschenker können vom heimischen Sofa aus in aller Ruhe das komplette Angebot an möglichen Gaben durchstöbern. Gezielte Suchfunktionen führen direkt zum gewünschten Objekt, ohne dass ein orientierungsloser Gang durch etliche stickige Geschäfte nötig wäre. Dass das Heizen und Beleuchten der riesigen Einkaufszentren mit ihren tausenden funkelnden Weihnachtslichtern nicht gerade energiesparend ist, erschließt sich von selbst.

Wenn ein einzelner Paket-Transporter eine Straße entlang fährt und Bestellungen in die Häuser liefert, kann das außerdem weniger Schadstoffe verursachen, als wenn alle Bewohner der gleichen Straße einzeln mit ihren Autos in ohnehin schon überfüllte Innenstädte oder weit außerhalb gelegene Shopping-Center fahren. Und wann würde sich die Fahrt ins Wohngebiet für die Lieferdienste mehr lohnen, als zur Weihnachtszeit mit dem hohen Paketaufkommen?

Dem Onlineshopping wird vor allem deswegen eine schlechte Ökobilanz nachgesagt, weil viele Bestellungen zurückgeschickt und teilweise sogar vernichtet werden. Das gilt jedoch für allem für Kleidung und Modeartikel. Verschenktes hingegen dürfte in den seltensten Fällen retour gehen. Auch, weil man bei unabhängigen Kunsthandwerkern oder Fachhändlern im Netz vielleicht ganz besondere Einzelstücke findet, die es in keiner Fußgängerzone und bei keiner Ladenkette gibt.

 

Kontra (Markus Pöhlking): „Gerade vor Weihnachten versprühen viele Städte ein besonderes Flair. Der Online-Handel kann das nicht gleichwertig ersetzen.“

Klar ist es ungeheuer praktisch, Weihnachtseinkäufe online zu erledigen. In Sachen Zeitaufwand sind Käufe im Internet unschlagbar. Die Vermeldung neuer Rekordzahlen aus der Zustellbranche gehört daher mittlerweile zur Vorweihnachtszeit wie der Adventskalender.

Es gibt zwei Gründe, aus denen das traurig ist.

Zum einen gewinnt der Internethandel stetig Marktanteile von seinen stationären Mitbewerbern, für die das Weihnachtsgeschäft oft einen Großteil des Jahresumsatzes darstellt. Die oft beklagte Vereinheitlichung von Innenstädten ist eine Folge davon: Teure Standorte können sich fast nur noch große Ketten leisten. Die sind aber längst auch im Internet aktiv und werden irgendwann abwägen, ob sie in der Breite noch teure Verkaufsflächen brauchen.

Gehen sie, werden ihnen keine exklusiven Inhabergeschäfte folgen. Sondern Leerstand.

Ist eine solche Dynamik einmal angestoßen, lässt sie sich schwer wieder umkehren. Was dann zum anderen das gerade vor Weihnachten spürbare, besondere Flair vieler Städte zerstören dürfte. Wird es noch weihnachtliche Dekoration geben in verödeten Innenstädten? Lohnen sich Weihnachtsmärkte dann noch? Die Fragen mögen banal anmuten, berühren aber Bereiche, die für viele Menschen zum Advent gehören.

Diese emotionale Einstimmung auf das Fest kann das Internet nicht gleichwertig ersetzen. Wie übrigens auch nicht die Beratung guter Verkäufer oder die Überraschungsfunde, die ein zielloser Einkaufsbummel bieten kann – und die sich unterm Baum vielleicht viel besser machen als das ursprünglich anvisierte Präsent. Daher sollte dem stationären Handel eine Chance geben, wer nach Geschenken sucht. Online bestellen lässt sich im Zweifel immer noch.